Entspannt durch die Nacht? Gewichtsdecken unter 100 Euro im Test - welche Modelle im Alltag punkten
Von Isabella Campanelli
Gewichtsdecken für einen besseren, ruhigeren Schlaf - geht dieser Plan in unserem Test auf? Wir zeigen, worin sich die Modelle unterscheiden und worauf es beim Kauf ankommt. Vier beliebte Decken im ntv Produkt-Check.
Wenn das Ein- und Durchschlafen schwerfällt, können Müdigkeit, schlechte Laune und Konzentrationsprobleme die Folgen sein. An dieser Stelle setzen sogenannte Gewichtsdecken an: Sie sind mit schweren Materialien wie Glaskugeln gefüllt und verteilen so den Druck gleichmäßig über den Körper. Laut Herstellern können sie dazu beitragen, Herzfrequenz und Blutdruck zu senken und Ängste zu lindern. Schlafmediziner Dr. Hans-Christian Blum, der in Dortmund eine Schlafklinik leitet, erklärt im Interview, dass die Decke wie eine sanfte Umarmung wirke und bei Unruhe das Einschlafen subjektiv erleichtern könne.
So testen wir die Therapiedecken von Juskys, Ella, Samthus und Blumtal
Für unseren Test wählen wir jeweils eine Decke mit sieben Kilogramm Gewicht in der Standardgröße 135 x 200 cm. Jede Therapiedecke testen wir zwei Nächte in Folge. Dabei achten wir darauf, wie es sich anfühlt, unter dem Gewicht der Decke zu schlafen, ob sie warm hält und wie leicht sie sich dem Körper anpasst. Dabei ist uns bewusst, dass es sich in diesem kurzen Zeitraum um ein subjektives Empfinden handelt, das je nach Nacht variieren kann. Deshalb legen wir bei der Bewertung besonderen Wert auf folgende Kriterien:
Verarbeitung und Qualität: Aus welchen Materialien besteht die Decke? Wie ist sie verarbeitet, wie gleichmäßig verteilt sich die Füllung?
Preis: Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?
Benutzerfreundlichkeit und Pflege: Ist die Decke maschinenwaschbar, gibt es praktische Details wie Schlaufen zum einfachen Beziehen?
Ausstattung und Features: Wird eine Transport- und Aufbewahrungstasche mitgeliefert? Welche Größen und Gewichtsklassen stehen zur Auswahl?
Design und Haptik: Wie weich fühlt sich die Decke an? Ist die Farbe vielseitig kombinierbar?
Nachhaltigkeit: Gibt es Zertifizierungen? Wie robust und langlebig ist die Verarbeitung?
Diese vier Gewichtsdecken testen wir:
Testsieger: Samthus Gewichtsdecke, 135x200 cm, 7 kg, circa 85 Euro*
Preis-Leistungs-Sieger: Ella Gewichtsdecke, 135x200 cm, 7 kg, circa 65 Euro*
Hinweis: Die Preise sind volatil, Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, wurden sie nach Veröffentlichung des Artikels durch den Händler geändert.
Therapiedecken im Test - das Fazit
Die Gewichtsdecke von Samthus* ist mit rund 85 Euro zwar die teuerste im Test, bietet dafür aber auch die beste Qualität, durchdachte Details und einen hohen Schlafkomfort. Besonders die Größe und die Vielzahl der Kammern stechen positiv heraus. Die Gewichtsdecke von Ella* ist mit rund 57 Euro günstiger, bietet dafür aber dennoch hochwertige Baumwolle, eine saubere Verarbeitung und eine gelungene Gewichtsverteilung. Dank der breiten Auswahl an Größen und Gewichtsklassen ist sie eine gute Wahl für all jene, die eine solide Gewichtsdecke mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis suchen.
Testsieger: Gewichtsdecke von Samthus
Kurz und knapp: Die Decke von Samthus überzeugt mit vielen kleinen Kammern (7 x 7 cm) und dadurch mit der besten Gewichtsverteilung im Test. Sie ist weder zu dick noch zu dünn, fühlt sich angenehm weich an und ist maschinenwaschbar. Außerdem bietet sie mit insgesamt sechs verschiedenen Gewichtsklassen eine große Auswahl.
