HessenBündnis fordert bessere Bedingungen für Kinder in Hessen

Ein Aktionsbündnis verlangt verbindliche Standards für die Kinder- und Jugendhilfe in Hessen. Ein Problem sind fehlende Fachkräfte.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Ein neues Aktionsbündnis aus 22 Organisationen setzt sich für bessere Bedingungen in Hessens Kinder- und Jugendhilfe ein. Nach Angaben des Bündnisses sind rund 95.000 junge Menschen auf ambulante oder stationäre Hilfe angewiesen. Überlastete Jugendämter, fehlende Fachkräfte und unterschiedliche Standards gefährdeten die Qualität der Unterstützung, kritisiert das 2026 gegründete "Aktionsbündnis Kindeswohl in Hessen".
Forderungen für bessere Betreuung junger Menschen
"Kindeswohlgefährdungen erreichen jährlich neue Höchststände. Wir haben ein Problem", sagte Felix Blaser, Vorstand der Evangelischen Stiftung Arnsburg, bei einer Pressekonferenz in Wiesbaden. Zu den Problemen gehöre, dass Plätze für eine Inobhutnahme fehlten und die Vermittlung betroffener Kinder schwierig sei. Zudem würden die Problemlagen von jungen Menschen und Familien komplexer – das erfordere individuell angepasste Hilfen.
In den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt das Bündnis fünf Forderungen: So sollten Kommunen und Träger beim Kindeswohl enger und verbindlicher zusammenarbeiten. In stationären Wohngruppen sollten während der Kernzeiten grundsätzlich zwei pädagogische Fachkräfte gleichzeitig im Einsatz sein.
Außerdem verlangt das Bündnis passgenauere Hilfen, damit Kinder und Jugendliche nicht mehrfach die Einrichtung wechseln müssen. Für ambulante Hilfen solle es landesweit verbindliche Qualitäts- und Finanzierungsstandards sowie eine Schiedsstelle geben. Schließlich fordert das Bündnis gleiche Chancen auf Bildung, Teilhabe und Unterstützung – unabhängig davon, in welcher Kommune ein Kind lebt.
Tausende Fachkräfte fehlen
Besonders dringend sei die Personalsituation: Bis 2030 könnten in der hessischen Kinder- und Jugendhilfe rund 19.000 Fachkräfte fehlen, hieß es unter Berufung auf aktuelle Untersuchungen. "Uns ist bewusst, dass die notwendigen Ressourcen in den kommenden Jahren nicht üppig sein werden", sagte Klaus Friedrich, Geschäftsführer der EVIM gGmbH. "Uns geht es darum, das System grundsätzlich neu zu denken."
Das Aktionsbündnis will seine Forderungen nun gegenüber Politik, Kommunen und Fachgremien durchsetzen. Ziel sei es, die Betreuung zu verbessern und sicherzustellen, dass sich die Unterstützung am Bedarf der Kinder und Jugendlichen orientiere.