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Ein Lügner und eine Schande Zwei Mal die Wahrheit über Trump

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Präsident ohne Moral: Donald Trump

(Foto: dpa)

Zwei Mal haben Republikaner die Wahrheit über Donald Trump gesagt: Ted Cruz vor vier Jahren, Präsidentenberater Chris Christie jetzt.

Es gibt Zeiten, da haben sogar Republikaner einen Moment der Wahrheit. Bei Chris Christie war es am gestrigen Sonntag so weit, bei Ted Cruz schon am 3. Mai 2016.

Christie und Cruz gehörten 2016 zu den Bewerbern um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Christie stieg früh aus, Cruz als einer der letzten. Beide waren in den letzten vier Jahren treue Trump-Unterstützer - Cruz im Senat, Christie, Ex-Gouverneur von New Jersey und heute ohne politisches Amt, als informeller Berater.

Doch während Cruz noch zu Donald Trump hält, hat Christie deutlich gemacht, was er von dessen Versuchen hält, das Ergebnis der Präsidentschaftswahl zu delegitimieren. Das Verhalten der Trump-Anwälte sei eine "nationale Peinlichkeit", sagte er im Sender ABC. "Wahlen haben Konsequenzen, und wir können nicht so weitermachen, als sei hier etwas passiert, das nicht passiert ist."

Er meinte damit Trumps offenkundig erlogene Behauptung, bei der Wahl am 3. November habe es relevanten Betrug gegeben. Beweise dafür haben weder Trump noch seine Rechtsanwälte vorgelegt, wie Christie richtig anmerkte. "Außerhalb der Gerichte unterstellen sie Betrug, aber wenn sie in den Gerichtssaal gehen, dann klagen sie nicht auf Betrug." Das könne nur bedeuten, dass es keine Beweise gebe.

Das ist alles richtig - mit einer Ausnahme: Die nationale Peinlichkeit sind nicht Trumps Rechtsanwälte, es ist der Mandant, den sie vertreten. Und das nicht erst jetzt, sondern seit vier Jahren, seit er zum Präsidenten gewählt wurde und aus dem Weißen Haus heraus Lügen, Hetze und Unfug verbreitet.

"Der Mann kann nicht die Wahrheit sagen"

Ja, es gibt Gründe, warum Trump gewählt wurde. Das ändert nichts daran, dass Trump für die USA eine Schande ist. Seine stumpfe Weigerung, Fakten anzuerkennen, seine absolute Indifferenz für alles, was außerhalb seiner eigenen Welt stattfindet, seine Skrupellosigkeit, wenn es um die Folgen seines Handelns geht, machen ihn zu mehr als einer Blamage. Trump war und ist eine Bedrohung für die älteste Demokratie der Welt.

Damit wären wir bei Ted Cruz, der politisch mindestens so weit rechts steht wie Trump. Im Vorwahlkampf 2016 war er von Trump schwer beleidigt worden, er nannte ihn den "Lügenden Ted" und behauptete, Cruz' Vater sei an der Ermordung von John F. Kennedy beteiligt gewesen. Er drohte zudem damit, "mal ein bisschen was über deine Frau zu erzählen", und verbreitete auf Twitter ein unvorteilhaftes Bild von Heidi Cruz neben einem Foto seiner eigenen Frau. Cruz reagierte darauf mit einer Schimpfkanonade vor laufenden Kameras.

"Dieser Mann ist ein pathologischer Lügner", sagte Cruz damals, am 3. Mai 2016. "Er kennt den Unterschied zwischen Wahrheit und Lügen nicht. Praktisch jedes Wort, das aus seinem Mund kommt, ist eine Lüge. Das ist ein Muster, das direkt aus einem Psychologie-Lehrbuch kommen könnte: Seine Reaktion ist, jedem anderen Lügen vorzuwerfen."

Die Analyse trifft den Nagel bis heute auf den Kopf. "Was immer er tut, wirft er jedem anderen vor", sagte Cruz. Trump und die Republikaner haben versucht, die Wahl mit Tricks und Betrugsvorwürfen zu gewinnen - also wirft er jetzt den Demokraten vor, betrogen zu haben. "Der Mann kann nicht die Wahrheit sagen, aber das kombiniert er damit, ein Narzisst zu sein. Ein Narzisst auf einem Niveau wie es dieses Land noch nicht gesehen hat." Trump sei außerdem "vollkommen amoralisch". Moral existiere für ihn nicht.

Vier Monate nach diesem Auftritt erklärte Cruz seine Unterstützung für Trump. Wie Cruz, Christie und andere Republikaner sich von Trump haben korrumpieren lassen, zeugt von grenzenlosem Opportunismus. Aber das ist nur ein Nebenstrang der eigentlichen Geschichte. Die lautet: Trump war und ist eine nationale Schande. Solange die Republikaner das nicht offen einräumen, wird er seine Macht über diese Partei behalten.

Quelle: ntv.de