Hamburg & Schleswig-HolsteinBier auf dem SUP? Wieviel Alkohol auf der Alster erlaubt ist

Wer mit dem Boot gemütlich über die Alster schippert, hat gern etwas Alkoholisches dabei. Doch greift man zum Paddel oder tritt in die Tretboot-Pedalen, muss man wissen, was geht - und was teuer wird.
Hamburg (dpa/lno) - Die sommerliche Atmosphäre auf dem Hamburger Rondeelteich ist denkbar friedlich, als plötzlich drei Polizeiboote in dem Nebengewässer der Alster auftauchen. Was suchen die Beamten bloß zwischen Dutzenden von Kanus, Schlauchbooten und Stand-up-Paddle-Boards (SUP)? Wohl kaum jemand der Erholungssuchenden errät den Grund für die Polizeiaktion: Die zehn Beamten der Hamburger Wasserschutzpolizei wollen an diesem Samstagnachmittag die Einhaltung der Alkoholkonsumgrenzen kontrollieren.
Im Hafen, auf der Dove- und Unterelbe und eben auch auf der Alster veranstaltet die Wasserschutzpolizei einen sogenannten Thementag, bei dem vor allem die Freizeitkapitäne und Wassersportler in den Blick genommen werden. Vor zwei Jahren startete die Polizei die Kampagne "#AlsterFürAlle", mit der das im Sommer turbulente Geschehen auf dem Gewässer in ruhigere Bahnen gelenkt werden sollte. Unter anderem geht es darum, auf das Rechtsfahrgebot zu achten, die Promillegrenze einzuhalten und nicht von Brücken zu springen.
Paddler wollen nicht pusten
Philip Becker, Leiter des Wasserschutzpolizeikommissariats 2, lobt vor Beginn der Kontrollfahrt über die Alster seine Klientel: "Wir können mit den Menschen reden, man ist hier nicht konfrontativ unterwegs." Als ehemaliger Schutzpolizist kennt Becker auch andere, brenzlige Situationen. Einmal habe ihm bei einer Kontrolle in der Stadt ein Mann eine glühende Zigarette auf die Haut gedrückt.
Auf dem Rondeelteich sind sechs Männer, die in einem Kanu mit einer Kühltasche voller Getränke sitzen, nicht erfreut über die Begegnung mit den Beamten. Die Polizisten vermuten, dass sie Alkohol getrunken haben und bitten die Männer, in ein Testgerät zu pusten. Das lehnen die Kanufahrer ab. Daraufhin entscheidet Polizeihauptkommissar Stefan Fischer, die Kontrolle an Land fortzusetzen. Doch nur wo? Rings um den Rondeelteich stehen prächtige Villen mit großen Wassergrundstücken, die aber alle privat sind und nicht betreten werden dürfen. Die Polizisten einigen sich mit den mutmaßlichen Alkoholsündern darauf, gemeinsam zu einer Anlegestelle an der Krugkoppelbrücke zu fahren.
Wer paddelt, ist Schiffsführer
Mindestens vier der Männer im Kanu greifen zum Paddel und treiben das Boot voran - ahnungslos. Die Rechtslage ist nämlich für den Laien voller Tücken. Für den Schiffsführer, und zwar nicht nur von motorisierten Wasserfahrzeugen, gilt das Alkohollimit genauso wie für einen Autofahrer. Aber wer ist einem Paddelboot mit sechs Mann im juristischen Sinne der Schiffsführer? Das erklärt Fischer ihnen erst, nachdem alle angelegt und festen Grund unter den Füßen haben. Jeder, der mit paddelt, habe Einfluss auf das Fahrverhalten des Bootes und sei damit Führer eines Wasserfahrzeugs. Wer lediglich mit im Boot sitzt, kann sich so viel Bier, Wein oder Alsterwasser gönnen, wie er will.
