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Mecklenburg-VorpommernKurs digitale Schifffahrt: Autonom und ferngesteuert?

17.06.2026, 16:31 Uhr
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Das klassische Steuerrad auf der Schiffsbrücke könnte in einer digitalen Zukunft wegfallen. Die Schifffahrt von morgen hat schon begonnen, sind sich Experten einer Fachkonferenz einig.

Rostock (dpa/mv) - Digitalisierungsprozesse spielen in der Schifffahrt eine immer wichtigere Rolle. Moderne Sensorik, Assistenzsysteme und digitale Lagebilder unterstützten Besatzungen, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen. Zudem erhöhten automatisierte und autonome Systeme die Sicherheit, teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bei der Fachkonferenz "Neue Technologien und Testfelder für Wasserstraßen und Häfen" in Rostock mit.

Die Tagung wird vom Bundesverkehrsministerium ausgerichtet. Ressortchef Patrick Schnieder (CDU) sagte anlässlich der Tagung, Deutschland sei Vorreiter für die autonome Schifffahrt in Europa und weltweit. "Mehr als 80 Prozent des weltweiten Handels werden über den Seeweg abgewickelt. Gerade für Deutschland als Export- und Importnation ist eine innovative und wettbewerbsfähige Schifffahrt von zentraler Bedeutung."

Praxistest auf der Warnow

Rund 200 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik beraten bis Donnerstag in Rostock über Digitalisierung. "Die Zukunft der Schifffahrt ist digital. Dafür brauchen wir Menschen, die neue Technologien entwickeln. Und wir brauchen Menschen, die diese Technik überwachen und anwenden", so BSH-Präsident Helge Heegewaldt.

Die ersten autonomen Systeme könnten bereits ihre Umgebung automatisch erfassen, definierte Fahrtrouten selbstständig abfahren, Ausweichmanöver durchführen, ferngesteuert betrieben werden sowie automatisierte An- und Ablegemanöver ausführen, hieß es. Im Vorfeld der Konferenz wurden auf dem Fachforum "Autonome Schifffahrt" die Technologien für die Schifffahrt unter realen Bedingungen auf der Warnow getestet und vorgeführt.

Mehr Unabhängigkeit von Satelliten

Von besonderer Bedeutung für autonome Systeme seien exakte Positionsdaten. Zunehmende Störungen von Satellitensignalen in der Ostsee seien eine Herausforderung. Dafür wurde laut BSH aber bereits eine Lösung gefunden. Ein terrestrisches Ranging-Mode-System diene als unabhängige Ergänzung zur Satellitennavigation. Dabei würden bestehende Funksignale von Küstenfunkanlagen genutzt, um Entfernungen zu bestimmen und Schiffspositionen zu berechnen.

Wind, Wellen, Strömung

An Land gehören autonom fahrende Autos etwa in den USA und China längst zum Stadtbild. Auch in mehreren deutschen Städten wird darüber diskutiert. Die Experten wiesen aber bei der Konferenz darauf hin, dass die Bedingungen auf dem Meer ganz andere seien.

Anders als automatisierte Fahrzeuge auf der Straße bewegten sich Schiffe ohne Fahrspuren und feste Verkehrsführung in einem dynamischen Umfeld aus Wind, Wellen, Strömungen und wechselndem Verkehr. Autonome Systeme müssten daher ihre Umgebung kontinuierlich erfassen, Verkehrssituationen bewerten und die internationalen Ausweichregeln der Schifffahrt anwenden.

Quelle: dpa

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