HessenFriedberg als ein Standort für neuen Wehrdienst im Blick

Noch ist keine Stationierung entschieden, doch Friedbergs Ray Barracks stehen im Fokus: Das Verteidigungsministerium will hier und an weiteren Standorten Platz schaffen für die Soldaten-Ausbildung.
Friedberg/Berlin (dpa/lhe) - Um Platz zu schaffen für die Ausbildung von Soldaten, sollen an bundesweit fünf Standorten vorbereitende Schritte in die Wege geleitet werden – darunter auch im hessischen Friedberg. Betroffen sind die ehemaligen Ray Barracks mit dem US-Übungsplatz im Friedberger Stadtteil Ockstadt, wie das Bundesverteidigungsministerium in Berlin mitteilte.
Die Nutzungsabsicht für den hessischen Standort verfestige sich, so das Ministerium. Die nächsten Schritte sollten wie für andere Standorte im Bundesgebiet in einer entsprechenden Absichtserklärung (Letter of Intent) festgehalten werden, auf deren Grundlage die Wiedernutzung der Liegenschaft erfolgen solle. Mit Blick auf die Ray Barracks müssten dabei einige Besonderheiten berücksichtigt werden, da dieser Standort aktuell noch anders genutzt werde.
Nutzung der Ray Barracks 2007 aufgegeben
Die US-Army hatte die Nutzung der Ray Barracks 2007 aufgegeben und die Flächen an den Bund zurückgegeben. Nach Angaben der Stadt umfasste das einstige militärische Quartier Gemeinschafts- und Infrastruktureinrichtungen wie unter anderem ein Kino und ein Theater, einen Supermarkt, eine Sport- und Fitnesshalle. Mittlerweile befänden sich auf dem Areal diverse Unterkunfts- und Verwaltungsgebäude sowie Werkstatt- und Wartungshallen. Berühmt wurden die Ray Barracks vor allem durch Rock 'n' Roll-Legende Elvis Presley, der von Oktober 1958 bis März 1960 hier seinen Wehrdienst ableistete.
Die Stadt hatte das rund 74 Hektar große Gelände eigentlich in ein eigenständiges Quartier mit Wohnen, gewerblicher Nutzung, Mischgebieten sowie Angeboten zur Nahversorgung umwandeln wollen.
Friedberg sieht noch Spielraum für Stadtentwicklung
Nach den Worten von Vertretern der Stadt Friedberg befinden sich die Gespräche mit der Bundeswehr "in der Anlaufphase". Ein großer Teil des Geländes der Ray Barracks der Stadt solle für die neuen Wehrdienstleistenden vorbereitet werden, so Friedbergs Bürgermeister Kjetil Dahlhaus, Stadtverordnetenvorsteher Bernd Wagner (CDU) sowie die Erste Stadträtin Christine Diegel in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Wir sind zuversichtlich, dass ein Teil des Geländes noch für die ursprünglich geplante Stadtentwicklung verbleibt und genutzt werden kann."
Aktuell gebe es "noch mehr offene Fragen als geklärte", etwa was Zuwegung und Infrastruktur, Wasser- und Energieversorgung, Wohnraum, Bedarf an Schul- und Kindergartenplätzen sowie "die Integration der Bundeswehr in unser Stadtleben" betreffe. Die offenen Themen würden in den kommenden Gesprächen erörtert und Lösungswege gefunden. "Die nächsten Schritte werden zeitnah in entsprechenden Absichtserklärungen, dem Letter of Intent festgehalten", so die Vertreter aus Friedberg.
Ministerium: Landbeschaffungsverfahren notwendig
Vom Ministerium hieß es, anknüpfend an die Absichtserklärung müssten kurzfristig Landbeschaffungsverfahren eingeleitet werden, um die geplanten Ausbildungskapazitäten schaffen zu können. Die Liegenschaften gingen dadurch wieder in eine militärische Nutzung sowie in den Besitz des Bundesverteidigungsministeriums über. Damit sollten rechtzeitig die Voraussetzungen für eine künftige Nutzung geschaffen werden. "Eine Stationierungsentscheidung ist damit noch nicht verbunden", so das Ministerium. Neben Friedberg sind von den Plänen auch diese Standorte betroffen:
die ehemalige Kurpfalz-Kaserne im rheinland-pfälzischen Speyer
die ehemalige Unteroffizier-Krüger-Kaserne inklusive des ehemaligen Standortübungsplatzes in Kusel (ebenfalls Rheinland-Pfalz),
die ehemalige Graf-Stauffenberg-Kaserne, einschließlich des ehemaligen Standortübungsplatzes in Sigmaringen (Baden-Württemberg)
die ehemalige Kanaal-van-Wessem-Kaserne in Soest in Nordrhein-Westfalen