Modelle zwischen 20 und 180 EuroEin günstiges Kochmesser schneidet im Test am besten ab

Ein scharfes Kochmesser ist der Star jeder gut ausgestatteten Küche. Für den ntv Produkt-Check testen wir sieben Schneidegeräte zwischen 20 und 180 Euro - wie teuer muss ein gutes und langlebiges Küchenmesser wirklich sein?
Gut schneiden können viele neue Messer, aber wie erkennt man, ob ein Küchenmesser auch auf lange Zeit effektiv performt? Und bedeutet hochpreisig hier zwangsläufig auch gut? "Ein höherwertiges Messer, das qualitativ gut hergestellt und geschliffen ist, muss nicht unbedingt teuer sein", so die Antwort von Jan-Frederik Kremer. Der Geschäftsführer des Industrieverbands für Schneid- und Haushaltwaren aus Solingen steht uns als Experte im Kochmesser-Test beratend zur Seite.
So testen wir die Kochmesser
Als Verbraucher könne man einen guten Schliff unter anderem daran erkennen, dass es keine "Ausbrüche" (kleine Zacken) gebe und der Schliff gleichmäßig sei, so Profi Kremer. Außerdem sei beim Messerkauf "das individuelle Gefühl für die Gewichtsverteilung" entscheidend. Im Test vergleichen wir Preis und Leistung, messen das Gewicht und schauen auf das Material von Klinge und Griff. Die Kriterien für den Praxistest sind:
Griffkomfort: Wie gut liegt das Messer in der Hand?
Wie ausbalanciert ist es für ermüdungsfreies Arbeiten?
Wie gut ist die Schnittleistung bei Karotten und Tomaten?
Diese Küchenmesser von WMF, Zwilling und Co. testen wir
Wir prüfen Bestseller bekannter europäischer Messer-Marken sowie Kochmesser japanischer und chinesischer Herkunft.
Testsieger: Zwilling Vier Sterne Kochmesser, circa 40 Euro*
Preis-Leistungs-Sieger: PAUDIN Kochmesser, circa 20 Euro*
Hinweis: Die Preise sind volatil, Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, wurden sie nach Veröffentlichung des Artikels durch den Händler geändert.
Kochmesser im Test - das Fazit
Keines der Kochmesser ist eine echte Testniete, alle Gadgets zeigen eine gute bis sehr gute Leistung und überzeugen in der Verarbeitung. Am besten schneidet in der Gesamtbewertung das günstige Messer von Zwilling* ab. Auch die Schnäppchen von Paudin* und Shan Zu* punkten mit sehr guter Schnittleistung zu attraktiven Preisen. Für Kenner, die einen höheren Preis und mehr Pflegeaufwand nicht scheuen, könnten die Premiummesser von Wüsthoff* und Kai Shun* zur Anschaffung fürs Leben werden.
Testsieger: das Vier Sterne Kochmesser von Zwilling
Kurz und knapp: Das Kochmesser von Zwilling liegt angenehm in der Hand, ist optimal ausbalanciert und überzeugt mit einem guten Preis. Daneben ist es pflegeleichter als die Test-Messer mit Holzgriff.
Für unter 40 Euro (zum Testzeitpunkt) liefert das Kochmesser von Zwilling im Test top ab. Der Kunststoff-Griff hat eine Ausbuchtung am Griffende und liegt dadurch sehr angenehm und sicher in der Hand. Der Kunststoff selbst ist weich und gleichzeitig völlig rutschfest - die gute Balance zwischen Griff und Messer lässt das Schneiden der Karotten und Tomaten leicht von der Hand gehen, die Klinge gleitet problemlos selbst durch extrem dicke Karotten. Auch bei den weicheren Tomaten ist keinerlei Druck nötig. Laut Hersteller ist die Klinge des Zwilling Kochmessers eisgehärtet und aus einem Stück präzisionsgeschmiedetem rostfreiem Spezialstahl gefertigt. In die Spülmaschine darf das Messer von Zwilling* zwar nicht, der Griff aus Kunststoff ist im Vergleich zu einem Holzgriff aber weniger pflegeaufwändig.