"Man mag's kaum glauben, doch die Alster ist eine offizielle Wasserstraße!", schreibt die Hamburger Umweltbehörde auf ihrer Internetseite. Damit gelte die Hafenverkehrsordnung. Und die verbietet in Verbindung mit der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung den Bootsführern, mit mehr als 0,5 Promille zu fahren. Ab 1,1 Promille wird aus der Ordnungswidrigkeit eine Straftat. Kanus, Tret- und Schlauchboote und sogar SUP seien Wasser-Kleinfahrzeuge, erläutert Polizeioberkommissar Christian Schormann.
Anzeige wegen Trunkenheitsfahrt
Die Kanufahrer lassen sich schließlich zum Alkoholtest überreden. Drei von ihnen pusten relevante Werte, ein 34-Jähriger sogar 1,37 Promille. Die Männer müssen mit zur Außenstelle der Wasserschutzpolizei an der Alster kommen, von dort sollen sie zur Blutprobe auf ein Polizeikommissariat gebracht werden. Sie müssen sich in das von einem E-Motor angetriebene Polizeiboot "WS54 Krabbe" setzen und bekommen jeder eine Schwimmweste.
Die übrigen beiden Polizeiboote setzen die Streifenfahrt über das dunkle, von Blaualgen durchzogene Wasser fort. Die Beamten bekommen viele neugierige und freundliche Blicke, Fahrgäste eines Alsterdampfers winken ihnen zu. Im Langen Zug, einer Seitenbucht, ermahnen die Polizisten eine Familie auf einem Tretboot, sich an das Rechtsfahrgebot zu halten. Die Angesprochenen befolgen die Anweisung sofort.
Schwere Unfälle sind selten
Die Wasserschutzpolizei sei präventiv unterwegs, sagt Becker. Ernsthafte Unfälle sind auf der Alster selten, trotz der zunehmenden Anzahl von Menschen in Schlauchbooten, auf Boards und Wasserfahrrädern.
Doch es gibt sie, die schlimmen Unfälle. Im vergangenen Jahr etwa starb eine 57-Jährige beim Anlegen am Ufer an der Uhlenhorst. Die Frau hatte versucht, unter einem Steg nach ihrer ins Wasser gefallenen Brille zu tauchen.
Und an einem frühen Dezembermorgen kurz vor Weihnachten stießen zwei Ruderboote auf der Außenalster zusammen. Neun Ruderer fielen ins kalte Wasser, zwei wurden leicht verletzt. Beide Boote seien beleuchtet gewesen, hieß es damals. Nicht immer achten Freizeitsportler darauf, dass sie genügend sehen. Er habe schon einen SUP-Fahrer gesehen, der mit seinem Handy im Dunkeln geleuchtet habe, berichtet einer der Beamten.
"Nice to meet you"
Nicht weit von einer beliebten Bar am Langen Zug ist ein etwas älteres Paar mit einem Tretboot unterwegs, der Mann hat eine Bierdose in der Hand. Ein Beamter spricht ihn an und bittet ihn, ins Alkoholtestgerät zu pusten. Das Paar, das kein Deutsch spricht, ist überrascht. Auf Englisch klappt die Kommunikation aber reibungslos und der Test verläuft negativ. "Bye bye, nice to meet you", ruft die Dame zum Abschied.
Wieder auf der Außenalster fällt den Beamten ein SUP-Fahrer auf, der ohne zu paddeln mit einem Hund auf seinem Board sitzt - und aus einem Becher trinkt. Neben ihm steht die noch fast volle Rotweinflasche in einer Halterung, aus einem Abspielgerät ist Musik zu hören. Sein Gesicht unter dem Sonnenhut sieht leicht gerötet aus. In einem Schlauchboot in der Nähe döst ein Begleiter.
Die Beamten bitten um einen Alkoholtest und der Mittdreißiger auf dem Board ist dazu sofort bereit. Das Messgerät zeigt deutlich unter 0,5 Promille an. Nils - so heißt der Mann - äußert Verständnis für das Vorgehen der Wasserschutzpolizei. "Ich finde es sehr gut, dass Kontrollen gemacht werden, weil ich hier auch Leute sehe, die es echt übertreiben", sagt der Hamburger. Seine Hündin Uschi sitzt ganz ruhig daneben. Sie genießt offenbar auch den friedlichen Abend auf der Alster.