Hamburg & Schleswig-Holstein117 km/h ins Glück: Muheim schießt HSV zum dritten Sieg

Verletzungen zwingen HSV-Trainer Merlin Polzin zum Umbau, doch gegen Champions-League-Club Stuttgart hält das Team dagegen. Dann schlägt Muheim erneut zu. Was gibt dieser Sieg der Mannschaft?
Hamburg (dpa/lno) - 117. Diese Zahl bedeutete für die Fans des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV am Samstag das pure Glück. Mit 117 km/h jagte der Schweizer Miro Muheim den Ball in der 88. Minute zum 1:0 (0:0)-Sieg ins Tor des VfB Stuttgart. Für die Hanseaten war es der dritte Sieg hintereinander. Eine solche Serie gelang dem Nord-Club zuletzt in der Spielzeit 2010/11.
Wie schon beim 3:2-Erfolg bei der TSG Hoffenheim war Muheim der Mann für die entscheidende Situation. "Ich habe den Raum, um abzuziehen, und hau' dann einfach drauf, und der geht natürlich perfekt rein. Am Ende ein geiles Tor in einem super Moment", sagte der 28-Jährige bei Sky über die entscheidende Szene.
"Gemerkt, dass ich ihn sehr gut getroffen habe"
Sein Schuss war sogar noch schneller als beim Treffer in Hoffenheim, der mit 105 km/h gemessen wurde. "Ich habe schon gemerkt, dass ich ihn sehr gut getroffen habe", sagte Muheim.
Der Schweizer Nationalspieler steht sinnbildlich für den Aufschwung, den der HSV nach einem schwachen Saisonstart mit den 0:5-Klatschen gegen den 1. FSV Mainz 05 und bei RB Leipzig genommen hat. Angeschlagen war er von der Weltmeisterschaft zurückgekehrt. Wegen Verletzungen fiel er an den ersten drei Spieltagen aus. Beim 2:1-Sieg über den 1. FC Köln stand er noch nicht im Kader.
In Sinsheim wurde Muheim vor dem Seitenwechsel für den verletzten Kapitän Nicolai Remberg, der sich kurz zuvor das Kreuzband gerissen hatte, eingewechselt. Bei der TSG und nun gegen Stuttgart sorgte er jeweils für den Siegtreffer. Von seinem Teamkollegen Sebastiaan Bornauw gab es großes Lob: "Er hat einen geilen linken Fuß. Bei ihm bin ich mir sicher, wenn er diesen Schuss zehnmal nimmt, trifft er mindestens achtmal."
Polzin muss im Mittelfeld umbauen
Muheim war eine der Veränderungen in der HSV-Startelf, zu denen Trainer Merlin Polzin gezwungen war. Da mit Albert Sambi Lokonga auch der zweite defensive Mittelfeldspieler ausgefallen war, rückte Bilal Nadir ins Team. "Wir haben gebraucht, um reinzukommen", sagte Polzin. "Spätestens mit der zweiten Hälfte haben wir das Spiel und das Stadion so auf unsere Seite gedreht, dass mit leidenschaftlichem Verteidigen, viel Laufen und viel Energie was drin ist."
Dass der HSV trotz der Ausfälle wichtiger Spieler in der Lage ist, gegen Champions-League-Clubs wie den VfB Stuttgart zu bestehen, gebe "viel Kraft und Vertrauen", so Polzin weiter. "Das macht mich glücklich. Die Mannschaft hat ausgestrahlt, dass der HSV mit seiner Art in der Bundesliga bestehen kann."
Drei Siege in Serie zuletzt unter Armin Veh
Dass der HSV erstmals seit der Saison 2010/11 wieder drei Spiele am Stück im Oberhaus gewonnen hat, war Polzin nicht bewusst. Schließlich habe man ja auch lange nicht in der Bundesliga gespielt, sagte er mit dem Blick auf die siebenjährige Zweitklassigkeit. Unter Armin Veh gab es am 17. Dezember 2010 ein 2:1 bei Borussia Mönchengladbach, am 15. Januar 2011 ein 1:0 bei Schalke 04 und am 21. Januar 2011 ein 1:0 gegen Eintracht Frankfurt.
In der aktuellen Spielzeit geht es für den HSV am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Aufsteiger SC Paderborn weiter. Der Wille ist da, die Serie auszubauen.