Regionalnachrichten

Berlin & BrandenburgKindesmissbrauch: Ex-Fußballtrainer erhält Bewährungsstrafe

07.01.2026, 14:31 Uhr
Zwei-elfjaehrige-Jungen-wurden-Opfer-eines-damaligen-Fussball-Jugendtrainers-Wegen-sexuellen-Missbrauchs-von-Kindern-in-zwei-Faellen-erhielt-der-gestaendige-Angeklagte-eine-Bewaehrungsstrafe-Foto-Illustration

Ein Erzieher engagiert sich als Jugendtrainer. In verschiedenen Vereinen ist er aktiv, beliebt bei Kindern und Eltern. Sie vertrauen ihm. Bis schwere Vorwürfe gegen den Mann laut werden.

Berlin (dpa/bb) - Ein ehemaliger Fußball-Jugendtrainer ist wegen Missbrauchs von Kindern zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 28-Jährige habe zwei damals elfjährige Jungen bei Übernachtungen in seiner Wohnung sexuell berührt, begründete das Berliner Landgericht. Er sei des sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen schuldig. Dem geständigen Angeklagten wurde auferlegt, unverzüglich therapeutische Gespräche aufzunehmen. Zudem wurde er für drei Jahre einem Bewährungshelfer unterstellt.

Der 28-jährige ausgebildete Erzieher sei Jugendtrainer in namhaften Vereinen gewesen, darunter der 1. FC Union Berlin. "Er war gut vernetzt und beliebt auch bei den Eltern", sagte die Vorsitzende Richterin Iris Berger-Sieg. Der Angeklagte aber habe "das Vertrauen der Kinder und Eltern missbraucht, seine Stellung als Trainer ausgenutzt". Beide Opfer seien durch das Geschehen in ihrer Lebensführung beeinträchtigt, ihr Sicherheitsgefühl sei gestört. "Die schöne Fußballwelt brach zusammen."

Angeklagter bot Privattraining an

Zu den beiden nun verurteilten Taten war es laut Ermittlungen im Dezember 2022 sowie Anfang Februar 2023 bei Übernachtungen in der Wohnung des Angeklagten gekommen, der damals als ein Jugendtrainer des Fußballvereins 1. FC Union Berlin aktiv gewesen sei. Betroffen seien zwei Jungen aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort soll der Angeklagte nebenbei in Jugendnachwuchscamps gearbeitet haben. Die damals Elfjährigen sollen wegen Fußballtrainings zu dem Angeklagten gereist sein.

Der inzwischen in Stuttgart lebende Angeklagte gestand zwei sexuelle Übergriffe und bat um Entschuldigung. Es habe sich um "spontane Entschlüsse gehandelt, die falsch waren", so der 28-Jährige. Er habe "damals die Grenzen nicht so klar gesehen". Ihm sei ein freundschaftliches Verhältnis zu Kindern und Eltern wichtig gewesen. Er habe auch Privattraining angeboten. "Es kam zu immer engeren Kontakten." Aus dem Bereich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen habe er sich "vollständig zurückgezogen".

Verein schaltete die Polizei ein

Als Anfang 2023 Vorwürfe gegen den Angeklagten laut wurden, trennte sich der Verein von dem Nachwuchstrainer und schaltete die Polizei ein. Die Staatsanwaltschaft erhob schließlich Anklage unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, versuchten Missbrauchs, Verbreitung sowie Besitz von kinder- und jugendpornografischen Inhalten und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen.

Zwölf mutmaßliche Taten wurden dem 28-Jährigen zunächst vorgeworfen. Nach einer Verständigung aller Prozessbeteiligten stellte das Gericht mehrere Fälle vorläufig ein – sie würden wegen der anderen Vorwürfe gegen den Mann und die dafür zu erwartende Strafe nicht beträchtlich ins Gewicht fallen.

Bei der verhängten Strafe gegen den nicht vorbestraften Mann berücksichtigte das Gericht sein Geständnis - er habe damit den Kindern eine Vernehmung im Prozess erspart. Die Tathandlungen würden zudem "eher am unteren Rahmen des Denkbaren liegen". Die Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre Haft auf Bewährung. Der Verteidiger plädierte auf eine milde Strafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa

Regionales