Material der Klinge: rostfreier Spezialstahl (Edelstahl)
Material des Griffs: Kunststoff
Gewicht: 207 Gramm
nicht spülmaschinenfest
made in Germany
Preis-Leistungs-Sieger: Paudin Kochmesser - günstig und ausgewogen
Kurz und knapp: Nah dran am Testsieger ist das Küchenmesser von Paudin. Das preiswerteste Messer im Test ist leicht, scharf, und das Gewicht ist gut verteilt.
Mit einem Preis von nur knapp 20 Euro (zum Testzeitpunkt) ist das Kochmesser von Paudin das Preisschnäppchen im Test. Dafür leistet das Messer Erstaunliches: Es ist ebenfalls gut ausbalanciert, der Griff aus Holz ist sauber verarbeitet und völlig glatt - im Praxistest liegt er rutschfrei und sicher in der Hand. Mit 209 Gramm zählt das Messer zu den leichteren im Test, ist aber schwer genug, um ohne Kraftaufwand durch Karotten und Tomaten zu gleiten. Das aufgedruckte Damastmuster - die wellige Zeichnung auf der Klinge - wirkt auf uns künstlich und schmälert den positiven Eindruck. Zusammen mit einem etwas höheren Pflegeaufwand für den Holzgriff verfehlt das Messer von Paudin* insgesamt aber nur knapp den Testsieg.
Material der Klinge: deutscher Carbon-Spezialedelstahl
Material des Griffs: Holz
nicht spülmaschinenfest
Gewicht: 209 Gramm
Herkunftsland: China
Shan Zu-Kochmesser ist scharf mit kurzem Griff
Kurz und knapp: Starke Schnittleistung zu einem starken Preis - das Messer von Shan Zu kann im Test mit den teureren Gadgets mithalten. Punktabzug gibt es für den etwas kurz geratenen Griff.
Für einen Preis von ebenfalls nur knapp über 20 Euro (zum Testzeitpunkt) zeigt das Kochmesser von Shan Zu eine beeindruckende Leistung im Test: Beim Schneiden von Karotten und Tomaten überzeugt das Schneidewerkzeug mit guter Balance und hoher Schärfe, beim Tomatentest ist es allerdings etwas weniger leichtgängig als die Top-Messer. Für den sehr günstigen Preis bekommen Verbraucher hier aber ein gutes Gerät mit einer Klinge aus hochwertigem Edelstahl, nur der Griff fällt im Vergleich zu den anderen Messern etwas kurz aus. Wegen kleiner Einbußen bei Griff und Schärfe verfehlt das Shan Zu* insgesamt nur knapp den Preis-Leistungs-Sieg.
Material der Klinge: deutscher Edelstahl
Material des Griffs: Pakkaholz
Gewicht: 216 Gramm
nicht spülmaschinenfest
Herkunftsland: China
Victorinox Fibrox Kochmesser - leicht und spülmaschinenfest
Kurz und knapp: Das leichteste Kochmesser im Test punktet mit rutschfestem Griff und kann sogar in die Spülmaschine. Die Spitzenplätze verpasst es wegen seiner etwas geringeren Schnittleistung.
Das Kochmesser von Victorinox gibt es in verschiedenen Farben und ist beispielsweise in Blau für 30 Euro (zum Testzeitpunkt) erhältlich. Das nur 167 Gramm schwere Kochmesser der Schweizer Traditionsmarke ist gut ausbalanciert und liegt angenehm in der Hand. Der Kunststoff-Griff ist optisch kein großer Wurf, erfreut uns aber dank extremer Rutschfestigkeit. Das Material wirkt stoßdämpfend, was bei längeren Schneide-Arbeiten die Hand entlastet. In Profiküchen ist dieses Messer auch wegen seiner Pflegeleichtigkeit beliebt, für Menschen mit kleineren Händen könnte sich der Griff als etwas zu groß erweisen. Beim Schneiden der Karotten müssen wir im Test mehr Druck ausüben als bei den schwereren Messern, auch bei den Tomaten fließt das Messer nicht ganz so butterweich durch. Die Messer der Fibrox-Serie von Victorinox* werden gestanzt: Die Klinge wird aus einem flachen Stück Stahl ausgeschnitten und nicht wie bei den anderen Test-Modellen geschmiedet - ein Verfahren, das das Messer leicht macht und es nach Herstellerangaben länger scharf bleiben lässt.
