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Hamburg & Schleswig-HolsteinBusstreik legt Städte in Schleswig-Holstein lahm

08.09.2026, 12:15 Uhr
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(Foto: Marcus Brandt/dpa)

Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber bieten 4,4 Prozent. Warum die Fronten im Nahverkehrsstreik verhärtet bleiben.

Kiel (dpa/lno) - Noch bis Donnerstagfrüh müssen Schülerinnen und Schüler, Pendlerinnen und Pendler sowie andere Fahrgäste in Schleswig-Holsteins kreisfreien Städten und im Kreis Plön mit vielen Busausfällen rechnen. Dort, wo der Dienst schon offiziell begonnen habe, fahre nichts mehr, sagte Verdi-Verhandlungsführer Sascha Bähring der Deutschen Presse-Agentur nach Streikbeginn. "Die Arbeitnehmer zeigen das richtige Zeichen gegenüber dem Arbeitgeber und stehen hinter ihren Forderungen".

Grund ist ein am frühen Morgen gestarteter, 48-stündiger Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft aufgerufen hat. Betroffen sind die öffentlichen Busunternehmen in Kiel (KVG), Lübeck (Stadtverkehr Lübeck), Flensburg (Aktivbus) und Neumünster (SWN).

Dabei nehmen rund 1.800 Beschäftigte am Warnstreik teil. Überdies streiken die rund 200 Beschäftigten der Verkehrsbetriebe im Kreis Plön im Rahmen der bundesweiten Tarifrunde zum Eisenbahntarifvertrag. Fahrgäste sollten sich daher in den betroffenen Regionen vor Fahrtantritt bei den jeweiligen Verkehrsbetrieben informieren - etwa über Internetseiten, Apps oder soziale Medien.

Was die Gewerkschaft fordert

Hintergrund sind die Tarifverhandlungen im öffentlichen Nahverkehr. Dort hat auch die zweite Verhandlungsrunde Anfang September kein Ergebnis geliefert. Für beide Tarifbereiche fordert die Gewerkschaft Verdi eine Erhöhung der Entgelte um 6,5 Prozent für alle Beschäftigten bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Gewerkschaftsmitglieder will Verdi eine Vorteilsregelung in Höhe von 650 Euro jährlich.

"Wir haben den Arbeitgebern nach der ersten Verhandlungsrunde die Chance gegeben, um zu reagieren", sagte Verdi-Verhandlungsführer Bähring. Damals gab es kein Angebot und auch zunächst keinen Streit. Jedoch sei das Angebot in der zweiten Verhandlungsrunde "so schlecht" gewesen, dass es von den Beschäftigten als Provokation gesehen wurde.

Fortgesetzt werden sollen die Tarifverhandlungen im öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein am 22. September. Allerdings haben beide Seiten bereits einen vierten Termin am 29. September vorgemerkt. Die Verhandlungen zur bundesweiten Tarifrunde zum Eisenbahntarifvertrag gehen am 5. Oktober weiter.

Das sagen die Arbeitgeber

Der Geschäftsführer des kommunalen Arbeitgeberverbands, Jan Jacobsen, sagte der dpa, auf dem Tisch liege ein Angebot in Höhe von 4,4 Prozent für 24 Monate. Die von der Gewerkschaft geforderte Vorteilsregelung für Mitglieder sei dem Arbeitgeberverband satzungsgemäß untersagt. "Unser Vorstand würde natürlich einen solchen Tarifvertrag, der irgendwie im weitesten Sinne satzungswidrig wäre, gar nicht genehmigen." Das wisse Verdi natürlich. Als festgefahren könne man die Gespräche aber nicht bezeichnen.

Die Gewerkschaft argumentiere in der laufenden Tarifrunde mit dem Verbraucherpreisindex, sagte Jacobsen. Der werde mit dem Angebot der Arbeitgeber jedoch mehr als ausgeglichen. "Der lag bei 4 Prozent. Wir haben 4,4 geboten, das heißt, wir gleichen es aus und haben sogar noch ein Reallohngewinn." Zudem hätten Tarifverhandlungen im Frühjahr zum Manteltarif den Beschäftigten finanzielle Verbesserungen gebracht wie höhere Zuschläge. Bereits im Frühjahr waren deshalb mehrfach Stadtbusse nicht gefahren.

"Es geht hier gerade nur um den eigenen Proporz von Verdi, weil sie eben streiken müssen und dafür habe ich kein Verständnis. Ich habe kein Verständnis dafür, dass jetzt die alleinerziehende Mutter an der Bushaltestelle steht und nicht wegkommt, obwohl deren Tag durchgetaktet ist, nur wegen des Proporzes, nicht mehr in der Sache", sagte Jacobsen. Wenn Verbraucher deshalb sauer seien, habe er dafür Verständnis.

So reagiert die Gewerkschaft

Beide Angebote liegen noch ein gutes Stück auseinander, erklärte Verhandlungsführer Bähring. "Die Arbeitgeber müssen erst mal ein Angebot hinlegen, wo wir ernsthaft darüber nachdenken können", betonte er. Wichtig sei ihm die Erhöhung im Zeitraum von 12 Monaten nicht von 24.

Weitere Streiks schließt der Verhandlungsführer bisher nicht aus. Erst mal solle allerdings eine Lösung am Verhandlungstisch gefunden werden. "Sollte das nicht so sein, werden wir das bewerten und dann schauen wir weiter", führte Bähring aus.

Busfahrerin fordert Wertschätzung

Busfahrerin Lena-Marie Boldt sagte beim Warnstreik auf dem Betriebshof der KVG in Kiel: "Wir wollen alle bessere Bedingungen für uns alle haben und wir möchten alle dasselbe und wir möchten fair behandelt werden." Die Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn halte sie noch für gering.

"Es wird alles teurer und selbst wir, wir sind auch nur unterwegs und wir müssen auch außerhalb essen und sind auch nicht viel zu Hause", so Boldt. Für die Arbeit sei auch eine gerechte Bezahlung nötig - dies habe auch etwas mit Wertschätzung zu tun. "Wir sind alle in einem Bus", betonte sie. "Wir fahren jeden Tag von A nach B und bei Regen, bei Wind und Wetter sind wir unterwegs und das sollte halt eben auch aus gegolten werden."

Die Tarifverhandlungen sollen am 22. September fortgesetzt werden.

Quelle: dpa

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