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HessenIm Dienste der Demokratie - genug Helfer bei Kommunalwahlen?

15.02.2026, 04:31 Uhr
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Wahlvorgänge überwachen und Ergebnisse auszählen: Bei Hessens Kommunalwahlen in einem Monat sind Tausende freiwillige Helfer nötig. Haben sich genügend gemeldet? Was sind ihre Motive?

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Demokratie gerät unter Druck, radikalere Kräfte werden stärker, heißt es oft. Wirkt sich das womöglich nicht nur auf die Ergebnisse von Wahlen, sondern auch auf ihre Organisation aus?

Manche Gemeinden in Hessen berichten aktuell von einem gestiegenen Interesse am ehrenamtlichen Job als Wahlhelfer bei den Kommunalwahlen in am 15. März. Landesweit werden viele Tausend helfende Hände gesucht.

Birgit Pfirrmann etwa, die Wahlleiterin der Stadt Idstein im Rheingau-Taunus-Kreis, hat nach eigenen Worten "den Eindruck, dass sich mehr Wahlhelfer melden. Erstmalig war das bei der Bundestagswahl 2025 festzustellen." Für den Wahlsonntag brauche Idstein rund 320 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, plus nochmals circa 100 ab dem Folgetag für die Auszählung. Laut einer Stadtsprecherin haben sich nach Hinweisen in klassischen und sozialen Medien bereits genügend Helfer gemeldet - auch als Ersatz, falls es Krankheitsausfälle gibt.

Wahlhelferin: Mehr Interesse an Unterstützung der Demokratie

Eine Wahlhelferin in Idstein, die ihren Namen nicht nennen will, sagt: "Ich erkläre mir das gewachsene Interesse, Wahlhelfer zu sein, mit dem Dienst an der Demokratie." Das Funktionieren der Demokratie sei nicht mehr selbstverständlich, etliche Bürgerinnen und Bürger wollten sie daher unterstützen - "und dafür braucht man auch nicht in einer Partei zu sein".

Auch Pfungstadt hat alle Helfer beisammen

In Pfungstadt im Kreis Darmstadt-Dieburg sind ebenfalls bereits alle rund 160 Wahlhelfer gefunden, wie die Stadt mitteilt. "Es melden sich durchaus mehr Helfer und Helferinnen im Vergleich zu vergleichbaren Wahlen zuvor", erklärt auch hier ein Sprecher. Das Erfrischungsgeld liegt in Pfungstadt bei 50 Euro für Wahlvorsteher und bei 30 Euro für die übrigen Mitglieder des Wahlvorstands.

Auch die Landeshauptstadt Wiesbaden teilt mit: "Mit der Bundestagswahl 2025 ist die Bereitschaft und das Interesse am Wahlehrenamt gestiegen." Das habe sich bei der Wiesbadener Oberbürgermeisterwahl 2025 gezeigt und lasse sich auch bei den Kommunalwahlen im März erkennen. Dabei würden rund 2.500 Wahlhelfer in Wiesbaden eingesetzt. "Alle Positionen sind aktuell besetzt."

EU-Ausländer dürfen ebenfalls Kreuzchen machen

Bei den hessischen Kommunalwahlen geht es um die Mandate in den 21 Kreistagen sowie den kommunalen Parlamenten von 421 Städten und Gemeinden. Zudem sind für den 15. März die Wahlen der Ausländerbeiräte und rund ein Dutzend Bürgermeisterwahlen geplant. Wahlberechtigt ist jeder EU-Bürger, der bereits seinen 18. Geburtstag gefeiert hat.

Manche Kommunen sind auch noch auf der Suche nach ihren restlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfern. Mehrere Gemeinden locken mit kleinen Geschenken. Grundsätzlich bekommen Wahlhelfer ein sogenanntes Erfrischungsgeld als Aufwandsentschädigung. Reich werden sie damit nicht.

Hessens größte Stadt Frankfurt benötigt rund 7.000 ehrenamtliche Wahlhelfende, darunter etwa 4.000 aus städtischen Ämtern und Betrieben. Es gelte, 378 Sonntagswahlvorstände, 200 Briefwahlvorstände und 193 Auszählungswahlvorstände zu bilden, teilt das Wahlamt mit. Man befinde sich auf einem guten Weg, sagt Stefan Köster, Leiter der Geschäftsstelle Wahlen der Stadt. "Aktuell sind wir annähernd komplett besetzt."

"Erfahrungsgemäß ist die Bereitschaft, bei den Kommunalwahlen ein Ehrenamt zu übernehmen, etwas geringer als bei anderen Wahlen", erklärt Köster. Das könne mit dem komplexeren Wahlrecht zusammenhängen und der Zahl der auszuzählenden Wahlen - etwa mit der Kür der Stadtverordnetenversammlung, der Ortsbeiratswahl und der Wahl des Ausländerbeirats. Auch wegen der Größe der Stimmzettel sei die Ergebnisermittlung wesentlich aufwendiger.