Schon beim Auspacken der Gewichtsdecke von Samthus wird klar: Hier steckt ein durchdachtes Konzept dahinter. Die Decke kommt in einem robusten Pappkarton mit integriertem Henkel und ist zusätzlich in einem hochwertigen Stoffbeutel verpackt, sodass sie sich später leicht und ordentlich verstauen lässt. Auf der Verpackung finden wir zudem einen praktischen QR-Code zur Anleitung sowie viele weitere Informationen, inklusive FAQ.
Laut Hersteller besteht die Decke aus 100 Prozent Baumwolle und ist auf Schadstofffreiheit geprüft. Besonders gefällt uns die aufwendige Verarbeitung mit 500 Kammern, in denen sich schwere Glasperlen befinden. Die Kammern sind gerade mal 7 x 7 cm groß und verteilen das Gewicht gleichmäßig - dadurch schmiegt sich die Decke sanft dem Körper, ohne zu verrutschen. Eine 7-Schichten-Struktur sorgt außerdem für die nötige Stabilität und Robustheit. Alle Nähte sind sauber verarbeitet, zudem gibt es zwölf Schlaufen, an denen ein Bezug befestigt werden kann, damit er besser hält. Ein Bezug ist - wie auch bei allen anderen Decken in unserem Test - nicht im Lieferumfang enthalten.
Im Praxistest zeigt sich: Unter der Decke frieren und schwitzen wir nicht - sie ist also weder zu dick, noch zu dünn, auch laut Hersteller ist sie für alle Jahreszeiten geeignet. Die Nächte empfinden wir insgesamt als sehr erholsam, an das zusätzliche Gewicht gewöhnen wir uns überraschend schnell. Ein weiterer Pluspunkt ist die unkomplizierte Pflege: Die Decke kann im Schonwaschgang gewaschen und anschließend luftgetrocknet werden. Außerdem bietet Samthus* die größte Auswahl an Gewichtsklassen und Größen: Neben 135 x 200 cm ist die Decke auch in 155 x 200 cm erhältlich.
Die Gewichtsdecke von Samthus im Überblick:
Material: 100 Prozent Baumwolle, OEKO-TEX zertifiziert, 7-Schichten-Struktur
Gewichtsklassen: 3, 5, 6, 7, 8, 9 kg
Fächer: 7 x 7 cm
Füllung: hypoallergene Glasperlen
Reinigung: Maschinenwäsche, 30 Grad
Farbe: weiß
Extras: Stoffbeutel, Aufbewahrungskarton, Gebrauchsanweisung
Preis-Leistungs-Sieger: Gewichtsdecke von Ella
Kurz und knapp: Die Gewichtsdecke von Ella eignet sich ideal für Einsteiger mit etwas kleinerem Budget. Sie ist hochwertig verarbeitet, fühlt sich weich an und kann mit einer gleichmäßigen Gewichtsverteilung punkten.
Auch die Gewichtsdecke von Ella kommt liebevoll verpackt bei uns an: Sie ist in eine Schleife eingewickelt, dazu gibt es ein Lavendelsäckchen und eine Aufbewahrungstasche. Kleines Manko hier: Leider reißt im Test nach zweimaligem Benutzen einer der beiden Reißverschlüsse der Tasche. Die Decke selbst kann dafür umso mehr überzeugen - laut Hersteller besteht sie aus 100 Prozent OEKO-TEX-zertifizierter Baumwolle. Neben ihrer 7-Lagen-Struktur ist sie doppelt genäht, was für eine hohe Langlebigkeit spricht, gefertigt wird sie in den Niederlanden.
Im Praxistest fühlt sich die Decke angenehm weich an, die Nähte sind sauber verarbeitet. Gefüllt ist sie mit hypoallergenen Mikroglasperlen, die in 10 x 10 cm große Quadrate eingenäht sind. Die Gewichtsverteilung und die Dicke empfinden wir als sehr gelungen. An beiden Testnächten schlafen wir schnell ein, gut durch und können uns im Schlaf problemlos bewegen. Laut Hersteller eignet sich auch diese Decke für alle Jahreszeiten.
