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Berlin & BrandenburgSpreewälder Postkahn macht Winterpause nach 1.100 Kilometern

09.10.2026, 12:08 Uhr
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Seit 129 Jahren bringt der Spreewälder Postkahn Briefe und Pakete bis zur Haustür – jetzt endet die Saison. Was macht die Zustellerin im Winter und warum gibt es die schwimmende Postfiliale überhaupt?

Lehde (dpa/bb) - Der Herbst ist da - und damit auch das Saisonende für die Postzustellung per Spreewaldkahn in Lehde. Postbotin Andrea Bunar hat zum letzten Mal in diesem Jahr ihren gelben Kahn beladen, um Briefe und Pakete auf dem Wasserweg auszuliefern. "Als besondere Sendung habe ich dieses Jahr beispielsweise einen Elektroroller über die Fließe ausgeliefert."

In der Wintersaison bekommen die Menschen ihre Briefe und Pakete auf dem Landweg per Elektrofahrzeug. Die Krux: Weil Bunar ohne Kahn nicht so nah an die Häuser herankommt, muss die 55-Jährige dann längere Strecken zu Fuß zurücklegen. Im Frühjahr geht es nach Angaben von DHL dann wieder aufs Wasser.

Wie viel und was wird da im Spreewald ausgeliefert?

Auch im Spreewald werden inzwischen deutlich weniger Briefe verschickt, dafür umso mehr Pakete und Päckchen. Andrea Bunar war in diesem Jahr in ihrer 15. Saison als Spreewaldkahnzustellerin unterwegs und hat pro Woche rund 500 Briefe und Einschreiben und mehr als 100 Pakete und Päckchen ausgeliefert. Über die Fließe fährt sie nicht nur zu den Privathaushalten, sondern auch zu Hotels und Gaststätten in Lehde.

Ihre bisher größten Auslieferungen waren eine Hollywoodschaukel, ein Aluminium-Gewächshaus, Kühlschränke, ein Apfelbaum, ein XXL-Strandkorb und ein Fußballtor. Auf ihrem Weg leert sie auch zwei Briefkästen an Ausflugsgaststätten. Täglich legt die Postbotin etwa 8 Kilometer auf dem Kahn zurück, pro Saison sind es laut Post rund 1.100 Kilometer auf dem Wasser.

Wie lange gibt es die Zustellung per Kahn schon?

Die Zustellung per Kahn in Lübbenau-Lehde gibt es seit 129 Jahren. Die Tradition ist laut Post sowohl bei Einheimischen als auch Gästen und Touristen sehr beliebt. 65 Haushalte werden in der Sommersaison von April bis Oktober per Kahn versorgt. Viele von ihnen haben keine direkte Straßenanbindung.

Früher holten Bewohnerinnen und Bewohner der Region ihre Post sonntags beim Kirchgang ab. Mit der Industrialisierung und der damit verbundenen Landflucht nahm der Postverkehr deutlich zu. Im Zuge dessen hat die Post Ende des 19. Jahrhunderts als Service-Angebot die Zustellung per Spreewaldkahn eingerichtet - auch um eine bessere Erreichbarkeit der dortigen Haushalte zu ermöglichen.

Was ist das eigentlich für ein Postkahn?

Der Postkahn war jahrzehntelang ganz aus Holz. Im Jahr 1983 wurde umgestellt: Seitdem ist ein Kahn aus Aluminium für die Post unterwegs. Dadurch sei er kaum korrosionsanfällig und nur selten zu warten, heißt es. Insgesamt ist der Kahn neun Meter lang und hat eine vier Meter lange Schubstange, die "Rudel" genannt wird.

Zugleich ist der Kahn eine schwimmende Postfiliale: Andrea Bunar verteilt nicht nur Briefe und Pakete, sondern bei ihr an Bord kann man auch Briefmarken und Päckchen-Aufkleber kaufen.

Quelle: dpa

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