Mecklenburg-VorpommernWindiges Herbstwetter verzögert Sicherung von Hafenkran

Der Ausleger des Rostocker "Hochzeitskrans" droht auf ein großes Wohnhaus zu stürzen. Die Bewohner müssen das Wochenende anderswo verbringen. Wann kann der schadhafte Kran gesichert werden?
Rostock (dpa/mv) - Der einsturzgefährdete historische Kran am Rostocker Hafen kann vorerst nicht gesichert werden. Es seien Spezial-Schwerlastkräne erforderlich, teilte Stadtsprecher Ulrich Kunze mit. Ob und wann diese eingesetzt werden könnten, hänge insbesondere von den Witterungsverhältnissen ab. "Aufgrund der vorherrschenden und vorhergesagten Windstärken ist ein Einsatz am Wochenende wahrscheinlich nicht möglich", erklärte der Sprecher. Der Verwaltungsstab der Stadt werde am Sonntag über das weitere Vorgehen entscheiden.
Der Großkran aus DDR-Zeit ist ein industrielles Wahrzeichen auf dem Gelände der ehemaligen Neptunwerft in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Der TÜV stellte nach Angaben der Feuerwehr einen Riss an einer Strebe fest. Diese Strebe drohe zu zerreißen, sagte am Freitag der Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr, Ralf Gesk. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Kranausleger herunterfalle.
Feuerwehr, Polizei, Hilfskräfte und technische Sachverständige sind seit Freitagnachmittag im Einsatz. Der Gefahrenbereich wurde weiträumig abgesperrt. Betroffen ist ein großes Gebäude mit vier Hauseingängen an der Hellingstraße. Die Bewohner der 44 Wohnungen und die Nutzer von 15 Gewerbeeinheiten mussten das Gebäude verlassen. Das unweit gelegene Neptun-Einkaufszentrum sei nicht betroffen. Es sei auch niemand zu Schaden gekommen, hieß es.
Ausleger kann nicht geschwenkt werden
Am Freitagabend hatten die Einsatzkräfte die Bruchstelle mit einer Drohne untersucht, die mit einem Scheinwerfer ausgerüstet war. Die Beratungen drehten sich auch darum, wie der Kranausleger kontrolliert abmontiert werden kann. Das wird laut Feuerwehr nicht vor Montag passieren können. Der Kran selbst ist fest fixiert. Der Ausleger kann nicht geschwenkt werden.
Eine Sporthalle in der Nähe wurde als Notunterkunft eingerichtet. Die Bewohner der evakuierten Wohnungen seien bei Angehörigen, Freunden und Bekannten untergekommen. Auch der Vermieter, eine Wohnungsgenossenschaft, habe seine Unterstützung zugesichert, so Kunze.
Events und Hochzeiten
Der Schiffbaukran war 1976 beim VEB Verlade- und Transportanlagen Leipzig gebaut und an der Warnow errichtet worden. Seitdem prägt er das Stadtbild mit. Bis 2024 war er auf dem Gelände der ehemaligen Werft umgebaut worden - für rund zwei Millionen Euro. Neu eingebaut wurde der Aufzug, der den Weg über die 136 Stufen der außen liegenden Wendeltreppe erspart.
Das technische Denkmal wurde nach der umfassenden Sanierung seit dem vorigen Jahr auch als Eventlocation unter anderem für Hochzeiten genutzt - als offizielle Außenstelle des Standesamtes. Die Zeremonien finden im ehemaligen Maschinenraum des Krans statt, der dem Förderverein Tradition Ostseeschifffahrt gehört.
40 Tonnen schwere Schiffsbauteile
Der ehemalige Maschinenraum im Kran bietet auch Platz für Veranstaltungen mit etwa 30 bis 40 Gästen. Im Inneren führt eine Stahltreppe hinauf zu einer Galerie, die als Hochzeitssuite inklusive Bett mit Sondermaßen umgebaut wurde. Es gibt ein Bad, eine Toilette und eine kleine Küche.
Mit dem Kran wurden früher bis zu 40 Tonnen schwere Schiffsbauteile gehoben und abgesetzt. Die Krane mit der technischen Bezeichnung "Neptun PWK B 40" hatten eine Bauhöhe von 65 Metern.