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HessenSchutz für Igel: Kommunen verbieten nächtliche Mähroboter

03.08.2026, 04:12 Uhr
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Wer nachts den Mähroboter laufen lässt, riskiert verletzte Igel im eigenen Garten. Was hessische Städte und Landkreise unternehmen, um die Tiere zu schützen.

Kassel/Hanau (dpa/lhe) - Igel stehen auf der Roten Liste der Säugetiere Hessens auf der Vorwarnliste. Ihr Bestand geht stetig zurück. Um die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere zu schützen, verbieten immer mehr hessische Städte die Benutzung von Mährobotern in der Nacht.

In Hanau etwa dürfen die Geräte zwischen einer halben Stunde vor Sonnenuntergang und einer halben Stunde nach Sonnenaufgang seit einigen Tagen nicht mehr einsetzt werden. Ziel der Regelung ist es, insbesondere Igel und andere kleine Wirbeltiere besser vor schweren oder tödlichen Verletzungen durch die rotierenden Klingen zu schützen.

"Klares Signal" zum Schutz der Igel in Hanau

"Mit der Allgemeinverfügung wollen wir vor allem ein klares Signal setzen: Der Schutz von Igeln und anderen heimischen Wildtieren ist uns als Stadt wichtig", sagt der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Bei der Umsetzung setzt die Stadt in erster Linie auf die Vernunft der Menschen und die nun verfügte klare rechtliche Regelung.

Von konkreten Plänen zur Überwachung des Verbots etwa durch das Ordnungsamt ist derzeit nicht die Rede. "Wenn uns bekannt wird, dass systematisch gegen das Verbot verstoßen wird, werden wir dem selbstverständlich nachgehen", betont der OB.

Marburg setzt auf Verbot und Prävention

In Marburg gilt ein Nachtfahrverbot für Mähroboter bereits seit Ende 2025. Die Stadt kontrolliert die Einhaltung nach eigenen Angaben insbesondere anlassbezogen, beispielsweise wenn Hinweise eingehen. "Grundsätzlich setzt die Stadt Marburg aber vor allem auf Prävention und Aufklärung", erklärte eine Sprecherin. Oftmals sei Bürgerinnen und Bürgern nicht klar, dass sie mit dem nächtlichen Einsatz von Mährobotern Igel gefährden.

Das Verbot scheint Wirkung zu zeigen. "Die Stadt Marburg führt derzeit keine belastbare Statistik, kann aber bestätigen, dass weniger Meldungen über verletzte/getötete Igel eingehen", sagte die Sprecherin.

Generell seien Igel auf kleinteilige Strukturen aus Hecken, Gebüschen und Versteckmöglichkeiten angewiesen. "Diese Strukturen sind aus der offenen Landschaft durch die Intensivierung der Landwirtschaft zunehmend verschwunden." In Städten mit altem Baumbestand, naturnahen Gärten und Parks seien Igel dagegen in größerer Dichte zu finden. "Daher gehen wir davon aus, dass das Stadtgebiet von Marburg eine relativ hohe Igeldichte aufweist und das nächtliche Mähverbot einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser Populationen leistet."

Landkreis Gießen: Auf Meldungen angewiesen

Als erster Landkreis in Hessen hat der Landkreis Gießen zum 1. Mai dieses Jahres eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen. "Dass solch eine Maßnahme notwendig und sinnvoll ist, wird einem spätestens bewusst, wenn man merkt, wie unwissend viele Mähroboter-Nutzer sind", sagte Carmen Schmidt vom Kreis Gießen. "Leider vertrauen viel zu viele auf die Aussagen der Hersteller, dass ein Sensor im Gerät schlimmes verhindern könne. Dem ist nicht so."

Das Verbot soll dem Kreis zufolge vor allem dämmerungsaktive Wildtiere schützen, die im Garten auf Nahrungssuche sind. Das gelte vor allem für Igel, die nicht flüchteten, sondern sich bei Gefahr zusammenrollten. Aber auch andere geschützte Tiere wie Molche, Kröten oder Salamander seien gefährdet.

"Wir als Behörde sind für 17 Kommunen im Landkreis zuständig", erklärte Schmidt. Da die Nutzung in den Nachtstunden verboten ist, könne eine dauerhafte Kontrolle im ganzen Landkreis nicht durchgeführt werden. "Wir sind deshalb auf Meldungen unserer Bürger angewiesen, die uns solch ein Vergehen melden sollten."

Landkreis Kassel richtet Appell an Besitzer von Mährobotern

Zuletzt hat auch der Landkreis Kassel ein nächtliches Betriebsverbot für Mähroboter verhängt. "Grundsätzlich wissen wir um die Vernunft unserer Einwohner im Landkreis, solche Gartengeräte mit Bedacht zu benutzen", sagte Umweltdezernent Thomas Ackermann. "Jedoch waren die aktuellen Meldungen der Igelnothilfen und anderer Naturschutzverbände erschreckend und in letzter Zeit immer häufiger, obwohl es mittlerweile intelligente Geräte gibt."

Igel und auch viele Amphibien und Reptilien verlören immer mehr an Lebensraum und würden daher immer seltener, erklärte der Kreis. "Diese Allgemeinverfügung ist ein Baustein, der den weiteren Rückgang bedrohter Arten zumindest verlangsamen kann", erläuterte Roman Krettek, Fachdienstleiter der Unteren Naturschutzbehörde. Sie solle auch dazu beitragen, dass den Tieren weniger Leiden und Schmerzen zugefügt wird. Der Kreis appelliert daher an alle Besitzer von Mährobotern, sich an die neuen Regeln zu halten und die Mähroboter entsprechend zu programmieren.

Quelle: dpa

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