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Hamburg & Schleswig-HolsteinEntwurf für neue Köhlbrandbrücke - Fertigstellung vor 2040

10.06.2026, 16:21 Uhr
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Die neue Köhlbrandbrücke soll ganz ähnlich wie die alte aussehen, nur deutlich höher und länger sein. Der Siegerentwurf soll bis Ende der 2030er Jahre verwirklicht werden.

Hamburg (dpa/lno) - Der Entwurf für den Neubau der Hamburger Köhlbrandbrücke steht fest. "Die neue Brücke ist eine Hommage an die alte Brücke", sagte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) bei der Vorstellung des Siegerentwurfs aus einem Wettbewerb. Er werde die Planungsgrundlage sein. Ein 21-köpfiges Gremium aus Experten und Vertretern von Bürgerschaft und Senat habe sich einstimmig für den Entwurf ausgesprochen. Die Vergabe sei bereits erfolgt.

Die neue Querung über den Köhlbrand - wie die Süderelbe kurz vor ihrer Mündung in die Norderelbe heißt - soll wieder eine Schrägseilbrücke werden, allerdings rund 20 Meter höher als die bestehende aus den 1970er Jahren. Die Durchfahrtshöhe soll 73,5 Meter betragen. Damit werden dann auch die derzeit größten Frachter das hinter der Brücke gelegene Containerterminal Altenwerder anlaufen können. Derzeit können nur Schiffe mit maximal 14.000 Containern bis zum modernsten Terminal Hamburgs fahren. Die größten Frachter haben heute eine Kapazität für bis zu 24.500 Containern.

Neue Brücke soll 100 Jahre halten

Wegen der größeren Höhe der neuen Brücke werden die Rampen auf der Ost- und Westseite 500 Meter länger, das Gesamtbauwerk wird nach Angaben von Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing fünf Kilometer lang. Die beiden Pylone werden 170 Meter hoch sein, erklärte Projektleiterin Maren Wolff. Die Spannweite der Strombrücke betrage 400 Meter. Das Bauwerk werde auf 40 weiteren Pfeilern ruhen, die Fahrbahn - wie die bestehende Brücke - zwei Spuren je Richtung breit sein. Der Neubau werde für eine Lebensdauer von 100 Jahren geplant, sagte Wolff. Die bestehende Brücke wäre bei ihrem Abriss im Jahr 2040 gut 65 Jahre alt.

Der Entwurf wurde von einer Arbeitsgemeinschaft aus den Architektur- und Ingenieurbüros sbp, Grassl und WTM Engineers in Kooperation mit gmp und PPL erarbeitet. Projektleiterin Wolff bezeichnete die bestehende Köhlbrandbrücke als eine Ikone und fügte hinzu: "Eine neue Hamburger Ikone wird die neue Brücke wieder sein."

Inbetriebnahme Ende der 2030er Jahre

Nach Angaben von Leonhard soll bis 2030 der Planfeststellungsbeschluss beantragt werden. Für Ende der 30er Jahre sei die Freigabe für den Autoverkehr geplant. Der Schiffsverkehr wird die neue Durchfahrtshöhe erst nach dem Abriss der alten Brücke im Jahr 2040 nutzen können. Das Bauwerk soll zwei Jahre schneller als ursprünglich vorgesehen fertiggestellt werden. Die Wirtschaftssenatorin hofft, dass der Bau noch schneller realisiert werden kann.

Leonhard zeigte sich auch zuversichtlich, dass die Brücke nicht teurer als 5,3 Milliarden Euro wird. "Wir werden im Kostenrahmen bleiben können", versicherte die Senatorin. Im Juni 2024 hatte die Hamburgische Bürgerschaft einem Neubau der Brücke zugestimmt. Eine Ausstellung zum Entwurf für den Neubau ist bis zum 24. Juni in der Rathausdiele zu sehen.

Neue Brücke soll neben der alten entstehen

Der Neubau soll neben der bestehenden Brücke errichtet werden. Die Haupthafenroute über den Köhlbrand müsse dauerhaft in Betrieb bleiben, sagte der Chef der Hafenverwaltung HPA, Jens Meier. "Das ist ja immer die hohe Kunst hier im Hamburger Hafen, dass wir am lebenden Patienten operieren und ihn dauerhaft gesund halten." Es handele sich um eine parallele Konstruktion. Der Abriss der alten Brücke werde erst beginnen, wenn die neue in Betrieb genommen ist. Leonhard versicherte, bis dahin werde alles getan, um die bestehende Konstruktion zu erhalten.

Seit der Inbetriebnahme der Brücke 1974 hat sich die Verkehrsbelastung nahezu verdoppelt. Die Brücke wird täglich von mehr als 30.000 Fahrzeugen genutzt. Seit 2012 gilt dort bereits ein Überholverbot für Lastwagen, Anfang 2019 ordnete die HPA zudem ein Abstandsgebot für Lkw von 50 Metern an. Seit dem vergangenen 1. Mai ist die Köhlbrandbrücke für genehmigungspflichtige Schwertransporte über 44 Tonnen gesperrt.

Am kommenden Wochenende ist die Brücke wegen Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten wieder voll gesperrt, nur fünf Tage nach Abschluss vorheriger Reparaturarbeiten. Die HPA hat für dieses Jahr noch zwei weitere Wochenendvollsperrungen im September und Oktober angekündigt. Im nächsten Jahr soll die Brücke an sieben Wochenenden voll gesperrt werden.

CDU: Komplettsperrung wäre "Desaster"

Wirtschaftsverbände begrüßten den Entwurf für den Neubau. "Angesichts des fortschreitenden Verfalls und der damit einhergehenden Einschränkungen für den Verkehr geht uns schon heute spürbar Wertschöpfung verloren", sagte Handelskammer-Präses Norbert Aust. Der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Rainer Fabian, mahnte: "Angesichts des aktuellen Zustands der Köhlbrandbrücke bleibt keine Zeit für langwierige oder bürokratische Verfahren."

CDU-Fraktionschef Dennis Thering forderte mehr Tempo beim Neubau: "Wenn der rot-grüne Senat weiter so trödelt, droht eine Komplettsperrung, bevor der Neubau fertig ist. Das wäre das endgültige Desaster für Hafen und Stadt."

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hansjörg Schmidt, betonte, eine leistungsfähige Köhlbrandquerung sei für die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens unverzichtbar. "Besonders wichtig ist, dass die bestehende Köhlbrandbrücke bis zur Fertigstellung des Neubaus in Betrieb bleibt."

Der hafenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Kay Jäger, kritisierte: "Die Sanierung der alten Brücke wurde über viele Jahre verschleppt, eine günstigere Lösung sehenden Auges unmöglich gemacht."

Die AfD warf dem Senat vor, er plane ein milliardenteures "Luftschloss-Projekt". Fraktionschef Dirk Nockemann erklärte: "Wer eine zentrale Verkehrsader erst in den späten 2030er-Jahren ersetzen will, gefährdet sehenden Auges den Hafenstandort Hamburg."

Quelle: dpa

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