HessenWarum Vize-Präsident Frank Lortz dem Landtag fehlen wird

CDU-Urgestein Frank Lortz verabschiedet sich nach 44 Jahren aus dem hessischen Landtag. Wie sein ganz persönlicher Stil die Sitzungen prägte.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Wenn Vizepräsident Frank Lortz die Plenarsitzungen im Hessischen Landtag leitet, dann macht er das auf seine ganz eigene Art. Der CDU-Parlamentarier kann zwar auch streng werden, jedoch geht es meist humorvoll und entspannt zu, wenn er auf dem Präsidentenstuhl sitzt.
Für den dienstältesten Abgeordneten steht diese Woche die letzte Plenarsitzung auf der Agenda. Er gibt sein Mandat Ende Oktober ab. Mit 44 Jahren im Parlament zählt er deutschlandweit zu den dienstältesten Landtagsabgeordneten.
Duzen und Fußball als Markenzeichen
Lortz ist ein Unikum im besten Sinne des Wortes. Da ist beispielsweise seine Vorliebe für das Duzen. Im Landtag sollte formal gesiezt werden. Wenn Lortz einen Redner ans Pult bittet, hört sich das aber oft so an: "Das Gesetz wird vom Wirtschaftsminister, Herrn Staatsminister Mansoori, eingebracht. Kaweh, bitte, du hast das Wort."
Vor dem Start der Donnerstagssitzung einer Plenarwoche verliest Lortz traditionell die Fußballergebnisse - zuallererst die der Landtagself. Aber auch Spiele anderer Teams werden gewürdigt, etwa des Bundesligisten Bayern München (Lortz' Favorit) und Eintracht Frankfurt (Lieblingsverein vieler anderer Parlamentarier).
Humor als Entschärfung
"Wenn man ein bisschen Humor hineinbringt, dann kann man auch schwierige Dinge entschärfen", sagt Lortz, der seit 23 Jahren Vizepräsident des Landtags ist. "Ich verstehe mich auch mit allen vernünftig." Man müsse völlig unabhängig von den politischen Meinungen alle fair behandeln, betont der 73-Jährige. "Diese Maxime habe ich mir immer gegeben."
Seine Art der Sitzungsleitung wird nach dem Weggang von Lortz künftig fehlen. "Wenn ein anderer Präsident das so machen würde wie ich, ich glaube, den würden sie festnehmen. Das passt halt auf meine Person", sagt der 73-Jährige. "Das kann ich auch keinem empfehlen, das auch in der Zukunft in irgendeiner Form zu kopieren. Jeder muss seinen eigenen Stil haben."
Erfahrungen aus vier Jahrzehnten
Was hat sich in den 44 Jahren als Abgeordneter verändert? "Das ist jetzt der dritte Plenarsaal, in dem ich sitze", sagt Lortz, der zwölfmal seinen Wahlkreis im südhessischen Seligenstadt gewonnen hat. Und atmosphärisch? "Es ist nicht besser und nicht schlecht, sondern es ist anders." In den 1980er Jahren habe es sehr harte Auseinandersetzungen in der Sache gegeben - aufgrund knapper Mehrheiten. "Trotzdem war immer der persönliche Respekt da. Das war früher so, das ist auch heute noch im Wesentlichen so", sagt Lortz.
Seinen Abschied nimmt der CDU-Politiker nur auf der Landesebene - kommunalpolitisch bleibt er auch weiter aktiv. "Wenn man 44 Jahre lang Mitglied des Landtags war, dann hat man auch das Recht, zu sagen, es langt jetzt langsam", sagt Lortz, der zudem den Weg frei machen möchte für seinen Nachfolger Jürgen Harrer. Er solle die Möglichkeit haben, sich vor der nächsten Landtagswahl als Abgeordneter zu profilieren.
Nicht warten, bis die Menschen den "Simpel" leid sind
Man müsse aus Ämtern gehen, wenn die Leute sagen, "schade, dass er geht", erklärt Lortz. Und nicht erst dann, wenn es heiße: "Es wird Zeit, dass der alte Simpel wegkommt." Diesen Zeitpunkt zu treffen, sei nicht so einfach. "Ich glaube, es ist mir einigermaßen gelungen."
In seinem Heimatort Froschhausen sei Ende Oktober ein politischer Frühschoppen zur Verabschiedung geplant. "Ganz klein", sagt Lortz, der Mitglied in mehr als 60 Vereinen ist. Es haben sich 500 bis 600 Leute angekündigt.