BayernTuberkulose-Untersuchung für Geflüchtete aus der Ukraine

In der Ukraine ist Tuberkulose noch weiter verbreitet als hierzulande. Geflüchtete werden daher zur Sicherheit getestet. Die Krankheit ist eigentlich gut behandelbar, aber bei multiresistenten Varianten kann es heikel werden.
Gauting (dpa/lby) - Tausende Geflüchtete aus der Ukraine in bayerischen Gemeinschaftsunterkünfte müssen nachweisen, nicht an Tuberkulose erkrankt zu sein. Gut 60 von ihnen sind am Samstag in Gauting (Landkreis Starnberg) untersucht worden, wie eine Sprecherin der Asklepios Klinik mitteilte, die die Reihenuntersuchung durchführte. Positive Fälle seien dort zunächst nicht festgestellt worden. Zweimal habe es Auffälligkeiten gegeben, diese hätten sich aber bei der Überprüfung nicht erhärtet.
Nach dem Infektionsschutzgesetz sind Betroffene in Unterkünften verpflichtet, ein ärztliches Zeugnis vorzulegen, dass es keine Anhaltspunkte für eine ansteckungsfähige Lungentuberkulose gibt. Laut Innenministerium betrifft das in Bayern mehr als 6000 Ukrainer. Es geht nur um Menschen in Gemeinschaftsunterkünften. Wer privat unterkommt, muss sich nicht untersuchen lassen.
Tuberkulose (TB) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die meist die Lunge betrifft, aber auch andere Organe angreifen kann. Vor allem in ärmeren Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung gehört sie zu den Krankheiten mit den meisten Todesopfern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) entfallen nur 2,9 Prozent der Fälle auf Europa, betroffen ist vor allem Osteuropa. 2020 gab es in der Ukraine geschätzt rund 32 000 TB-Fälle - in Deutschland waren es rund 4600, davon laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 605 in Bayern.
In der Ukraine sei TB unter anderem wegen schlechterer medizinischer Versorgung und fehlenden Möglichkeiten bei Diagnostik und Therapie stärker verbreitet, sagte die Leitende Oberärztin Marion Heiß-Neumann. Mit der Reihenuntersuchung wolle man Erkrankte frühzeitig erkennen und richtig behandeln, aber auch Infektionsketten in Gemeinschaftsunterkünften unterbrechen. TB werde über die Ausatemluft übertragen. Eine Ansteckung über kurze Kontakte sei - im Gegensatz zu Covid-19 - nicht besonders wahrscheinlich. In räumlich beengten Verhältnissen gebe es aber ein relevantes Infektionsrisiko.
Unbehandelt könne die Erkrankung zum Tod führen, aber sie sei in der Regel gut behandelbar. Bei richtiger Therapie einer medikamenten-sensiblen Tuberkulose würden Heilungsraten von mehr als 90 Prozent erreicht, sagte Heiß-Neumann. Bei Medikamentenresistenzen stünden die Chancen aber deutlich schlechter. In der Ukraine liegt der Anteil der multiresistenten Tuberkulose demnach bei etwa 30 Prozent. "Besonders in dieser Situation sollten alle Möglichkeiten zur Vermeidung der Ausbreitung von Tuberkuloseerkrankungen ausgeschöpft werden", sagte sie.
Nur etwa die Hälfte der rund 120 Bewohner der Unterkunft kam für die Reihenuntersuchung in Gauting in Frage. Einige hätten nicht teilnehmen können, weil sie in Corona-Quarantäne seien, sagte die Kliniksprecherin. Außerdem seien unter den Bewohnern viele Kinder - Kinder bis neun Jahre würden aber extra von einem Kinderarzt untersucht. Ältere Kinder und Schwangere werden untersucht, aber nicht geröntgt.
Gut die Hälfte der 60 Untersuchten hätte zudem die Gelegenheit für eine Impfung gegen das Coronavirus genutzt. Unter ihnen seien Genesene oder Personen, denen die Boosterimpfung gefehlt hatte.