Berlin & BrandenburgExperte: Niedrigwasser und Hitze führt zu Stress für Fische

Flüsse führen zu wenig und zu warmes Wasser - das setzt Fischen zu. Wie ein Wissenschaftler Gefahren niedriger Pegelstände einschätzt.
Berlin (dpa/bb) - Niedrigwasser und hohe Temperaturen sind aus Sicht eines Experten Stressfaktoren für Fische und andere Lebewesen in Flüssen. Eine Gefahr: Der Sauerstoffgehalt sinkt.
Teils sei in Gewässern die Marke von 25 Grad geknackt worden, sagte der Fischökologe Christian Wolter vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei der Deutschen Presse-Agentur. Forellen und Quappen etwa seien bereits bei Temperaturen ab 20 Grad gestresst – anders als Karpfen, die auch 30 Grad tolerierten.
Experte: Sauerstoffgehalt sinkt - Bedarf steigt
Zum eingeschränkten Lebensraum der Fische aufgrund des Niedrigwassers komme dazu, dass warmes Wasser weniger Sauerstoff binden könne. Für die Organismen verschärfe sich die Situation, weil bei höheren Temperaturen auch ihr Stoffwechsel und damit der Sauerstoffbedarf steige.
Größeres Fischsterben seien ihm bislang aber nicht bekannt, sagte der Wissenschaftler. "Lokal kommt es immer wieder vor." Der Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Berlin-Brandenburg, Lars Dettmann, meinte dagegen: "Da werden Bestände kaputtgehen bei diesen Temperaturen."
Wissenschaftler sieht Gefahren durch Starkregen
Der Wissenschaftler Wolter sieht auch durch Starkregen eine Gefahr für das Fluss-Ökosystem. Wenn der ausgetrocknete und verdichtete Boden große Wassermengen nicht mehr aufnehmen könne, fließe das Wasser direkt in die Gewässer. Dabei werde organisches Material eingetragen, das von Bakterien abgebaut werde. Die Folge: Dabei wird viel Sauerstoff verbraucht.
Aus Sicht des Wissenschaftlers ist eine Verschiebung der Niederschläge erkennbar. Im Winterhalbjahr falle mehr Wasser, während die Trockenperioden im Sommer länger würden. Deshalb müsse stärker darauf geachtet werden, das Wasser in der Landschaft zurückzuhalten.
Experte: Mehr Wasser-Rückhalt nötig
Dazu könnten unter anderem Moore, Flussauen und Nebengewässer renaturiert werden. Im Boden verlegte Drainagen, die Wasser aus der Landschaft ableiten, sollten im Winterhalbjahr geschlossen werden, rät Wolter. Auch Sträucher und Bäume als Beschattung kleinerer Gewässer könnten sinnvoll sein.
Niedrigwasser in Flüssen löst vor allem für die Schifffahrt bundesweit Probleme aus. In Berlin und Brandenburg führen Spree, Oder, Neiße, Schwarze Elster und andere Flüsse zu wenig Wasser.