Niedersachsen & BremenWas sich an Niedersachsens Schulen ändert

Mehr Ganztagsangebote, zusätzliche Unterrichtsstunden und digitale Geräte: Das neue Schuljahr bringt viele Veränderungen für Niedersachsens Schülerinnen und Schüler.
Hannover (dpa/lni) - Mehr Ganztagsangebote, zusätzliche Unterrichtsstunden in der Grundschule, digitale Endgeräte und neue Wege gegen den Lehrkräftemangel: In Niedersachsen beginnt das Schuljahr mit zahlreichen Neuerungen. Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) sieht darin das Ergebnis langfristiger Reformen. Lehrervertreter warnen dagegen davor, dass die Probleme vieler Schulen damit noch nicht gelöst seien.
Was ändert sich beim Ganztag?
Mit dem neuen Schuljahr greift erstmals schrittweise der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Niedersachsen sieht sich darauf vorbereitet. Nach Angaben des Kultusministeriums verfügen inzwischen 85 Prozent der Grundschulen und Grundschulzweige über ein eigenes Ganztagsangebot. Für die übrigen Schulen soll der Anspruch etwa über Horte oder Kooperationen mit anderen Schulen erfüllt werden.
Hamburg sagte, es gebe landesweit ausreichend Plätze für Kinder, die den Rechtsanspruch nutzen wollten. Zugleich räumte sie ein, dass zum Start nicht überall alles fertig sein werde – etwa weil Mensen noch gebaut würden oder Personal für einzelne Angebote fehle.
Die Stiftung NiedersachsenMetall fordert deshalb landesweit einheitliche Qualitätsstandards. Ganztagsbetreuung dürfe nicht lediglich aus Beaufsichtigung bestehen, sagte Geschäftsführer Olaf Brandes. Die zusätzliche Zeit müsse auch genutzt werden, um Defizite etwa beim Lesen, Rechnen oder bei der Sprache auszugleichen.
Bekommen Grundschüler mehr Unterricht?
Ja. Das Programm "Sichere Basis" erreicht seine letzte Ausbaustufe. Grundschulen erhalten nun drei zusätzliche Unterrichtsstunden zur Förderung grundlegender Fähigkeiten. Im Mittelpunkt stehen Lesen, Schreiben und Rechnen, aber auch soziale Kompetenzen. Das Land reagiert damit auch darauf, dass ein Teil der Kinder grundlegende Bildungsstandards nicht erreicht. Auch an Haupt-, Real- und Oberschulen sollen künftig Deutsch und Mathematik stärker gefördert werden.
Wie angespannt bleibt die Personalsituation?
Der Lehrkräftemangel bleibt aus Sicht des Ministeriums eines der größten Probleme. Zum Schuljahresbeginn konnte das Land einen großen Teil der ausgeschriebenen Stellen besetzen. Zugleich gibt es nach Angaben Hamburgs erhebliche Unterschiede zwischen Schulen, Schulformen und Regionen. Besonders schwierig sei es weiterhin, bestimmte Fachkräfte und Sonderpädagogen zu finden.
Das Land setzt deshalb unter anderem auf Quereinsteiger, Teilzeitaufstockungen, weiterarbeitende Pensionäre und finanzielle Anreize. Gymnasiallehrkräfte mit Deutsch oder Mathematik werden zudem gezielt für Grundschulen geworben.
Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) hält die Lage vor allem an Haupt-, Real-, Ober- und Förderschulen weiter für angespannt. Landesvorsitzender Torsten Neumann warnte vor Unterrichtsausfall, Mehrarbeit und "dauerhafter Mangelverwaltung". Neue Reformen könnten fehlendes Personal nicht ersetzen.
Was passiert bei der Digitalisierung?
Schülerinnen und Schüler erhalten in der Regel ab der siebten Klasse digitale Endgeräte. Mehr als 2.000 Schulen haben nach Angaben Hamburgs bereits Geräte für Schüler oder Lehrkräfte bestellt.
Das Land verbindet die Ausstattung mit Fortbildungen und Angeboten zur Medienbildung. Dazu gehören auch Hilfen zum Umgang mit Cybermobbing, sozialen Medien und künstlicher Intelligenz. Hamburg betonte, ein Tablet allein mache noch keinen guten Unterricht.
Was ist die neue Schüler-ID?
Mit einer individuellen Kennung sollen Bildungswege künftig besser nachvollzogen werden können. Damit will das Land unter anderem erkennen, wenn Jugendliche eine Schule verlassen, ohne an einer anderen anzukommen. Die Daten für statistische Auswertungen sollen anonymisiert werden. Die technische Umsetzung ist noch in Arbeit und soll nach Angaben Hamburgs im kommenden Jahr beginnen.
Was ändert sich im Unterricht selbst?
Neu ist unter anderem das gemeinsam von evangelischer und katholischer Kirche verantwortete Fach Christliche Religion. Zudem soll "Werte und Normen" künftig auch an Grundschulen verbindlich als Alternative zum Religionsunterricht angeboten werden. Damit sollen alle Kinder Unterricht zu ethischen Fragen, gesellschaftlichem Zusammenleben und Werten erhalten.