HessenGefälschte MPU-Gutachten: Angeklagte gesteht im Prozess

Im Prozess um gefälschte MPU-Gutachten legt die Betreiberin einer Beratungsstelle ein Geständnis ab. Wie sie und ihre Mittäter vorgegangen sein sollen.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die frühere Betreiberin einer Beratungsstelle für Medizinisch-Psychologische Untersuchungen (MPU) hat vor dem Frankfurter Landgericht gestanden, ihren Kunden gefälschte Unterlagen beschafft zu haben. "Ich bin da reingerutscht", sagte die 43-Jährige beim Prozessauftakt. Laut Anklage handelte es sich bei den Unterlagen um gefälschte Gutachten, Abstinenznachweise sowie Bestätigungen für Erste-Hilfe-Kurse und Sehtests. Die Angeklagte soll gemeinsam mit Mittätern gehandelt haben, insgesamt werden ihr 100 Fälle vorgeworfen, begangen in den Jahren 2022 bis 2025.
So sollen Fälscher entscheidende Passagen in MPU-Gutachten ihrer Kunden umformuliert haben. Dafür sollen die Kunden 3.000 Euro gezahlt haben. Für 2.500 Euro sollen sie gefälschte Nachweise über angeblich negative Ergebnisse bei Haar- und Urinkontrollen erhalten haben, die sie bei den Begutachtungsstellen vorlegen konnten.
Die falschen Leute
Die Angeklagte berichtete, sie habe in der im Jahr 2020 von ihr übernommenen Beratungsstelle in Frankfurt zunächst ordnungsgemäß gearbeitet. "Dann habe ich die falschen Leute kennengelernt", berichtete sie. An einer früheren Begutachtungsstelle in Hanau sei ihr damals die Beschaffung von gefälschten Unterlagen angeboten worden. Dieses Angebot habe sie an ihre Kunden weitergeleitet - etwa wenn deren Gutachten negativ ausgefallen seien oder sie für einen Abstinenznachweis nicht auf Alkohol oder Drogen hätten verzichten wollen. "Dafür waren sie bereit zu zahlen", so die Frau.
Nach der bisherigen Planung will die Große Wirtschaftsstrafkammer Mitte Oktober ihr Urteil verkünden.
Mit einer MPU wird die Fahreignung von Menschen überprüft, wenn an dieser Zweifel bestehen. Um die Fahrerlaubnis wieder zu erhalten, muss ein positives Gutachten vorgelegt werden.