Geforderte Hilfe gegen den IranDie Nato soll Trump die Zwischenwahl retten

Der Iran-Krieg lässt die Ölpreise explodieren, weil Teheran die Straße von Hormus blockiert. Keine gute Entwicklung in einem Wahljahr. Donald Trump will die Nato einspannen - aber das kann nur schiefgehen.
"Dieser Krieg ist nicht Angelegenheit der Nato", sagt der Kanzler. "Das ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen", pflichtet sein Verteidigungsminister bei. In Paris teilt der Präsident mit: "Wir sind keine Konfliktpartei." Und der britische Premier will sich "nicht in den größeren Krieg hineinziehen lassen". Zu Recht lehnen die meisten europäischen Nato-Staaten eine Beteiligung am Iran-Krieg ab, wie sie US-Präsident Donald Trump gefordert, wenn nicht gar befohlen hat.
Nun wütet der Mann im Weißen Haus, zeigt sich "schockiert" über die ausbleibende Hilfe, schimpft auf Friedrich Merz wie auf den britischen Premierminister Keir Starmer. Und natürlich auf die Nato, die in Trumps Augen Milliarden bekommt, aber keine Hilfe leistet. Dabei ist er an dieser Situation selbst schuld.
In einem Punkt hat Trump recht: Es geht ihm darum, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu sichern, den das Teheraner Regime derzeit nahezu vollständig blockiert. Und Europa hat ein großes Interesse daran, die Blockade zu beseitigen. Denn die steigenden Energiepreise haben massive Folgen für private Mobilität, energieintensive Industrien und Landwirtschaft weltweit.
Dennoch ist die Absage der Nato-Staaten folgerichtig.
Erstens ist das Militärbündnis ein Verteidigungsbündnis - es ist keine Hilfstruppe für Kriege der Vereinigten Staaten.
Zweitens würde ein Einsatz in der Straße von Hormus Deutschland, Frankreich oder Großbritannien zu Kriegsteilnehmern machen - sie wären für den Iran legitime Ziele.
Drittens wäre der Einsatz teuer und höchst komplex - aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Laut dem Schifffahrts-Magazin "Lloyd's List" könnten trotz militärischem Schutz im besten Fall zehn Prozent der Tanker, die normalerweise die Straße von Hormus durchfahren, diese nutzen.
Viertens ist völlig unklar, worum es in diesem Krieg geht - und damit auch, wann und wie er beendet werden könnte. In dieser Frage lässt Trump seine Partner außen vor. Eine Beteiligung wäre ein Abenteuer, in dem die Nato-Staaten kein Mitspracherecht über Strategie und Kriegsziele hätten.
Trump steckt in einer Falle, in die er sich selbst hineinmanövriert hat. Er könnte den Krieg mit sofortiger Wirkung beenden, würde aber als Verlierer dastehen, wenn sich das derzeit angeschlagene iranische Regime wieder stabilisiert - samt angereichertem Uran in unterirdischen Bunkern. Und ein Deal mit den Machthabern? Den gab es schon einmal, Trump hat ihn in seiner ersten Amtszeit beendet.
Wusste Trump, worauf er sich mit diesem Krieg einlässt? Die Gefahr einer Blockade des Schiffsverkehrs durch den Iran war hinlänglich bekannt, Teheran hat wiederholt damit gedroht. Hat Trump Warnungen wissentlich ignoriert? Hat der den Iran und dessen Schlagkraft unterschätzt? Dachte er, der Iran wäre wie Venezuela - ein leichtes Ziel?
Der Schaden ist längst angerichtet, die Folgen für die Weltwirtschaft werden langfristig sein. Wiederholt hat der US-Präsident die steigenden Preise als geringes Opfer für das Vorgehen gegen das Teheraner Regime bezeichnet. Doch so langsam dämmert ihm, dass das zu einem Problem werden könnte. Denn nicht nur Europa hat ein großes Interesse an einer freien Straße von Hormus, wie Trump nicht müde wird zu betonen. Seine eigenen Interessen sind nicht minder groß. Nur sagt er das nicht so laut. Deshalb läuft auch seine Drohung, die Verbündeten mit der Absicherung des Seewegs allein zu lassen, ins Leere.
Das Versprechen sinkender Preise hat Trump ins Amt gebracht, seine Zoll-Eskapaden haben das Gegenteil bewirkt. Nun wird die Fahrt zur Tankstelle ein immer teureres Vergnügen. Das sorgt jetzt schon für Verdruss in den USA, wo im November ein Teil des Senats und das komplette Repräsentantenhaus neu gewählt werden. Für die Demokraten ist es ein gefundenes Fressen.
Selbst wenn der Krieg schnell endet - die Preise an den Zapfsäulen werden sich nach Meinung von Experten nicht so schnell erholen. Die republikanischen Mehrheiten, die Trump große Beinfreiheit garantieren, sind in Gefahr. Also fordert Trump Verbündete auf, sich zu beteiligen. Sie sollen ihm die Zwischenwahlen retten. Doch sie sagen aus guten Gründen ab. Und Trump? Der reagiert trotzig wie ein kleines Kind: Die Unterstützung der Nato brauche und wünsche er nicht mehr, und überhaupt "BRAUCHEN WIR DIE HILFE VON NIEMANDEM".