Berlin & BrandenburgWildblumen, Acker und Strom: Neues Solar-Projekt startet

Unter Solarmodulen sollen sich Insekten in Wildblumen tummeln, dazwischen will ein Landwirt Roggen und Hirse anbauen. Wie ein Projekt in Schönefeld Landwirtschaft und Stromerzeugung zusammenbringt.
Schönefeld (dpa/bb) - Solarmodule auf rund 70 Hektar Fläche, darunter Wildblumen und dazwischen Platz für Ackerbau: In Schönefeld bei Berlin ist eine sogenannte Agri-Photovoltaik-Anlage in Betrieb gegangen. Geplant sei es, Ökolandwirtschaft, grüne Stromerzeugung und Biodiversitätsmaßnahmen zu vereinen, teilte die Berliner Stadtgüter GmbH mit. Künftig sollen bei dem Pilotprojekt rund 74.000 Solarmodule jährlich Strom für etwa 16.500 Haushalte produzieren.
Das Besondere: Mindestens 90 Prozent der Fläche werden den Angaben zufolge ökologisch bewirtschaftet. Unter den Solarmodulen in 3,50 Meter Höhe sollen Wildblumen aus regional erzeugtem Saatgut blühen und so Lebens- und Rückzugsräume für Insekten und Kleintiere entstehen. Zwischen den Paneelreihen zur Stromerzeugung liegen jeweils elf Meter - neun davon können landwirtschaftlich genutzt werden.
Solarmodule können Schutz vor Hitze und Starkregen bieten
"Wir rechnen damit, dass die Solarmodule sogar hilfreich sein können beim Anbau", sagte Biolandwirt Sven Geelhaar der Deutschen Presse-Agentur. "Sie schützen vor Hitze, Frost und Starkregen. Das sind alles Themen, die uns Landwirte stark beschäftigen." Nachdem der Acker zwischen den Solarflächen bereitet ist, plant Geelhaar, Wintergetreide wie Roggen anzubauen, zudem die Futterpflanze Luzernegras sowie Hirse.
Die Modulreihen sind in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, so dass die Module der Sonne folgen können. Dies ermögliche 25 bis 30 Prozent mehr Stromertrag als fest aufgestellte Module - insbesondere an Tagesrandzeiten, so die Berliner Stadtgüter GmbH. Die stellt außerdem in der Nähe von Ragow und Deutsch Wusterhausen 17 Hektar ihrer Fläche für die Ansiedlung von Brutvögeln wie der Feldlerche zur Verfügung.
Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung sowie von der Technischen Universität Dresden. Unterstützt werden sie vom Bundesamt für Naturschutz.