Person der Woche

Person der Woche: Das Christkind Weihnachtsmann oder Christkind?

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In Berlin kommt der Weihnachtsmann, in München das Christkind. Das war vor 100 Jahren noch ganz anders. Unsere Weihnachtsbräuche sind erfolgreich ökumenisiert - aber auch ökonomisiert. Doch es glauben viel mehr Menschen an Jesus Christus, als man denkt.

Es ist das größte Fest der Welt. Ein knappes Drittel der Weltbevölkerung, 2,4 Milliarden Christen, feiert die Geburt Jesu Christi. Christen bilden die mit Abstand größte Glaubensgemeinschaft der Welt (ein knappes Viertel der Menschheit ist muslimischen Glaubens und damit die zweitgrößte Gruppe). Entgegen dem gefühlten Trend in Deutschland wächst die Zahl der Christen weltweit stark an, und zwar um etwa zehn Millionen Gläubige im Jahr. Dabei gibt es überraschende Massenhinwendungen zum Christsein wie etwa in Korea, wo das Christentum jetzt Mehrheitsreligion geworden ist. Allein in Seoul gibt es inzwischen 30.000 christliche Gemeinden. Und alle feiern Weihnachten. Allerdings mit sehr unterschiedlichen Traditionen und Riten.

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Das Nürnberger Christkind, derzeit Benigna Munsi, mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

(Foto: dpa)

In Deutschland waren die Bräuche generationenlang zwischen Protestanten und Katholiken streng geteilt. In protestantischen Gegenden blieben Krippendarstellungen verpönt und der heilige Nikolaus auch. In katholischen Regionen wurden dagegen Kinder traditionell just am Nikolaustag beschenkt.

Das wollte im 16. Jahrhundert Martin Luther gezielt ändern, denn im Gefolge der Reformation lehnte er die Heiligenverehrung ab. Der heilige Nikolaus passte fortan im lutheranischen Norddeutschland nicht mehr ins neue Glaubensbild der Protestanten. Gott selber sollte im Vordergrund stehen und so ersetzten die Lutheraner den Nikolaus durch den "Heiligen Christ", also Jesus in Gestalt des Krippen-Säuglings. Über die Zeit entwickelte sich daraus die Vorstellung, dass Christus jährlich zum Geburtstagsfest vom Himmel herabsteigt. Die Figur des Jesus-Säuglings wurde so zum Christkind, das in allerlei engelhaften Varianten mit Krone und Goldlöckchen als Gabenbringer die Christenkinder beglückte.

Doch neben dem protestantischen Christkind verschwand der katholische Nikolaus mitnichten, er wandelte sich vielmehr zum Weihnachtsmann. Im 19. Jahrhundert wurde er durch Hoffmann von Fallerslebens Schriften populär. Im Kaiserreich drang er in die protestantischen Gebiete vor, und das Bürgertum nutzte ihn als männliche Supernanny, um Kinder zu einem tugendhaften Lebenswandel anzuhalten. Dabei verlor der Nikolaus seine bischöflichen Attribute wie Messgewand und Bischofsstab, die Bischofsmitra blieb als rote Mütze aber übrig. Holländische und irische Einwanderer sorgten auch in Amerika für die Verbreitung ihres Schutzheiligen der Seefahrer und Kinder. Fortan wurde der heilige Nikolaus als "Santa Claus" zur Personifizierung weihnachtlichen Schenkens in der Neuen Welt.

Vom Bischof zur Werbefigur

Durch die Kinofilme Walt Disneys und Warner Brothers avancierte der Weihnachtsmann-Nikolaus zur globalen Ikone. Coca-Cola übernahm die Dickmann-Rauschebart-Zeichnungen von Thomas Nast aus Landau in der Pfalz und machte ab 1931 daraus eine Werbefigur für die Brauselimonade. Diese Kampagne prägte das heutige Bild des Weihnachtsmannes nachhaltig - auch als Inbegriff der modernen Konsumweihnacht. Fortan ist Nikolaus als Weihnachtsmann in unzähligen Verkörperungen vom fassadenkletternden, in Schornsteine krabbelnden Paketzusteller über den Rauschebartmann mit Jutesack auf Weihnachtmärkten bis zum Geschichten erzählenden Opa im Ohrensessel omnipräsent.

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Aus dem heiligen Nikolaus entstanden, später zur Werbefigur geworden: der Weihnachtsmann.

(Foto: dpa)

Die kommerzialisierten Varianten haben den Weihnachtsmann (gewissermaßen als Nikolaus 2.0) heute ausgerechnet in den protestantischen Gebieten Nord- und Ostdeutschlands zur populärsten Weihnachtsfigur werden lassen. Auch weil er für Nichtgläubige offenbar liebenswert anschlussfähig wirkt und eine religiös weichgespülte Geschenke-Weihnacht geradezu verkörpert. In den süd- und westdeutschen, vor allem katholischen Regionen, wo der christliche Glaube stärker verankert ist, wird hingegen das eigentlich protestantische Christkind inzwischen wieder höher geschätzt. Es versinnbildlicht einen direkteren Bezug zum eigentlichen Kern des religiösen Ereignisses.

Damit haben sich die Konfessionstrennungen der weihnachtlichen Leitfiguren völlig aufgehoben und kurioserweise gar verkehrt. Weihnachten ist heute in Deutschland über die Brauchangleichung weitgehend ökumenisiert. Auch Protestanten lieben inzwischen Krippen, Katholiken verehren das Christkind - und beide sitzen vor dem Weihnachtsbaum, der doch erst im 19. Jahrhundert gebräuchlich geworden ist.

Jenseits der Bräuche ist Weihnachten für alle ein Fest der Liebe und Familie, für viele der Tag, an dem der Herrgott in die Welt gekommen und Mensch geworden ist. Wie viele feiern das Fest des Glaubens? In Deutschland sind es 23 Millionen Katholiken und 21 Millionen Protestanten. Hinzu kommen 1,5 Millionen orthodoxe Christen und noch einmal so viel Angehörige von christlichen Freikirchen. Und damit ist Weihnachten auch das größte Fest Deutschlands.

Quelle: ntv.de