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Mecklenburg-VorpommernLandwirten im Nordosten drohen dunkle Wolken aus Brüssel

11.08.2026, 18:05 Uhr
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Die Erntesaison verläuft normal, trotzdem droht den Bauern in Mecklenburg-Vorpommern Ungemach. Ärger machen regionale Schädlinge, die Konkurrenz am Weltmarkt und Agrarpolitiker in Brüssel.

Schwerin (dpa/mv) - Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern können in diesem Jahr laut Agrarminister Till Backhaus auf eine durchschnittliche Ernte hoffen, müssen aber um Einnahmen und künftige Fördermittel bangen. Die Gerstenernte sei recht gut, der Weizenertrag auf gewöhnlichem Niveau, die Rapsernte hingegen schwach, sagte Backhaus in der Landespressekonferenz. Wirtschaftlich drohe den Agrarbetrieben damit ein schlechtes Jahr, so der Minister. In dem Zusammenhang warnte er vor Förderkürzungen aus der EU.

Da in sechs Wochen ein neuer Landtag gewählt wird, zog der SPD-Politiker auch Bilanz: Insgesamt hätten EU, Bund und Land in der letzten Legislaturperiode etwa drei Milliarden Euro an Mitteln für die Landwirtschaft und die Entwicklung des ländlichen Raums bereitgestellt, sagte er. "Wir hängen aber immens von Europa ab und da ziehen schwere schwarze Wolken auf", sagte Backhaus.

Backhaus erneuert Kritik an geplanter EU-Agrarpolitik

Die Kritik richtet sich gegen die geplante Reform der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Brüssel, wonach ab 2028 größere Betriebe nicht mehr gefördert würden. In Mecklenburg-Vorpommern betrifft dies rund ein Viertel der 4.000 landwirtschaftlichen Unternehmen. Die Direktzahlungen an Landwirte würde damit von aktuell 314 Millionen Euro auf weniger als die Hälfte - 151 Millionen Euro - zurückgehen. "Das ist für uns nicht akzeptabel", sagte Backhaus.

Den Druck auf Brüssel will er über Berlin aufbauen. Immerhin sei Deutschland einer der größten Nettozahler für den EU-Haushalt. Rückendeckung durch die Agrarministerkonferenz habe er, versicherte Backhaus.

Doch Sorgen bereitet den Bauern nicht nur die künftige Ausrichtung der Agrarpolitik in Brüssel, sondern auch die aktuelle Lage am Weltmarkt. Die Einnahmen für Ackerbohne, Futtergerste und Futtererbse sind im zweistelligen Prozentbereich gesunken.

Der Raps wiederum habe eigentlich gute Preise, "aber die Erträge sind schlecht", sagte Backhaus. In diesem Jahr werden die Bauern wohl weniger als 30 Doppelzentner pro Hektar erzielen - in Spitzenjahren waren es mal 42. Das ist ein deutlicher Rückgang.

Schädlingsbefall und Hitze verringern die Ernte

Schuld daran ist Schädlingsbefall. Neben dem Rapserdfloh sei dieses Jahr auch die Kohlschotenmücke ein Problem, sagte eine Sprecherin des Landesbauernverbands Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Presse-Agentur. Sie bohrt die Rapsschoten an und legt ihre Eier hinein. Die daraus schlüpfenden Larven fressen die Rapskörner in der Schote. Mitunter bleiben kaum noch Körner übrig und ein weißliches Gespinst in der Schote. Wenn der Befall zu stark sei, könne der Raps nur noch in der Biogasanlage verwertet werden, sagte die Sprecherin.

Beim Weizen, der in Mecklenburg-Vorpommern die meiste Anbaufläche belegt, könne es Probleme infolge der großen Hitze Ende Juni geben, sagte die Sprecherin. Dies sei genau in der sogenannten Kornbildungsphase passiert - mit der Folge, dass die Weizenkörner klein blieben. Wie die Ernte letztlich ausfallen werde, hänge aber auch noch von aktuellen Niederschlägen ab. Immerhin ist laut Backhaus die Qualität des Weizens gut.

Ukraine-Krieg lässt Weizenpreise steigen

Und während die Bauern unter hohen Preisen für Treibstoffe und Düngemittel als Folgen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten leiden, könnten sie beim Weizen sogar einmal Nutznießer der traurigen aktuellen Entwicklung sein: Denn der verschärfte Seekrieg zwischen den Weizen-Großproduzenten Russland und der Ukraine verwandelt das Schwarze Meer in eine Sperrzone. Getreidelieferungen, die gewöhnlich über die Häfen dort liefen, sind derzeit blockiert. Die Folge: Die Weizenpreise steigen wieder am Weltmarkt.

In MV bleibt der Winterweizen mit rund 295.000 Hektar die wichtigste Anbaukultur des Landes, gefolgt von Winterraps und Wintergerste. Zuwächse verzeichnen dem Verband zufolge Futtererbsen und Ackerbohnen, während die Anbauflächen von Winterroggen, Triticale (Weizen-Roggen-Kreuzung) und Zuckerrüben weiter zurückgehen.

Quelle: dpa

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