Mecklenburg-VorpommernSegeltörn mit Kokain – "Ein Kilo Gold wäre schon angenehm"

Stundenlang werden im Rostocker Landgericht abgehörte Telefonate abgespielt. Es geht ums Segeln, Autos und Abendessen. Die beiden Angeklagten gelten als "hochgefährdet".
Rostock (dpa/mv) - Im Prozess um eine Segelfahrt mit Kokainladung haben abgespielte Audiodateien aus der Telefonüberwachung Einblicke in das Privatleben der beiden Angeklagten gegeben. Dabei erzählte der 59-jährige Hauptangeklagte unter anderem von seinem Vorhaben, ein oder zwei Kilogramm Gold zu kaufen, und von einem Sportwagen, den er als Wertanlage gekauft hatte. "Das ist so, als wenn Du Geld wegbunkerst", erzählte er einem Freund in einem Telefonat, das am Landgericht abgespielt wurde.
Beim Thema Gold fragte er auch seine Mutter, ob sie jemanden kenne, der Gold verkaufe und nicht daran interessiert sei, woher das Geld stamme. "Ein Kilo wäre schon angenehm." Viel Raum nahmen in den Gesprächen unter anderem die Reparatur und die Ersatzteilbeschaffung für das Segelboot ein, mit dem der 59-Jährige in Begleitung seiner 68-jährigen Frau rund 264 Kilogramm Kokain von Kolumbien nach Europa hatte bringen wollen.
Mit seiner Frau telefoniert er mehrmals am Tag. Beide unterhielten sich über alltägliche Dinge, unter anderem über ein Auto, das zum TÜV muss, oder darüber, was es abends zu essen gibt. "Spaghetti mit Jagdwurst und Spiegelei", sagt sie. Beide nennen sich "Schatz". Einmal erzählt die Frau, dass sie einen Barbetrag von 9.800 Euro auf ein Konto eingezahlt habe.
Mit Handschellen und Fußfesseln
Wie an den Verhandlungstagen zuvor wurde der Prozess von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Im Saal saßen mehrere Justizvollzugsbeamte sowie maskierte Polizeibeamte. Im Zuschauerbereich waren dagegen nur zwei Besucher. Vor dem Saal waren Sicherheitsschleusen installiert.
Der Angeklagte trug während der Sitzung Handschellen, seine Frau Fußfesseln. Beide gelten laut Staatsanwaltschaft als "hochgefährdet". Sie werden vor möglichen Bedrohungen aus dem Milieu der Organisierten Kriminalität geschützt.
Das Duo, das aus der Nähe von Rostock kommt, stach am 4. Juli 2025 von der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena mit Kurs auf Europa in See. An Bord hatte der Angeklagte rund 264 Kilogramm Kokain versteckt, die ihm seine Kontaktleute vor Ort in Einkaufstüten brachten.
Das Rauschgift war in wasserdichten Säcken verpackt und unter anderem unter dem Kajütenbett versteckt. Die Segeljacht wurde am 8. August von der portugiesischen Polizei im Atlantik in der Nähe der Azoren gestoppt. Die Beamten stellten die Drogen sicher und nahmen das Paar fest.