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Nordrhein-WestfalenAngeklagter: Wärter haben mich zum Diebstahl angestiftet

11.08.2026, 16:43 Uhr
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Luxus-Sonnenbrille, teure Parfums, Ausgang zu Weihnachten: Wie ein Häftling seine Diebestour vor Gericht begründet.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein 52-jähriger Angeklagter hat vor dem Düsseldorfer Amtsgericht ausgesagt, von Gefängniswärtern zu Ladendiebstählen angestiftet worden zu sein. Er sei zu den Taten aufgefordert worden, sagte der vorbestrafte Dieb. Im Gegenzug seien ihm offener Vollzug und Ausgang über Weihnachten in Aussicht gestellt worden.

Der 52-Jährige wurde am Dienstag zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung wegen Diebstahls verurteilt. Die Staatsanwältin hatte eine 18-monatige Haftstrafe beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

"Ich hatte mich in der JVA Euskirchen gewundert, dass andere schon viel früher in den offenen Vollzug durften als ich", sagte der Angeklagte. Er habe einen Zellengenossen gefragt und dieser habe ihm dann erklärt, wie es laufe.

Nach Aussage des Angeklagten hat ihm unter anderem ein Abteilungsleiter der JVA Euskirchen erklärt, er könne sich Vergünstigungen auch ohne Geld verschaffen. Er habe teure Parfums und Sonnenbrillen der Marken Gucci, Prada und Ray-Ban verlangt.

Bei Diebstahl von Luxus-Sonnenbrille erwischt

"Ich wollte über Weihnachten 2025 und Neujahr bei meiner Familie sein", sagte der Angeklagte. Daher habe er sich darauf eingelassen. Für seine Diebestour habe er am 22. November 2025 mehrere Stunden Ausgang bekommen. Prompt sei er an dem Tag in einem Düsseldorfer Kaufhaus beim Diebstahl einer Luxus-Sonnenbrille im Wert von 252 Euro erwischt worden. Ein Schaden sei dabei nicht entstanden, sagte die Richterin.

Vor Gericht gab der Angeklagte noch vier weitere Diebstähle zu, "bei denen ich nicht erwischt wurde." Davon seien drei Auftragstaten gewesen. In Köln war er auch erwischt worden und steht dort deshalb in der kommenden Woche vor Gericht. Der gelernte Schweißer muss noch bis Dezember 2027 eine andere Haftstrafe verbüßen.

Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt

Auf Anfrage bei der zuständigen Bonner Staatsanwaltschaft sagte Staatsanwalt Jonas Stallmann, ihm seien die Vorwürfe gegen die Vollzugsbeamten bekannt. Dabei sei auch der Name des vom Angeklagten genannten Abteilungsleiters aufgetaucht - aber nicht der Name des Angeklagten.

Anfang Mai waren Korruptionsvorwürfe gegen Justizvollzugsbeamte im Gefängnis von Euskirchen bekanntgeworden, als Polizei und Justiz mit einer Razzia die Justizvollzugsanstalt und Wohnungen durchsuchte.

Die Ermittlungen richten sich gegen acht Justizvollzugsbeamte. Sie stehen im Verdacht, als Gegenleistung für das Gewähren von Hafterleichterungen Vorteile angenommen zu haben. Ermittelt wird auch gegen drei ehemalige Häftlinge der JVA.

Den Inhaftierten sollen demnach im Gegenzug für Zahlungen oder vergleichbare Vorteile verschiedenste Lockerungen des Vollzugs gewährt worden sein, wie etwa Ausgang und Hafturlaube, oder aber Informationen über anstehende Kontrollen.

Quelle: dpa

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