HessenMähroboter im Einsatz: Igel sterben leise und qualvoll

Blutige Schnittwunden, fehlende Körperteile: Mähroboter richten im Garten grausame Schäden an. Igel und andere Kleintiere haben kaum eine Chance zu überleben, sagt Wildtierpflegerin Tanja Schäfer.
Mücke/Frankfurt/Kassel (dpa/lhe) - Mähroboter sind für Gartenbesitzer praktisch, für Igel aber eine tödliche Gefahr - besonders wenn sie nachts eingesetzt werden. Die scharfen Messer fügen den Tieren oft schreckliche Verletzungen zu. "Die meisten Tiere überleben das nicht, das ist Fakt", sagt Tanja Schäfer von der Wildtierhilfe Schäfer. Die Station im mittelhessischen Mücke (Vogelsbergkreis) kümmert sich jährlich im Schnitt um 500 Igel. "Mindestens 70 von ihnen kommen mit Schnittverletzungen von Mährobotern zu uns."
Die Verletzungen befänden sich meist im Kopfbereich oder an der Seite des Tieres. "Das heißt, seitlich am Bauch sind sie aufgeschnitten, entweder ist der Kopf gespalten oder die Nase fehlt. Oder es fehlt der Oberkiefer, es fehlt ein Vorderbein, unter dem Hals ist es komplett aufgeschlitzt. Das sind so die typischen Verletzungen, die wir reinbekommen, wenn es ein Mähopfer ist."
Auch kleinere Wunden endeten in der Regel tödlich für die Igel. "Die Fliegen legen sofort Eier in der Wunde ab. Dann wird das Tier von den Maden bei lebendigem Leib aufgefressen", schildert die Wildtierpflegerin.
Zahl der verletzten Tiere steigt
"Es werden jedes Jahr mehr. Je mehr der Geräte auf den Markt kommen, desto mehr verletzte Igel haben wir", sagt sie. "Und die Dunkelziffer ist hoch." Zu den Tieren, die bei Wildtierstationen und Igel-Pflegestellen landeten, kämen etliche weitere hinzu, die unbemerkt verendeten. "Ein Wildtier leidet leise. Würde es schreien, würde es Fressfeinde anlocken", erklärt Schäfer. "Die Tiere werden also oftmals angemäht, sitzen dann irgendwo im Gebüsch, vegetieren vor sich hin und sterben."
Auch viele Singvögel seien betroffen. "Die hüpfen auf der Wiese rum, dann kommt das Ding." Ein Vogel in ihrer Station habe keinen Schnabel mehr gehabt. "Und oftmals bleiben die jungen Vögel auch sitzen. Die sind dann sofort Geschichte."
BUND fordert Nachtfahrverbot
Neben Igeln und Vögeln sind laut Josephin Bruhn vom BUND Hessen auch andere Tiere wie Amphibien gefährdet. "Frösche und Molche etwa können von den Mährobotern getötet werden." Die Geräte hätten oft keine geeignete Sensorik, um Tiere zu erkennen. "Für Igel etwa ist das fatal", erklärt die Naturschutzreferentin. "Sie rollen sich bei Gefahr als Schutzreflex zu einer stacheligen Kugel zusammen und bleiben regungslos liegen. Die Geräte überrollen die Tiere dann einfach."
Der BUND macht sich deshalb für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter stark, wie es mehrere Kommunen in Hessen, darunter die Städte Marburg und Hanau sowie die Landkreise Gießen und Kassel, bereits eingeführt haben. Dort dürfen die Mähroboter zwischen einer halben Stunde vor Sonnenuntergang und einer halben Stunde nach Sonnenaufgang nicht mehr eingesetzt werden. "Wir möchten, dass diese Geräte in der Nacht und in der Dämmerung einfach gar nicht eingeschaltet werden dürfen", sagt Bruhn.
In heißer Jahreszeit sind besonders viele Tiere unterwegs
Ein Nachtfahrverbot sei gut, sagt auch Schäfer. "Aber gerade jetzt in der Hauptwurfzeit der Igel ist die Igelmama auch tagsüber mit den Babys unterwegs. Da fallen natürlich viele der Kleinen dem Mäher zum Opfer." Werde die Mutter getötet, verhungerten die Jungen. Zudem seien gerade in der heißen Jahreszeit noch mehr Tiere auf der Suche nach Wasser unterwegs.
Da helfe es auch nicht, wenn der Mähroboter laut Hersteller sofort anhält, wenn er ein Tier erkennt. "Die Klinge berührt trotzdem einmal das Tier, bis der Mäher anhält. Und diese eine Berührung, die langt schon, um das Tier aufzuschlitzen", erklärt die Wildtierpflegerin. "Ich sage immer zu den Leuten, die einen Mähroboter haben: "Wenn du doch so sicher bist, dann stell dich doch mal mit nackigem Fuß davor." Das macht natürlich keiner." Sie appelliert an die Besitzer der Geräte, diese nur dann einzusetzen, wenn sie anwesend sind und ein Auge auf sie haben können.
Hohe Kosten für Behandlung
Neben dem Leid der Tiere verursachen die Verletzungen durch die Mähroboter hohe Kosten für deren Behandlung. "Die Operation, das Nähen und Wundensäubern, das dauert im Schnitt gute sechs Wochen. Der Igel braucht Medikamente und Futter. Da bin ich mal gut mit 400 bis 500 Euro dabei", rechnet Schäfer vor.
Das stelle die komplett spendenfinanzierte Wildtierhilfe, die Schäfer seit 2014 ehrenamtlich mit Helfern betreibt, zwar vor Herausforderungen. Aber: "Der Igel ist vom Aussterben bedroht und wir wollen halt versuchen, dass er noch ein paar Jährchen auf Gottes Erden weilt."