Person der Woche

Person der Woche: Esmail Qaani Irans Kriegspate der Hamas schickt jetzt Drohnen

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Die Hamas feuert weiter Raketen auf Israel. Für Waffen, Nachschub und die strategische Kriegsführung sorgt der Iran. Von dort wird nun der Drohnenkrieg betrieben. Hinter dem Dauerbombardement steckt ein Mann, der seine erschreckenden Absichten öffentlich kundtut.

Die Geschosse der Terrororganisation Hamas, die aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden sind, summieren sich inzwischen auf 3150 Raketen binnen einer Woche. Der Bombenhagel setzt sich in der zweiten Woche nicht nur fort. Nun schickt die Hamas auch sogenannte Selbstmord-Drohnen nach Israel, die sich samt Sprengladung tödlich gezielt in israelische Ziele bohren können. Der militärische Arm der Hamas hat dazu ein Video verbreiten lassen, im Stile eines Propagandafilms untermalt mit dramatischer Musik, das den Start der Drohnen dokumentiert.

Mit den "Shebab" genannten Drohnen will die Hamas nach eigener Ankündigung israelische Chemiefabriken, Flughäfen, Öl- und Gastanks angreifen und den Krieg in eine neue Dimension führen. In Israel wächst deshalb die Sorge, denn die eigene Luftwaffe hat in den letzten Tagen bereits fünf solcher Drohnen abgeschossen. "Der Drohnenkrieg hat begonnen", urteilen Militärexperten. Sorge bereitet den Israelis dabei insbesondere, dass damit der Iran offen in den Krieg eintrete. Die Shebabs stammen aus dem Iran und werden seit Jahren bereits im Jemen-Krieg von den iranischen Verbündeten, den Huthi-Rebellen, systematisch eingesetzt; iranische Drohnenangriffe auf saudische Raffinerien richteten im Jahr 2019 Milliardenschäden an.

Zeitgleich mit dem Start der Drohnenoffensive bekennt sich die militärische Führung des Iran offen als Drahtzieher hinter der Hamas. Seit Langem berichten militärische Geheimdienste, dass die Hamas logistisch und finanziell von Teheran aus unterstützt und gesteuert werde. Nun verkünden iranische Staatsmedien, dass der Generalmajor der iranischen Revolutionsgarde und Kommandeur der Al-Quds-Brigaden, Ismail Qaani, in einem Gespräch mit dem Hamas-Chef Ismail Hanija uneingeschränkte Unterstützung zugesichert habe. Damit wird die Kriegsallianz offiziell. Hanija bedankte sich seinerseits für die Unterstützung des Iran und sagte laut Nachrichtensender Al-Alam, dass der Kampf gegen Israel nicht einer der Hamas, sondern der gesamten islamischen Welt sei.

Gleich drei hochrangige Militärs des Iran nehmen plötzlich öffentlich zum Kriegsverlauf Stellung und demonstrieren damit, dass dieser auch in ihrer Hand liegt. Der Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarde, Hussein Salami, kündigt an, dass man Israel auch durch Seeangriffe abschneiden könne. Militärchef Mohammad Bagheri lässt kundtun, dass es eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses in der Region gibt und Israel an Macht verliere - man die Gelegenheit also nutzen solle. Qaani wiederum ermuntert die Hamas zu weiteren Angriffen mit Trommelfeuer. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte Qaanis Analyse, dass Israels Luftabwehrsystem anfällig für große Sperrfeuer von Raketen sei. Der Iron-Dome könne einzelne Raketen gut abfangen, aber mit Dutzenden zur gleichen Zeit gerate Israel in Probleme. Tatsächlich hat die Hamas in den vergangenen Tagen eine noch nie dagewesene Menge an Raketenbeschuss durchgeführt, bis zu 130 Raketen in fünf Minuten.

Hamas zeigt sich als verlängerter Arm Teherans

Qaanis Schritt in die Öffentlichkeit erklären Militärbeobachter damit, dass im Nahen Osten ohnedies jeder wisse, wie sehr die Hamas ein verlängerter Arm Teherans sei. Qaani positioniere sich in der Region nun als Kriegsführer. So habe er eine pro-palästinensische Massendemonstration der Hamas in Katar für sich nutzen wollen. Auf dieser rief Hamas-Chef Hanijah den Protestierenden zu, dass die Hamas noch lange nicht alle ihr zur Verfügung stehenden Kräfte eingesetzt habe und "Widerstand der kürzeste Weg nach Jerusalem ist".

In Europa und den USA wächst die Sorge, dass mit dem offenen Bekenntnis des Iran zu den Raketenangriffen der Krieg in eine neue Eskalationsstufe eintreten könne. Mit Sorge wird vor allem beobachtet, dass Qaani offenbar Interesse an einer Verschärfung habe. Der Generalmajor war einst Stellvertreter des durch amerikanische Drohnen getöteten Quasem Soleimani und drohte damals im iranischen Fernsehen: "Gott, der Allmächtige" werde Rache üben: "Wartet ab, bald werdet ihr überall im Nahen Osten Leichen von Amerikanern sehen."

Qaani führt die Al-Quds-Truppe, eine auf Auslandseinsätze spezialisierte Eliteeinheit mit 10.000 bis 15.000 bewaffneten Männern. Er ist schon seit 1980 Mitglied der Revolutionsgarden und koordiniert seit Jahren die terroristischen Auslandsaktivitäten im Libanon, Syrien, Afghanistan, Irak, Jemen und nun auch im Gazastreifen. Er verkündete schon vor dem Ausbruch der jetzigen Gewalt, Irans militärische Macht sei auf der Seite "der unterdrückten Menschen Palästinas und Gazas in der Form von Raketen und Waffen".

Erklärtes Ziel der iranischen Politik ist die Vernichtung Israels. Staatsoberhaupt Chamenei hat die Leitlinie vorgegeben: "Es ist die Position des Iran, dass das Krebsgeschwür, genannt Israel, aus der Region herausgerissen werden muss." Die Zerstörung Israels erklärte er gar zur Staatsräson Teherans "Das Fundament des Islamischen Regimes ist die Gegnerschaft gegen Israel und das beständige Thema des Iran ist die Eliminierung Israels in der Region." Und weiter: "Bald wird sich die Welt vom zionistischen Regime, diesem Krebsgeschwür, befreien. Iran wird jedem helfen, der das zionistische Regime bekämpft, so wie es schon in der Vergangenheit Hisbollah und Hamas geholfen hat."

Quelle: ntv.de

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