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Berlin & BrandenburgIHK Berlin startet Ausbildung von Fachkräften in Namibia

16.05.2026, 06:17 Uhr
Berlins-IHK-Chef-Oliver-Stietzel-warnt-vor-einer-grossen-Fachkraefteluecke-in-Berlin

Auf die Berliner Wirtschaft kommt ein kolossaler Fachkräftemangel zu. Um gegenzusteuern, startet nun ein Projekt in Namibia. Was es mit der "Talentsbridge" auf sich hat?

Berlin/Windhuk (dpa/bb) - Berliner Unternehmen bilden jetzt dringend benötigte Fachkräfte in der namibischen Hauptstadt Windhuk aus. Unter maßgeblicher Beteiligung der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) startete dort das Projekt "Talentsbridge" (Talentebrücke) mit 100 jungen Leuten.

Sie lernen nach vorbereitenden Workshops von Juni an in Sprachkursen Deutsch und beginnen dann im September eine Ausbildung zum Industrieelektriker, Verkäufer oder zur Gastronomiefachkraft, wie IHK-Präsident Sebastian Stietzel der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ziel sei es, arbeitslose namibische Jugendliche für den Bedarf deutscher Unternehmen auszubilden.

Deutsche Standards

Die IHK stellt sicher, dass die Lehre nach deutschen Standards stattfindet. Sie dauert drei Jahre. Nach bestandenen Prüfungen soll zumindest ein Teil der Fachkräfte nach Berlin kommen und bei Firmen arbeiten, die die Ausbildung in Windhuk als Projektpaten finanzieren. Sie können direkt loslegen, langwierige Verfahren zur Anerkennung der Berufsabschlüsse hierzulande entfallen.

"Wir steuern in Berlin, aber auch bundesweit allein aufgrund der Alterspyramide auf eine riesige Fachkräftelücke zu", sagte Stietzel. "Wenn wir als Volkswirtschaft wachsen wollen, sind wir auf gut ausgebildete Fach- und Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen." Ohne anpackende Menschen gehe es auch in Zeiten von KI in vielen Branchen nicht. "Mit unserem Projekt "Talentsbridge" ermöglichen wir hiesigen Unternehmen, internationale Fachkräfte frühzeitig und gezielt für den eigenen Bedarf zu finden und zu binden."

Namibia profitiert auch

Stietzel geht gleichzeitig davon aus, dass nicht alle Azubis unmittelbar nach ihrem Berufsabschluss nach Deutschland gehen und auch Namibia von dem Programm profitiert. "Ausbildung schafft nicht nur Fachkräfte, sondern sichert auch wirtschaftliche Entwicklung", sagte er und verwies auf eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit in Namibia. Das Projekt schaffe Perspektiven für junge Menschen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Namibia. Daher werde es dort von etlichen Partnern unterstützt, etwa von Regierung und Unternehmen.

Auch der Präsident des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Björn Fromm, verbindet mit dem Programm große Hoffnungen. ""Talentsbridge" bietet unserem Unternehmen die Chance, gezielt Nachwuchskräfte zu gewinnen, die nicht nur fachlich und sprachlich exzellent ausgebildet werden, sondern auch eine hohe Eigenmotivation und interkulturelle Kompetenzen mitbringen", sagte der Betreiber mehrerer Edeka-Märkte. "Uns fällt es zusehends sehr schwer, diese Art von Motivation bei heimischen Fachkräften von morgen zu aktivieren und über die Zeit der Ausbildung hinweg aufrechtzuerhalten."

Ausbau der Talentebrücke geplant

Für das Vorhaben wird eigens ein Ausbildungscamp in Windhuk aufgebaut, das ein Trägerverein betreibt. Die ersten 100 Jugendlichen wurden laut IHK aus etwa 1.500 Bewerbern ausgesucht. Zum Start machen demnach etwa zehn deutsche Unternehmen mit, darunter Edeka und die Bäckereikette Wiedemann. Mit 30 anderen sei man in Gesprächen, auch über weitere Berufsbilder wie Mechatroniker. Perspektivisch sei geplant, in dem Camp bis zu 3.000 Jugendliche auszubilden.

Quelle: dpa

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