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Impulsiver Trump-Kommentar Habeck neigt zu Dummheiten

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Robert Habeck

(Foto: imago images/Christian Spicker)

Grünen-Chef Robert Habeck hat den Feind ausgemacht: US-Präsident Donald Trump. Der sonst stets reflektierte, zurückhaltende, gebildete Grünen-Chef neigt zu dummen Fehltritten.

Grünen-Chef Robert Habeck ist ein gebildeter Mann. Er hat in philosophischer Ästhetik promoviert und mehrere Bücher veröffentlicht, bevor er Spitzenpolitiker wurde. Man kann also erwarten, dass er seine Worte mit Bedacht wählt. "In einer dialektischen Weise sei er Deutscher", befindet er etwa, wenn er über seine Nationalität spricht. "Denn ich habe mein ganzes Leben Hegel und Adorno gelesen." Sogar in der Frage der Staatsangehörigkeit erkennt der Parteichef Graubereiche. Habeck gibt sich zurückhaltend. Er hat die Fähigkeit zu Reflexion und Selbstkritik, kann auch mal über sich selbst lachen. In einer Republik, die jahrzehntelang von Machos und Ego-Politikern dominiert wurde, wirkt er wie ein Gegenentwurf. Habeck ist ein Journalisten-Liebling. Zu "Bild am Sonntag" spricht er "mit leiser, freundlicher Stimme", der "Welt" ist er "sympathisch", die "Zeit" titelt "Ach, der Robert". Es fehlt nur noch das Fan-Poster in der Heftmitte. Die Grünen sind laut Umfragen derzeit zweitstärkste Kraft - mit Abstand.

Aber Robert Habeck neigt hin und wieder zu Dummheiten. Nachdem US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos eine Rede gehalten hat, in der es vor allem darum ging, was Donald Trump für einen guten Job macht und die in bemerkenswerter Weise den Arbeitstitel des Treffens - "Nachhaltigkeit, Fairness, Klima, der jungen Generation zuhören" - verfehlte, war Habecks Reaktion nicht minder bemerkenswert. Es sei "die schlechteste Rede, die ich in meinem Leben gehört habe", sagte er im Anschluss. In Trump einen Alliierten für mehr Nachhaltigkeit zu finden, sei zwar nicht zu erwarten gewesen, sagte der Grünen-Chef. Aber er ging noch weiter: "Er ist kein Alliierter, er ist der Gegner." Für den Mann der differenzierten Zwischentöne ist es eine erstaunlich eindeutige Einteilung der Welt in Gut und Böse.

Natürlich ist Trumps Politik aus Sicht einer Partei, deren oberstes Ziel die Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels ist, nicht erfreulich. Trump ist der weltweit wohl einflussreichste Leugner des Zusammenhangs zwischen menschlichem Tun und der Vernichtung von Lebensgrundlagen und das prägt sein Handeln. Von daher ist Habecks impulsive Äußerung schon nachvollziehbar. Doch er ist eben nicht nur irgendein Grünen-Politiker, sondern hat nach der nächsten Bundestagswahl mindestens gute Chancen, Regierungsmitglied zu werden. Nicht wenige sehen ihn als den kommenden Bundeskanzler. Wie würden sich die Dinge für Deutschland wohl entwickeln, wenn wir einen unserer engsten Verbündeten und wichtigsten Handelspartner zum "Gegner" erklären? Wahrscheinlich nicht zum Guten. Wo ist plötzlich Habecks Talent zu Zurückhaltung und Differenzierung?

"Die Interessen der anderen Seite sehen und ernst nehmen"

Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 nannte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier Trump einen "Hassprediger". Vergangenes Jahr bezeichnete ihn SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich als "Rassisten". Doch so vernichtend diese Kritik sein mag - sie impliziert nicht das Ende einer Partnerschaft. Wer jemanden als Gegner, als Feind bezeichnet, tut das aber. Trump selbst hat schon ausgeteilt und die Europäische Union als Feind bezeichnet. Aber er schränkte sein Urteil auf Handelsfragen ein. Für Habeck jedoch steht Trump "für all die Probleme, die wir haben". Ist es nicht eben diese Eindimensionalität, die er eigentlich kritisieren will?

Das Interview, in dem Habeck seine Freund-Feind-Linien zieht, hat aber noch eine andere Parallele zu dem Populisten aus Washington. Denn Habeck antwortet nicht auf eine Frage der Journalistin. Vielmehr stellt er sich selbst die Frage und antwortet dann. Wenn Trump eine wichtige Botschaft an seine Wählerinnen und Wähler loswerden will, nutzt er ebenfalls diese Kommunikationsmethode. Als Habeck vor einem Jahr wegen einer technischen Störung während einer Studio-Schalte die Frage nicht verstand, hat er das schon einmal gemacht. "Ich kann antworten, ohne die Frage gehört zu haben, wahrscheinlich", sagte er damals. Entweder er besitzt erstaunliche Fähigkeiten oder ein seltsames Verständnis journalistischer Arbeit.

Habeck erntet derzeit viel Kritik für seine Aussagen in Davos. Zumindest die Eigenschaft, sich selbst zu relativieren, hat er aber nicht verloren. Im Interview mit ntv sagte er später, Deutschland habe den USA viel zu verdanken. Man müsse Trump aber auch widersprechen und das vielleicht ein bisschen höflicher, als er es getan habe - "im ersten Brass".

Vor knapp einem Jahr hat sich der Grünen-Chef einen erheblichen Fehltritt erlaubt, als er dazu aufrief, Thüringen bei der Landtagswahl zu einem "freien, demokratischen Land zu machen". Nach einem Sturm der Kritik an diesen Äußerungen verabschiedete sich der Grünen-Chef aus den meisten sozialen Netzwerken. In seinem Blog, der den Leser an der Gedankenwelt des Robert Habeck teilhaben lässt, hieß es damals als Begründung: Twitter habe ihn "lauter, polemischer und zugespitzter" gemacht. Und weiter: "Dabei ist mein politisches Ding doch genau das Gegenteil. Die Interessen der anderen Seite sehen und ernst nehmen, nicht überheblich oder besserwisserisch zu agieren." Aus seiner Dummheit von damals hat er offenbar nicht viel gelernt.

Quelle: ntv.de