Material der Klinge: rostfreier Stahl
Material des Griffs: Fibrox / Kunststoff
Gewicht: 167 Gramm
spülmaschinenfest
made in Switzerland
Wüsthoff Classic Ikon Kochmesser - das schwerste Messer im Test
Kurz und knapp: Das Kochmesser von Wüsthoff zeigt im Test eine exzellente Schnittleistung, unserer Autorin liegt es allerdings zu schwer in der Hand. Für Profis, die Wert auf Langlebigkeit legen, kann das hochwertige Schneidegerät aber eine Investition fürs Leben sein.
Für etwas über 100 Euro ist das Kochmesser von Wüsthoff ein Messer der Profi-Klasse und mit 275 Gramm mit Abstand das schwerste im Test. Das klassisch geschmiedete Chefmesser wird per Hand poliert, was die Klinge besonders scharf und langlebig machen soll. Im Test punktet es mit sehr guter Schnittschärfe und einer hervorragenden Balance zwischen Griff und Schneide. Der Griff hat eine kleine Wölbung im vorderen Bereich und liegt dadurch besonders sicher und rutschfest in der Hand. Beim Gemüseschnibbeln kommt das Messer mühelos durch Karotten und Tomaten. Das Gewicht des Wüsthoff-Messers* und der vergleichsweise hohe Preis verhindern einen Platz auf dem Siegertreppchen in unserer Gesamtwertung.
geschmiedet aus einem Stück Edelstahl
dreifach vernietet
Material der Klinge: Hartstahl
Material des Griffs: Edelstahl
Gewicht 275 Gramm
nicht spülmaschinenfest
made in Germany
KAI Shun Classic - japanisches Kochmesser schneidet butterweich
Kurz und knapp: Das Kochmesser aus Japan zeigt die beste Schnittleistung im Test. In der Gesamtbetrachtung mit dem hohen Preis und dem pflegebedürftigeren Holzgriff ist es aber eher etwas für Kenner, die Wert auf Damastschliff und traditionelle japanische Schmiedekunst legen.
Das teuerste Messer im Test glänzt mit echtem Damastschliff - für diese optisch ansprechende und unter Kennern beliebte Technik werden 32 Lagen Stahl mehrfach gefaltet und geschmiedet. Das Schneidegerät made in Fernost ist optimal ausbalanciert und gleitet wie von alleine durch die Karotten und Tomaten. Auch die Spitze, mit der wir die Tomatenscheiben weiter zerkleinern, ist extrem scharf und leichtgängig - insgesamt handelt es sich hier um das mit Abstand schärfste Messer im Test, das durch die Ausbuchtung im Griff, die ein ermüdungsfreies Arbeiten ermöglichen soll, allerdings nur für Rechtshänder geeignet ist. Der Plan geht auf: Das Schneiden fühlt sich hier nahezu schwerelos an. Die extreme Schärfe macht das hochpreisige Messer aber auch empfindlich: Es sollte nur auf Holz oder einem weicheren Kunststoff-Brett benutzt werden, bei gefrorenen Lebensmitteln oder Knochen ist Vorsicht geboten. In der Gesamtwertung landet das Messer von Kai Shun* wegen seines hohen Preises und des pflegeaufwändigen Holzgriffs nicht auf den vorderen Plätzen.
Material der Klinge: legierter Stahl
Material des Griffs: Pakkaholz
Gewicht: 206 Gramm
nicht spülmaschinenfest
made in Japan
WMF Grand Gourmet Santokumesser - gute Klinge, schmaler Griff
Kurz und knapp: Das mittelpreisige Messer von WMF schneidet das Gemüse im Test mühelos. Den Griff aus Stahl finden wir im Test eher unbequem, zudem liegt er nicht rutschfest in der Hand.
