Regionalnachrichten

SachsenWie ein Pegauer Paar Sachsens erstes Landesprinzenpaar wurde

15.02.2026, 04:02 Uhr
Desiree-und-Simon-Kremers-sind-das-62-Pegauer-Prinzenpaar-und-vertreten-ganz-Sachsen

Geplant war das nicht: Das Pegauer Ehepaar wollte nur Prinzenpaar in der Heimat sein. Nun repräsentieren sie ganz Sachsen - mit viel Leidenschaft, Familienrückhalt und närrischer Begeisterung.

Pegau (dpa/sn) - Sie wollten ihre Heimatstadt südlich von Leipzig repräsentieren - plötzlich vertreten sie ganz Sachsen: Désirée und Simon Kremers sind das erste Landesprinzenpaar des Freistaats. Geplant war das nicht.

Vom Heimatprinzenpaar zum Landesamt

"Wir wollten das 62. Prinzenpaar aus Pegau sein und die Faschingsaison einfach genießen", sagt Désirée Kremers. Doch dann stehen sie in Oelsnitz im Vogtlandkreis nach Vortanzen und Vorstellung mit zwei anderen Paaren auf der Bühne zur Entscheidung. Platz drei wird aufgerufen. Platz zwei. Und mit einem Mal wird klar: Sie sind es.

"Damit hat eine ganz besondere Reise begonnen", erinnert sich die 41-Jährige an den Moment, als ihnen Scherpen, Orden und der "Kelch des Frohsinns" als Zeichen ihres Amtes überreicht werden. Seitdem tragen Désirée I. und Simon I. vom Pegauer Karneval-Klub ihre dunkelgrünen, goldverzierten Kostüme - und vertreten damit die 186 Vereine des Verbands Sächsischer Carneval im Freistaat.

Leidenschaft für die fünfte Jahreszeit

"Wir leben Karneval schon auf eine ganz besondere Art und Weise. Wir haben da wirklich Bock drauf", sagt Simon Kremers. In Pegau werde die fünfte Jahreszeit mit besonderer Leidenschaft gelebt. Genau diese Begeisterung wollten sie nun weitertragen.

Für ihre Regentschaft nehmen beide sogar Elternzeit - vier Wochen sie, etwas mehr als drei er. "Die Entscheidung dafür, Elternzeit zu nehmen, war jetzt keine schwere Entscheidung", sagt Simon Kremers. Um das Amt mit der nötigen Intensität ausüben zu können, hätten sie sich bewusst Freiräume schaffen wollen. Weder Beruf noch Familie sollten darunter leiden.

Kennengelernt im Karneval

Dass Karneval für die beiden mehr ist als ein saisonales Ehrenamt, zeigt auch ihre eigene Geschichte. Kennengelernt haben sie sich vor Jahren im närrischen Trubel in Leipzig. "Im späteren Verlauf des Abends sind wir uns dann über die Füße gestolpert", erinnert sich Simon Kremers.

Der 35-Jährige wuchs am Niederrhein nahe Düsseldorf auf - einer Region, in der Karneval tief verwurzelt ist. Was ihn dort schon als Kind faszinierte, erlebt er heute auch in Sachsen wieder. "Es ist einfach eine besondere Ausgelassenheit, weil alle ganz anders aussehen durch die Verkleidung", sagt er. Dadurch würden Unterschiede im Alltag verblassen - man sei "so ein bisschen gleicher untereinander".

Auch die Rolle selbst verändert etwas. Wenn Désirée Kremers ihr Kleid anlegt, sei das jedes Mal ein besonderer Moment. "Ich fühle mich dann auf jeden Fall wie eine Prinzessin. Man steht viel aufrechter, man läuft ganz anders", sagt sie. Geschminkt, frisiert, mit Schärpe und Orden fühle sie sich "wirklich immer wieder gut".

Empfang in Berlin, Applaus in Pegau

Zu den bisherigen Höhepunkten ihrer Amtszeit zählen der Besuch im Bundeskanzleramt Anfang Februar und der Empfang bei Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Die größten Gänsehautmomente erlebten sie jedoch in Pegau. Nach einer Veranstaltung sei der Verein noch einmal spontan in Jubel ausgebrochen, als das Prinzenpaar einen Nebenraum betrat. "Ganz ehrlich und ganz spontan - und das war wirklich großartig", sagt Simon Kremers.

Hinter ihnen liegt ein intensives Faschingswochenende mit Jugendfasching, großem Umzug durch Pegau und ausverkauften Abendveranstaltungen in der Schlosshalle. Dazwischen wurden Pfannkuchen und Blumen für den Straßenumzug verpackt, Helfer koordiniert und Orden getauscht. Am Rosenmontag wollen sie noch einmal Kinder in Kindergärten und Schulen besuchen.

Wenn ihre Amtszeit endet, hoffen sie, dass die Menschen ihnen vor allem eines bescheinigen: Echtheit. "Das wäre, glaube ich, das größte Lob", sagt Simon Kremers. Sie wünschten sich einen Karneval, der Menschen zusammenbringt und gemeinsame Momente schafft, über die alle sich freuen können. Gerade in Zeiten, in denen vieles schwer wirke, sei das wichtiger denn je.

Blick nach vorn: Termine und Kulturerbe

Bis zum Ende ihrer Amtszeit stehen noch zahlreiche Termine bei Vereinen im ganzen Freistaat an - von den sächsischen Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport bis zum Präsidententreffen des Verbands.

Gemeinsam mit den ostdeutschen Landesverbänden unterstützt der sächsische Verband zudem den Antrag, das närrische Brauchtum in Ostdeutschland als immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen. Für Désirée und Simon Kremers wäre das ein starkes Signal dafür, dass Karneval mehr ist als Kostüm und Konfetti - nämlich gelebte Gemeinschaft.

Quelle: dpa

Regionales