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HessenBrand in Forschungsanlage wirft die Wissenschaft zurück

06.02.2026, 13:30 Uhr
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An Tag nach dem Feuer im Zentrum für Schwerionenforschung sind viele Fragen offen. Eine Folge aber steht schon fest.

Darmstadt (dpa/lhe) - Nach dem verheerenden Brand auf dem Gelände einer Darmstädter Forschungseinrichtung sind viele Fragen offen. Wie konnte es am Donnerstagmorgen zu dem über Stunden andauernden Feuer kommen, was sind die Folgen für die Wissenschaftler und welchen Schaden haben die Flammen angerichtet? Hierauf sollen nun Antworten gefunden werden.

Betroffen von dem Brand war ein Gebäude auf dem Gelände des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung. Immer wieder zogen von dort am Donnerstag dunkle Rauchsäulen in den Himmel.

Was brannte auf dem Gelände?

"Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte wurde ein Brand in einer Industriehalle festgestellt", berichtete die Feuerwehr am Freitagmorgen. "Dort brannten industrieübliche Einrichtungen wie elektrische Anlagen, Büroarbeitsplätze und Werkstattausstattung. Trotz schnellen Eingreifens der ersten Kräfte konnte sich der Brand auf weite Teile der Industriehalle ausbreiten." Menschen wurden nicht verletzt, es seien auch keine Gefahrstoffe nachgewiesen worden.

Der Brand brach am Donnerstagmorgen gegen 6.20 Uhr aus, wie die Feuerwehr mitteilte. Bis zu 160 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz gewesen, um die Flammen auf dem Forschungsgelände zu bekämpfen. Die Einsatzkräfte kamen aus Darmstadt und dem gesamten Umland. Die Anlage selbst wurde evakuiert.

Auf dem Gelände gibt es bereits einen Teilchenbeschleuniger und es entsteht seit einigen Jahren eine weitere Anlage für ein internationales Forschungsprojekt, in das mehrere Milliarden Euro investiert wurden. Diese Anlage selbst war nicht von dem Feuer betroffen.

Gibt es Angaben zur Höhe des Schadens?

Die Feuerwehr selbst sprach am Donnerstag von einem "erheblichen" Schaden. Beziffern lässt er sich aber bisher nicht. Ermittler haben begonnen, nach der genauen Ursache zu suchen. Ausgelöst wurde das Feuer nach Angaben des Forschungszentrums durch einen Kurzschluss. Warum es dazu kam, ist noch unklar. "Sobald der Brandort begehbar ist, werden wir zeitnah die Ermittlungen vor Ort aufnehmen", sagte eine Sprecherin der Polizei in Darmstadt.

Was bedeutet das Feuer für die Wissenschaft?

Nach dem Großbrand ist derzeit kein Experimentierbetrieb mit einem Teilchenbeschleuniger möglich. Vom Brand sei das Gebäude des bestehenden Beschleunigers stark betroffen, teilte das GSI Helmholtzzentrum mit. "Unser Fokus liegt darauf, die Folgen des Brandes schnellstmöglich zu bewältigen und den Forschungsbetrieb wiederaufnehmen zu können. Wir werden alle notwendigen Schritte einleiten, um die Kontinuität unserer Arbeit zu sichern", heißt es in einer Mitteilung.

Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Martin Keller, sprach von einem "Rückschlag für die Helmholtz-Gemeinschaft, den Forschungsstandort Deutschland und nicht zuletzt für die internationale Wissenschaftscommunity". Unter dem Dach der Helmholtz-Gemeinschaft arbeiten 18 Forschungszentren.

Der hessische Forschungsminister Timon Gremmels (SPD) sprach am Donnerstag von einem "schwarzen Tag" für den Forschungsstandort. Der Termin für einen Probelauf des neuen Teilchenbeschleunigers, der für Dezember geplant sei, sei nach jetzigem Kenntnisstand nicht mehr zu halten, sagte Gremmels. Welche Auswirkungen das Feuer auf das Großprojekt habe, müsse abgewartet werden. "Wir machen eine Schadensanalyse", sagte eine Sprecherin des GSI Helmholtzzentrums am Freitag. Wie lange das dauert, sei unklar.

Wozu braucht die Wissenschaft Teilchenbeschleuniger?

Die Beschleuniger sind quasi Riesenlabore. In ihnen werden Teilchen in Strömen nahezu mit Lichtgeschwindigkeit auf Kollisionskurs geschickt, um so Zustände zu schaffen, die es auf der Erde nicht gibt. Die Forschungen betreffen unter anderem die Entstehung des Universums. Sie können aber auch bei der Entwicklung von Krebstherapien oder bei der Entdeckung neuer Elemente helfen. Mit der neuen unterirdischen Anlage auf dem Darmstädter Gelände sollen die Kapazitäten für die Wissenschaft deutlich erhöht werden.

In dem Beschleunigungsring mit einem Umfang von 1,1 Kilometern werden Ionen, also elektrisch geladene Atome, von gigantischen Magneten im Zaum gehalten und erreichen dann in einem Vakuum fast Lichtgeschwindigkeit, also knapp 300.000 Kilometer pro Sekunde. Mehrere Länder finanzieren den Bau und Wissenschaftler aus Dutzenden Ländern sollen hier künftig forschen.

Quelle: dpa

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