Praktisch sind zudem die eingenähten Schlaufen, mit denen sich ein Bezug befestigen lässt. Auch die Ella Gewichtsdecke* ist bei 30 Grad in der Maschine waschbar. Dank der breiten Auswahl an Gewichtsklassen und Größen ist sie eine gute Option für ein eher kleines Budget und für all jene, die Gewichtsdecken zunächst einmal ausprobieren möchten.
Die Gewichtsdecke von Ella im Überblick:
Material: 100 Prozent Baumwolle, OEKO-TEX zertifiziert, 7-Schichten-Struktur
Gewichtsklassen: 7, 9, 11, 13 kg
Fächer: 10 x 10 cm
Füllung: hypoallergene Mikroglasperlen
Reinigung: Maschinenwäsche, 30 Grad
Farbe: hellgrau
Extras: Aufbewahrungstasche, Lavendelsäckchen, Gebrauchsanweisung
Gewichtsdecke von Blumtal - solide, aber mit Schwächen bei der Verarbeitung
Kurz und knapp: Die Decke von Blumtal punktet mit schadstoffgeprüfter Baumwolle. Im Test wirken die Nähte jedoch unsauber verarbeitet, und die Decke fühlt sich etwas steif an.
Die Gewichtsdecke von Blumtal fällt direkt ins Auge: Sie ist als einzige im Test dunkelgrau und könnte dadurch mit hellen Bettbezügen weniger kompatibel sein. Positiv bewerten wir die mitgelieferte Aufbewahrungstasche.
Laut Hersteller besteht die Decke aus 100 Prozent schadstoffgeprüfter Baumwolle und ist in sieben Lagen aufgebaut (u.a. Vlies und Textilfaserfüllung). Das Obermaterial soll für eine ideale Luftzirkulation sorgen. Die Glasperlen wiederrum befinden sich in dicht eingenähten Diamanttaschen mit einer Größe von 8,5 cm.
Im Praxistest zeigt sich: Die Nähte wirken unsauber, viele Fäden hängen heraus, und insgesamt fühlt sich die Decke eher steif als weich an. Die Gewichtsverteilung empfinden wir als in Ordnung, in den Testnächten schlafen wir gut und schnell ein. Als Manko fällt uns auf, dass es die Blumtal-Decke* nur in einer Größe (135 x 200 cm) gibt - positiv verbuchen wir dagegen, dass sie ebenfalls im Schonwaschgang bei 30 Grad in der Maschine gereinigt werden kann.
Die Gewichtsdecke von Blumtal im Überblick:
Material: 100 Prozent Baumwolle, OEKO-TEX zertifiziert, 7-Schichten-Struktur
Gewichtsklassen: 4, 6, 7, 8 kg
Füllung: Glasperlen
Fächer: 8,5 x 8,5 cm
Reinigung: Maschinenwäsche, 30 Grad
Farbe: dunkelgrau
Extras: Aufbewahrungstasche, Gebrauchsanweisung
Gewichtsdecke von Juskys - weich und dünn
Kurz und knapp: Die Decke von Juskys punktet mit weichem Material und Aufbewahrungstasche, bietet aber nur wenige Gewichtsklassen und lediglich eine Größe. Im Test wirkt sie eher dünn und ist teils unsauber verarbeitet.
Auch die Decke von Juskys wird in einer praktischen Aufbewahrungstasche geliefert, kommt allerdings als einzige im Test ohne Gebrauchsanweisung bei uns an. Positiv finden wir ihr neutrales Weiß, das sich gut mit allen Bezügen kombinieren lässt. Die Decke besteht laut Hersteller aus 100 Prozent Baumwolle nach OEKO-TEX-Standard, ist insgesamt eher schlicht aufgebaut und verfügt nur über zwei Lagen (Baumwolle und Mikrofaser) sowie lediglich drei Gewichtsklassen und eine Größe.
Im Praxistest fällt uns sofort auf, dass die Decke sehr dünn ist. Zwar soll sie laut Hersteller für alle Jahreszeiten geeignet sein, im Testzeitraum (Frühling) frieren wir jedoch und benötigen zusätzlich eine zweite Decke. Außerdem sind einige Nähte unsauber verarbeitet, mehrere Fäden haben sich ineinander verheddert. Das Material fühlt sich aber angenehm weich an, Schlaufen zum Befestigen des Bettbezugs sind vorhanden. Nachteil: Die Juskys-Gewichtsdecke* lässt sich im Gegensatz zu vielen anderen Modellen nur per Hand waschen, was die Pflege deutlich aufwendiger macht.
