Baden-WürttembergNeuer Vorsitzender gewählt - Er soll die Südwest-FDP retten

Nach dem Wahldebakel steht die FDP im Südwesten vor dem Neuanfang. Wer die Partei in die Zukunft führen soll - und was sich der neue Vorsitzende alles vorgenommen hat.
Stuttgart (dpa/lsw) - Der Europaparlamentarier Andreas Glück soll die FDP im Südwesten aus der tiefen Krise führen. Der 51-Jährige wurde auf dem Landesparteitag der Liberalen in Balingen (Zollernalbkreis) mit 89,12 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er folgt damit auf Hans-Ulrich Rülke, der nach der Wahlschlappe bei der Landtagswahl im März seinen Rücktritt erklärt hatte.
"Wir sind nicht die Partei der Reichen"
Glück hob in seiner Rede auf der Bühne Freiheit mit Verantwortung, Frieden und Wohlstand hervor. Man müsse dem schlechten Image der Partei entgegentreten. "Wir sind nicht die Partei der Reichen", sagte Glück. Der Respekt gebühre jenen, die mit einer Idee erfolgreich geworden sind, sagte Glück. Aber das Herz gehöre jenen, die es noch schaffen wollen oder es vielleicht auch wieder schaffen wollen.
Glück hatte sich zuvor in einer Mitgliederbefragung des Landesverbands zum Landesvorsitz knapp gegen den Kontrahenten Sean Braun von Stumm aus Karlsruhe durchgesetzt. Das Ergebnis dieser Befragung war zwar rechtlich nicht bindend, aber sehr wohl politisch.
Glück ist der letzte hauptberufliche Parlamentarier, den die FDP in Baden-Württemberg nach dem Ausscheiden aus Bundestag und Landtag noch hat. Er ist seit vielen Jahren in der Partei etabliert und hatte die Unterstützung der Bezirksverbände Stuttgart, Südbaden und Nordschwarzwald.
Arzt und Politiker
Glück kommt aus Münsingen im Kreis Reutlingen, ist zweifacher Vater und Chirurg. Vor seiner Zeit im Europaparlament war er bis 2019 Mitglied des Landtags. Im Europaparlament gehört Glück dem Ausschuss für öffentliche Gesundheit, dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie sowie dem Ausschuss für Umwelt, Klima und Lebensmittelsicherheit an.
Die FDP hatte bei der Landtagswahl im März ein historisches Wahldebakel erlebt. Die Südwest-Liberalen waren mit 4,4 Prozent (2021: 10,5) der Stimmen erstmals in ihrer Geschichte aus dem Stuttgarter Landtag geflogen. Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke hatte daraufhin seinen Rücktritt vom Landesvorsitz erklärt.