Person der Woche

Person der Woche Wird AKK neue Nato-Generalsekretärin?

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Die Nato leidet unter Donald Trump. Doch bei einem Wahlsieg Joe Bidens erhofft man sich in Brüssel einen Neustart des Bündnisses. Für den scheidenden Nato-Generalsekretär gibt es dafür schon eine überraschende Wunschnachfolgerin. Erstmals könnte eine Frau den Spitzenjob erobern.

Die Nato sucht einen neuen Generalsekretär. Der amtierende Jens Stoltenberg, 61, ist für Nato-Verhältnisse schon überlang im Amt und sein Vertrag nur notverlängert worden, um die transatlantischen Streitigkeiten nicht noch vor dem US-Wahltermin am 3. November weiter zu vertiefen. US-Präsident Donald Trump hatte mit seinen verbalen Attacken auf die europäischen Nato-Bündnispartner und dem geplanten Truppenabzug aus Deutschland die Krise der Nato verschärft. Nach der amerikanischen Wahl steht die Nato-Personalie aber auf der Agenda. Ein Neustart des Verteidigungsbündnisses verbindet sich mit der Neubesetzung der Schlüsselposition. In Brüssel laufen bereits diplomatische Sondierungen, wer denn auf den allseits respektierten Norweger Stoltenberg folgen könnte.

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Annegret Kramp-Karrenbauer

(Foto: picture alliance/dpa)

Dabei taucht der Name von Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) in Nato-Kreisen neuerdings als eine denkbare Option auf. Die deutsche Verteidigungsministerin gilt insbesondere dann als eine Wunschkandidatin, falls Joe Biden die Wahl gewinnen sollte. Biden gilt als Atlantiker und verlässlicher Nato-Partner. Mit ihm könnte das angeschlagene deutsch-amerikanische Verhältnis (eine Zentralachse der Nato) neu und positiv definiert werden. AKK wäre dafür eine gute Besetzung, heißt es. Manche in Brüssel wähnen die AKK-Personalie bereits als das nächste personalpolitische Meisterstück von Angela Merkel. Mit einer ersten weiblichen Generalsekretärin für die Nato hätte die Merkel-Diplomatie neben Ursula von der Leyen als erste EU-Kommissionspräsidentin einen zweiten historischen Gendererfolg erzielt.

"Nato als das bewahren, was sie ist: unersetzbar"

Für AKK wiederum wäre der Nato-Spitzenjob eine glückliche Wendung ihrer Karriere, nachdem der Rückzug vom CDU-Parteivorsitz ihre innenpolitischen Perspektiven beschneidet. Als Saarländerin wäre der Weg nach Brüssel näher als der nach Berlin. Ihren Verfechtern gilt sie als verlässliche Nato-Verbündete, ihre ruhig-professionelle Arbeit als Verteidigungsministerin werde "international geschätzt". Sie könne mit ihrer Konzilianz die Interessengegensätze der Mitglieder gut überbrücken. Zudem sei Deutschland (neben den USA und Großbritannien der drittgrößte Verteidigungsinvestor der Nato) ein Schlüssel für eine neue Nato der Zukunft. Mit einer deutschen Generalsekretärin würden auch die Chancen steigen, das Deutschland seine Verteidigungsausgaben endlich auf das vereinbarte Maß erhöht. Tatsächlich erklärt AKK, obwohl das in Deutschland nicht sonderlich populär ist, seit Monaten immer wieder: "Wir brauchen eine verlässliche und substanzielle Erhöhung des Verteidigungsetats."

Und so wird dieser Tage genau hingehört, wenn die deutsche Verteidigungsministerin zudem plant, die veraltete Tornado-Flotte durch bis zu 93 Eurofighter sowie 45 F-18-Kampfflugzeuge des US-Herstellers Boeing zu ersetzen. Die F-18 sollen unter anderem für die nukleare Teilhabe Deutschlands an US-Waffen beschafft werden. Das Abschreckungskonzept der Nato sieht vor, dass Verbündete in den Zugriff auf US-Atomwaffen eingebunden werden.

AKK sucht seit Monaten systematisch gute Beziehungen zu den Nato-Partnern. Schon bei ihrer ersten Auslandsreise besuchte sie das Nato-Hauptquartier, mit Stoltenberg pflegt sie eine vertrauensvolle Beziehung. Stoltenberg gilt in Brüssel als Fürsprecher von "Plan AKK". Umgekehrt ehrt AKK den Noch-Generalsekretär, in dem sie ihm in einem Festakt demonstrativ die Manfred-Wörner-Medaille (Manfred Wörner war von 1988 bis 1994 erster und bisher einziger deutscher Nato-Generalsekretär) verleiht und erklärt: "Er ist ein Brückenbauer zwischen den USA und Europa… Das Bündnis ist unter Stoltenberg neu ausgerichtet, reformiert und gestärkt worden. Seit Jahren führt er die Nato mit sicherer Hand durch die Herausforderungen unserer Zeit."

Und zum Nato-Jubiläum intoniert AKK Sätze, die sich wie eine Kandidaturankündigung lesen: "Ich habe von Beginn meiner Amtszeit an deutlich gemacht, dass die Nato der Eckpfeiler unserer Sicherheit ist und bleibt. Wir müssen uns daher entsprechend einbringen und die Nato als das bewahren, was sie ist: unersetzbar… Die deutsche Rolle im Bündnis war immer wesentlich." Vor allem mit AKK an der Spitze wäre das so.

Quelle: ntv.de