Hamburg & Schleswig-HolsteinWasser, Schatten, 112 – Obdachlose bei Hitze unterstützen

Hamburgs Hitze trifft nicht alle gleich: Warum wohnungslose Menschen jetzt besonders gefährdet sind und welche kleinen Gesten Leben retten können.
Hamburg/Kiel (dpa/lno) - Die aktuelle Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 33 Grad Celsius ist für viele Menschen sehr anstrengend, doch besonders wohnungslose Menschen sind durch die hohen Temperaturen stark gefährdet. "Obdachlose Menschen sind den Witterungsbedingungen schutzlos ausgeliefert und tragen aufgrund von Vorerkrankungen ein hohes Risiko, zum medizinischen Notfall zu werden", erläutert Stefanie Koch von der Diakonie Hamburg laut Mitteilung. Sie fordert, den Zugang zu Trinkwasser und Hitzeschutzräumen für obdachlose Menschen zu verbessern.
Kirchen, Cafés und Behörden sollten Wasser und kühle Räume bieten
Die Diakonie ruft zudem Geschäfte, Restaurants und Cafés dazu auf, wohnungslosen Menschen das Füllen von Wasserflaschen zu ermöglichen und auch auf das Angebot hinzuweisen. Kirchengemeinden und öffentliche Einrichtungen sollten kühlende Räume für die Betroffenen öffnen.
Die Diakonie selbst rüstet sich in den Einrichtungen mit zusätzlichen Trinkflaschen für die heißen Tage. Auch der Zugang zu Duschen und Sanitäranlagen soll wohnungslosen Menschen erleichtert werden.
Flasche Wasser, 112 und Luft zufächern
Doch nicht nur Einrichtungen, Kirchen und Unternehmen können helfen. Alle Menschen seien in der Pflicht, das zu tun. "Jeder, der beobachtet, dass ein Mensch ohne Wohnung gefährdet ist, kann mit einer Flasche Wasser helfen oder die 112 anrufen und Hilfe organisieren", sagte Kathrin Kläschen, Referentin für Wohnungslosenhilfe beim Diakonischen Werk Schleswig-Holstein.
Woran erkenne ich einen Hitzschlag und was tue ich dann?
Bei Anzeichen eines Hitzeschlags – rotes Gesicht, Zittern oder kalter Schweiß – sollte der Rettungsdienst gerufen werden, sagte Koch. Wichtig sei außerdem, bei der Person zu bleiben und ihr Luft zuzufächern, bis der Rettungswagen eintreffe.
"Symptome wie Schwindel, Verwirrtheit oder Muskelkrämpfe erfordern sofortige Hilfe, um lebensgefährliche Folgen zu verhindern", ergänzte Krankenschwester und Wundexpertin Petra Carstensen. Weil viele Betroffene keine Krankenversicherung hätten, seien niedrigschwellige medizinische Angebote für sie überlebenswichtig.
Diakonie: Pendant zum Winternotprogramm bei Hitze nötig
Die Diakonie findet, dass es neben dem Winternotprogramm auch eine Art Sommernotprogramm geben sollte. "Aufgrund der klimatischen Entwicklung wäre eine Erweiterung der Angebote für die Sommermonate der nächste notwendige Schritt", teilte die Diakonie mit. "Denn in der Stadt ist die Belastung besonders hoch, da versiegelte Flächen nachts kaum abkühlen."