Noch 100 fehlende Helfer in Kassel

In Kassel fehlen nach Angaben der Stadt noch etwa 100 der rund 2.100 nötigen Wahlhelfer. "Neben Aufrufen über die Social-Media-Kanäle der Stadt erfolgt die Ansprache auch über Tageszeitungen", erläutert eine Sprecherin. Einen Online-Aufruf an der Universität Kassel habe es ebenfalls gegeben.

In Eschwege im Werra-Meißner-Kreis fehlen noch etwa 20 der rund 180 benötigten Wahlhelfer. Die Stadt sucht neben anderen Kanälen auch über digitale Infosäulen beim Rathaus nach den restlichen helfenden Händen.

Dienst als Wahlhelfer ist Bürgerpflicht

Erfahrungsgemäß meldeten sich insgesamt nur sehr wenige Wahlberechtigte freiwillig dafür, erläutert eine Sprecherin in Eschwege. "Zudem müssen bei jeder Wahl deutlich mehr Personen angeschrieben werden als tatsächlich benötigt werden, da es regelmäßig zu Absagen kommt." Häufig bestehe Unklarheit darüber, dass es sich bei der Tätigkeit als Wahlhelfer um ein gesetzlich geregeltes Ehrenamt handele, zu dem grundsätzlich jeder Wahlberechtigte verpflichtet sei.

Nur wenige neue Freiwillige in Darmstadt

Rund 1.400 Wahlhelfer werden in Darmstadt gebraucht. "Bisher fehlen uns vor allem noch Personen, die uns als Nachrücker für Ausfälle unterstützen würden", sagt ein Sprecher der Stadt. "Den Großteil der Wahlhelfenden haben wir aus einem bestehenden Pool von Freiwilligen berufen."

Gießen nimmt noch Bewerbungen für Reserveliste entgegen

Auch in Gießen haben sich nach Angaben einer Stadtsprecherin zwar ausreichend freiwillige Wahlhelfer gemeldet. Für eine Reserveliste im Falle kurzfristiger Krankmeldungen am 15. März würden aber noch Bewerbungen entgegengenommen.

In Fulda fehlen laut Stadtverwaltung noch etwa 100 verbindliche Zusagen für die Arbeit von insgesamt 1.400 Wahlhelferinnen und Wahlhelfern. Die Kommune zeigt sich zuversichtlich, dass alle Positionen rechtzeitig besetzt werden.

Erfrischungsgeld und freier Tag

Wie hoch ist das Erfrischungsgeld? In Frankfurt erhalten die Ehrenamtlichen nach städtischen Angaben je nach Funktion eine Aufwandsentschädigung von bis zu 90 Euro. Zudem gewähren die Kommune und teils auch andere Arbeitgeber eigenen Mitarbeitern einen freien Tag für ihren besonderen Dienst an der Gemeinschaft am Wahlsonntag.

Kassel zahlt 35 bis 50 Euro Erfrischungsgeld. "Hinzu kommen Aufwandsentschädigungen für die Teilnahme an Schulungen und die Abholung von Wahlunterlagen", führt eine Sprecherin aus. Außerdem gebe es einen Museumsgutschein sowie die kostenlose Nutzung des ÖPNV am Wahlsonntag.

In Eschwege herrscht nach Angaben der Kommune etwas mehr Bescheidenheit - mit einem Erfrischungsgeld von 25 bis 35 Euro.

"Und man lernt nette neue Leute aus seiner Umgebung kennen"

Laut einem Sprecher der Stadt Darmstadt beträgt das Erfrischungsgeld hier zwischen 25 und 50 Euro. Ein paar Extras gibt es auch hier: "Wir statten die Wahlvorstände am Wahltag mit Süßigkeiten aus und lassen ihnen nach jeder Wahl ein kleines Geschenk als Dankeschön zukommen - und man lernt nette neue Leute aus seiner Umgebung kennen", erklärt der Sprecher.

50 bis 60 Euro Erfrischungsgeld gibt es in Gießen sowie 50 bis 70 Euro in Idstein nach Angaben der Stadtverwaltungen. Maximal 70 Euro sind es in Fulda - plus Getränke und ein kleines Verpflegungspaket, wie ein Stadtsprecher erklärt. Viele Engagierte schätzten die Möglichkeit, aktiv die Organisation der Wahl zu unterstützen "und einen Blick hinter die Kulissen des Wahlgeschehens zu erhalten".

Ehrung und Wertgutschein für fleißige Helfer in Maintal

In Maintal im Main-Kinzig-Kreis gibt es laut einer Sprecherin neben dem Erfrischungsgeld nach mindestens fünfmaligem Wahldienst außerdem eine Ehrung und einen Wertgutschein.

Quelle: dpa

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