Die Gewichtsdecke von Juskys im Überblick:
Material: 100 Prozent Baumwolle, innen Mikrofaser, OEKO-TEX-Standard
Gewichtsklassen: 5, 7, 9 kg
Füllung: Glasperlen
Fächer: circa 8 x 8 cm
Reinigung: Handwäsche
Farbe: weiß
Extras: Aufbewahrungstasche
Wie wirken Gewichtsdecken und sind die Effekte wissenschaftlich belegt?
Therapiedecken arbeiten mit dem Prinzip des sogenannten "Deep Touch Pressure" - ein gleichmäßiger, sanfter Tiefendruck, der das Nervensystem beruhigen und die Entspannung fördern soll. Hersteller werben damit, dass dieser Effekt bei Schlafstörungen und psychischer Belastung unterstützen könne. "Die Idee dahinter ist gut begründet, aber wir haben bislang vor allem kleinere Studien mit gemischter Qualität. Das spricht für einen sanften Zusatznutzen - nicht für eine Standardtherapie bei Schlafstörung", so die Einschätzung von Schlafmediziner Dr. Hans-Christian Blum.
Für wen können Therapiedecken besonders sinnvoll sein?
Laut Dr. Blum profitieren von den Decken vor allem Menschen, die abends stark angespannt sind, also viel grübeln oder unter innerer Unruhe leiden. In dieser Gruppe zeigten randomisierte Studien die deutlichsten subjektiven Verbesserungen. Ebenfalls häufig positiv würden Menschen mit sensorischer Überempfindlichkeit oder einem starken Bedürfnis nach Beruhigung reagieren. Sie würden den Tiefendruck als ordnend und entspannend empfinden: "Den klarsten Nutzen sehen wir bei Erwachsenen mit Insomnie und gleichzeitiger Angst, Depression oder ADHS", so der Schlafmediziner.
Wer sollte besser auf die Nutzung verzichten?
"Eine Gewichtsdecke gehört nicht in jedes Bett. Bei Kleinkindern, bei stark eingeschränkter Beweglichkeit und vor allem bei Verdacht auf Schlafapnoe sollte man vorher ärztlichen Rat einholen", betont Dr. Hans-Christian Blum. Insbesondere bei Kindern unter 23 Kilogramm bestehe die Gefahr, dass sie sich unter dem Gewicht der Decke einklemmen oder sogar ersticken könnten. Auch bei Klaustrophobie, Neigung zur Panik, fortgeschrittener Demenz sowie bei schweren Herz-Kreislauf-Problemen sollte man lieber auf die Decke verzichten.
Woran erkennt man, welche Gewichtsdecke für einen selbst passend ist?
Die gängige Faustregel lautet: Die Decke sollte etwa 10 Prozent des eigenen Körpergewichts wiegen. Viele Hersteller bieten auf ihrer Website Tabellen an, mit denen sich eine passende Auswahl treffen lässt. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Druck angenehm und nicht als schmerzhaft empfunden wird. Kleiner Tipp: Am Anfang kann es helfen die Decke erstmal nur auf dem Sofa beim Fernsehen über sich zu legen oder nur die Beine und dann langsam auch den Oberkörper zu bedecken. "Entscheidend ist, dass die Decke bequem und sich jederzeit selbstständig abstreifen lässt", so Dr. Blum. Sinnvoll sei zudem ein zeitlich begrenzter Therapieversuch über zwei bis vier Wochen mit klar definiertem Ziel - etwa weniger abendliche Anspannung, kürzere subjektive Einschlafzeit - und festen Abbruchkriterien wie Luftnot, Engegefühl, Überwärmung oder Panik.
*Die Testredaktion rund um den ntv Produkt-Check ist unabhängig, erwirbt alle Produkte für ihre Tests auf eigene Kosten und bewertet bei Tests wie bei Vergleichen nach objektiven Kriterien. Wenn Sie ein Produkt über einen Link kaufen sollten, erhalten wir eine Provision. Der Preis ändert sich dadurch nicht.



