Hessen"Hessen schmeckt": Land fördert regionale Lebensmittel

Hessens Agrarminister Jung fordert "mehr Heimat auf dem Teller". Produzenten regionaler Lebensmittel sollen besser unterstützt werden. Vertreter der Opposition sehen das Förderprogramm kritisch.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Damit mehr hessische Produkte auf den Tisch kommen, will das Land die Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Lebensmittel mit Millionen Euro fördern. Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) kündigte in einer Regierungserklärung an: "Wir starten diese Woche eine neue Investitionsförderkampagne unter den Titel "Hessen schmeckt"." Im schon begonnenen Jahr 2026 würden dafür 2,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, 2027 dann etwas mehr als 4 Millionen Euro.
Regionale Lebensmittel sicherten nicht nur die Versorgung, sondern stärkten zugleich Landwirtschaft, Handwerk und ländliche Regionen in Hessen, erklärte der Minister. "Es soll einfacher werden, Fleisch, Milch und Getreide ohne weite Transportwege zu verarbeiten." Dafür gebe es ein neues Förderangebot für die nötigen Investitionen: ohne viel Bürokratie, ohne unnötige Auflagen. Nur "hessisch" müsse es sein. "Wir unterstützen unsere Landwirte dabei, verstärkt für einen heimischen Markt zu produzieren."
Land will bei seinen Veranstaltungen Vorbild sein
Zudem habe Hessens Kabinett einen Beschluss gefasst, dass es im Sinne eines Vorbildes auch bei Veranstaltungen des Landes "echte regionale Produkte" geben solle. Zwar könnten rechtlich nicht einzelne Betriebe immer bevorzugt werden - durchaus aber die "Art von Produkten", sagte der Winzersohn. Der hiesige "Lebensmittelpatriotismus" müsse mehr gepflegt werden. Jung betonte: "Wir müssen mehr stolz darauf sein, was wir haben in Hessen." Da gebe es Nachholbedarf.
Minister findet Südtiroler Produzenten "sehr clever"
Südtirol etwa sei schon weiter: "Die machen das sehr clever, uns Dinge als Regionalität zu verkaufen, die teilweise aus Hessen kommen." Beispielsweise beim Südtiroler Speck, für den laut Jung die Schweine gar nicht so selten aus Nordhessen stammen: "Wir fahren dann darunter, kaufen in Südtirol Speck ein und fahren es wieder zurück nach Hessen." Echte Regionalität und Nachhaltigkeit sähen natürlich anders aus.
AfD: "Hessische Häppchen" ersetzen keine Politik
Der AfD-Abgeordnete Pascal Schleich warf der Landesregierung vor, zu wenig für die Stärkung heimischer Betriebe unternommen zu haben. "Wer heute mehr Regionalität verspricht, muss erklären, warum unter CDU-geführten Landesregierungen gleichzeitig so viele regionale Strukturen verschwunden sind", sagte er. In den vergangenen zehn Jahren seien rund zehn Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe verloren gegangen.
Auch immer mehr Bäckereien, Metzgereien und Dorfläden verschwänden aus hessischen Gemeinden, erklärte Schleich. Ein Förderprogramm ersetze keinen Schlachthof. "Und ein Empfang mit hessischen Häppchen ersetzt keine Politik, die die Betriebe im Alltag tatsächlich entlastet."
FDP: Kampagne hat wenig mit Realität zu tun
Das Vorhaben von Jung sei keine Antwort auf die zentralen Probleme der Landwirte, sagte die FDP-Fraktionsvorsitzende Wiebke Knell und schlug vor, sämtliche landesrechtlichen Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten im Agrarbereich auslaufen zu lassen. "Landwirte müssen viel zu viel Zeit vor Papierbergen verbringen. Die Politik muss den Betrieben mehr Vertrauen schenken, anstatt sie immer mehr zu belasten."
Knell warf Minister Jung vor, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zu romantisieren: "Die Inszenierung der Kampagne "Hessen schmecken" hat wenig mit der Realität zu tun. Diese Branche ist ein Knochenjob. Dass der Minister sie zur politischen Folklore macht, ist einfach nur befremdlich und wird der harten Arbeit unserer Landwirte nicht gerecht."