Hamburg & Schleswig-HolsteinStudie: Finanzbeamte waren Teil der NS-Ausplünderung

Juden, Sinti und Roma wurden im Nationalsozialismus auch in Schleswig-Holstein verfolgt. Die Entrechteten waren Ziel einer regelrechten Ausplünderung. Dabei spielten die Finanzbehörden eine Rolle.
Kiel (dpa/lno) - Forscher haben die systematische Ausplünderung von Juden, Sinti und Roma im Nationalsozialismus untersucht. "Die Studie macht unmissverständlich klar, dass damalige Beamte der Finanzverwaltung von Beginn an aktiv und unstrittig an der Verfolgung und finanziellen Ausbeutung von Jüdinnen und Juden, von Sintize und Sinti sowie Romnja und Roma in Schleswig-Holstein mitschuldig gemacht haben", sagte Finanzministerin Silke Schneider (Grüne). Selbst nach Ende des NS-Regimes habe sich das Unrecht in der wenig zufriedenstellenden Wiedergutmachungspolitik fortgesetzt.
Im Mai 2023 hatte der Landtag einstimmig beschlossen, die Rolle der Finanzbehörden wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Es wurde die Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg damit beauftragt.
"Die Ergebnisse dieser Studie zeigen deutlich, wie auch die Finanzverwaltung am Ende als ein wesentlicher Akteur im Gesamtrahmen des Holocaust angesehen werden muss", sagte der verantwortliche Historiker Hanno Balz von der Universität Amsterdam. Beamte hätten in der NS-Zeit auch aus moralischer Hinsicht eine Verantwortung getragen. "In den behördlichen Schriftwechseln und Aktennotizen wird immer wieder auf erschreckende Weise deutlich, dass den um ihren Besitz gebrachten Jüdinnen und Juden mit keinerlei Empathie begegnet wurde", sagte Balz.