Mit einem Preis von über 60 Euro (zum Testzeitpunkt) gehört das WMF-Kochmesser nicht zu den günstigen Produkten im Test. Wie alle Messer schneidet es gut, die Handhabung überzeugt uns hier aber weniger: Der Griff aus Edelstahl ist recht schmal und lässt sich im Verlauf des Schnitttests nicht ermüdungsfrei umfassen. Die Ausbuchtung am unteren Ende des Griffs empfinden wir als störend, da sie in die Handfläche sticht. Generell gilt: Die Traditionsmarke WMF fertigt das Produkt in ihrer eigenen Klingenschmiede. Für den Griff des WMF-Kochmessers* wird das eigens patentierte Cromargan verwendet, das für Rostbeständigkeit und Langlebigkeit bekannt ist.
Material der Klinge: säurebeständiger Spezialklingenstahl
Material des Griffs: Cromargan Edelstahl
Gewicht: 235 Gramm
nicht spülmaschinenfest
made in Germany
Woher kommt der Begriff Chefmesser?
Der Begriff Chefmesser leitet sich aus dem Französischen ab und geht auf die traditionelle Berufsbezeichnung "Chef de Cuisine" (Küchenchef) zurück - er steht für das vielseitigste Universalwerkzeug eines leitenden Kochs in der professionellen Küche. Von einem reinen Fleischermesser hat es sich im Laufe der Zeit zu einem Allzweckwerkzeug entwickelt: Profis und Hobbyköche benutzen das Chefmesser zum Schneiden, Wiegen und Hacken von Lebensmitteln wie Gemüse, Fisch und Fleisch.
Woher kommt das Damastmuster auf Messern?
Bei hochwertigen Damastmessern wie dem Kai Shun Classic* entsteht die charakteristische Maserung durch das wiederholte Falten und Verschweißen verschiedener Stahlsorten. Um diese Lagenstruktur sichtbar zu machen, wird die Klinge am Ende des Schmiedeprozesses in Säure geätzt oder sandgestrahlt. Sie greift den harten und weichen Stahl unterschiedlich stark an, wodurch das Wellenmuster an der Oberfläche entsteht. Optische Nachbildungen wie beim Paudin-Messer*, unserem Preis-Leistungs-Sieger im Test, durchdringen nicht das Material und haben nicht die Vorteile, die echter Damaststahl bei Schärfe oder Flexibilität aufweist.
Darf das Messer in die Spülmaschine?
Grundsätzlich raten Experten wie Jan-Frederik Kremer davon ab, Küchenmesser in der Spülmaschine zu reinigen, da dies das Material stark strapaziert. Damit ein Kochmesser die aggressiven Bedingungen im Geschirrspüler übersteht, muss es aus widerstandsfähigen Materialien gefertigt sein - die Klinge sollte aus rostfreiem Edelstahl mit einem sehr hohen Chromanteil oder aus hochwertiger Keramik bestehen, der Griff darf keinesfalls aus Holz sein. Eher spülmaschinengeeignet ist ein Griff aus hitzebeständigem und formstabilem Kunststoff.
Holzgriff des Küchenmessers pflegen
Viele Verbraucher würden Holzgriffe aus Olivenholz oder Nussbaumholz wegen ihrer Optik schätzen, weiß Experte Kremer., es handle sich dabei um eine "Frage der Ästhetik". Entsprechende Griffe seien aber auch anfälliger für Feuchtigkeit, wenn sie nicht richtig versiegelt seien, erklärt er weiter - sie sollten per Hand unter fließendem Wasser abgewaschen oder nur mit einem feuchten Tuch abgezogen werden, am besten mit der Klingenspitze nach unten, damit kein Wasser in den Griff läuft. Nach der Reinigung sollte das Messer sofort gründlich abgetrocknet werden. Um die Widerstandsfähigkeit des Holzes zu erhalten, sollten entsprechende Griffe regelmäßig geölt werden.
*Die Testredaktion rund um den ntv Produkt-Check ist unabhängig, erwirbt alle Produkte für ihre Tests auf eigene Kosten und bewertet bei Tests wie bei Vergleichen nach objektiven Kriterien. Wenn Sie ein Produkt über einen Link kaufen sollten, erhalten wir eine Provision. Der Preis ändert sich dadurch nicht.





