BayernWie steht es finanziell um die Kirche in Bayern?

Seit Jahren klagen die Kirchen über Mitgliederrückgang - und weniger Geld aus Kirchensteuern. Doch wie stehen die Kirchen in Bayern finanziell derzeit da? Schonmal soviel: Es gibt große Unterschiede.
München (dpa/lby) - Seit Jahren schrumpfen die Mitgliederzahlen der großen Kirchen auch im christlichen Bayern. Allein im vergangenen Jahr traten in den katholischen bayerischen Bistümern 81.852 Menschen aus der Kirche aus. Der evangelischen Landeskirche kehrten rund 42.000 Menschen den Rücken. Das hat auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation.
Die evangelische Kirche zum Beispiel hat bereits angekündigt, ihrem Medienhaus den Millionen-Zuschuss zu kürzen. Dabei rechnet sie in diesem Jahr mit einem kleinen Haushaltsplus: Mit Einnahmen von 967 Millionen Euro und Ausgaben von 959 Millionen Euro.
Und die katholische Kirche? Aus Sicht von Ralph Rotte, Experte für Kirchenfinanzen an der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, haben die großen Diözesen tatsächlich keine wirklich akuten Finanzprobleme. Aber: "Natürlich lauert in Zukunft die Gefahr einbrechender Steuereinnahmen, wenn die Mitgliederzahlen weiter sinken. Es ist also zwischen kurz- und langfristigen Finanzfragen zu unterscheiden."
Hier ein Überblick über die Lage in den katholischen Bistümern:
Kein ausgeglichener Haushalt in Passau
Das Bistum Passau kann für das laufende Jahr erneut keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen und geht von einem Fehlbetrag von 1,6 Millionen Euro aus. Damit fällt das Minus allerdings deutlich kleiner aus als 2025: Damals fehlten der Diözese 6 Millionen Euro. Mit Blick auf die nächsten Jahre erwartet Finanzdirektor Josef Sonnleitner keine "dramatischen Rückgänge". Das liege vor allem daran, dass diejenigen, die der Kirche treu blieben, mehr Geld verdienten, zum Beispiel durch Tarifsteigerungen.
Schwarze Null in Regensburg
Das Bistum Regensburg rechnet im laufenden Jahr mit einer schwarzen Null. Einnahmen und Erträge halten sich laut Diözese genau die Waage bei 383.262.300 Euro. Den weitaus größten Teil der Erträge machen mit 315,5 Millionen Euro die Kirchensteuern aus. Das meiste Geld ist für Personalkosten eingeplant, die 2026 laut Bistum gut 138 Millionen Euro ausmachen.
Würzburg im Minus
Das Bistum Würzburg erwartet in diesem Jahr einen Fehlbetrag von etwa 1,1 Millionen Euro. Ausgleichen will man das durch Rücklagen. Die Kirchensteuer dürfte etwa 1,8 Millionen Euro mehr in die Kasse der unterfränkischen Diözese spülen als noch 2025 - nämlich 179,7 Millionen Euro. Die Steuereinnahmen machen den Angaben nach etwa 80 Prozent des Gesamtetats aus.
Fünf Millionen Euro Minus in Bamberg
Im benachbarten Bamberg ist der Fehlbetrag größer, hier kalkuliert man mit einem Minus von 5 Millionen Euro. "Die aktuellen Rahmenbedingungen und absehbaren Entwicklungen erfordern einen sehr sorgfältigen und vorausschauenden Umgang mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen", hatte Finanzdirektor Mathias Vetter im Februar betont. "Mit den bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen und weiterer Prioritätensetzung werden die Voraussetzungen geschaffen, um das Betriebsergebnis wieder auszugleichen und die wirtschaftliche Stabilität des Erzbistums langfristig zu sichern."
Das Bistum kalkuliert mit Einnahmen von 229,8 Millionen Euro und Aufwendungen von 234,8 Millionen Euro. Die größten Anteile fließen in die Seelsorge und in Gebäude.
Leichter Überschuss in Eichstätt
Das gemessen an den Katholikenzahlen kleinste bayerische Bistum Eichstätt erwartet nach eigenen Angaben einen leichten Überschuss fürs aktuelle Jahr - und zwar von 721.500 Euro. Damit bleibe die finanzielle Lage trotz rückläufiger Kirchensteuereinnahmen und steigender Personalkosten stabil. Insgesamt kalkuliert Eichstätt mit Einnahmen von 180,4 Millionen Euro, darunter sind 104,2 Millionen Euro Kirchensteuer. Im Jahr zuvor waren es noch 106,4 Millionen.
Wie steht Bayerns größtes Bistum da?
Und Bayerns größtes katholisches Bistum? Das Erzbistum München und Freising legt seine Bilanz für das Jahr 2025 und die Haushaltsplanung für das laufende Jahr erst an diesem Donnerstag (10.00 Uhr) vor. Für 2025 hatte die Erzdiözese mit Einnahmen in Höhe von 845 Millionen Euro gerechnet - diese Summe lag deutlich niedriger als die der geplanten Aufwendungen von 928 Millionen. Für einen Teil der geplanten Aufwendungen habe man bereits in den vergangenen Jahren zweckgebundene Rücklagen gebildet, hatte es geheißen.
2024 hatte die Diözese ein positives Jahresergebnis von 146 Millionen Euro erwirtschaftet. Das liege aber in erster Linie an Einmaleffekten und daran, dass eigentlich nötige Baumaßnahmen verschoben wurden.
Die Erträge für 2024 hatte Finanzchef Markus Reif auf rund 921 Millionen Euro beziffert - das war ein Plus von 65 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. 645 Millionen davon kamen aus der Kirchensteuer, 140 Millionen aus öffentlichen Zuschüssen.
"Die grundlegenden Rahmenbedingungen bleiben unverändert herausfordernd", betonte die Amtschefin des Erzbischöflichen Ordinariats, Stephanie Herrmann, allerdings damals. Es blieben Maßnahmen zur Konsolidierung notwendig.
Herausforderungen durch Kirchenimmobilien
Laut Generalvikar Christoph Klingan sind vor allem die zahlreichen Immobilien im Besitz der Erzdiözese eine Herausforderung. Allein die seit Jahren laufenden Sanierungsarbeiten auf dem Freisinger Domberg werden rund 350 Millionen Euro gekostet haben, wenn sie in abgeschlossen sind. Außerdem stellt das Bistum sich auf zunehmende Schäden aus extremem Wetter ein. Die Diözese hat keine Elementarversicherung für ihre Gebäude, weil die einfach zu teuer wäre.