ThüringenDemografie und Lehrermangel – Neue Prognose soll helfen

Thüringens Bevölkerung schrumpft – und die Kinderzahlen in den Grundschulen sinken. Was das für den Kampf gegen den Lehrermangel bedeutet und warum der Bildungsminister nun eine Prognose einfordert.
Erfurt (dpa/th) - Die Zeiten des akuten Lehrermangels sind noch nicht vorbei, doch auf Thüringen kommt nun parallel eine Phase sinkender Schülerzahlen zu. Zum Start des neuen Schuljahres werden nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums 255.863 Schülerinnen und Schüler ab Montag wieder im Unterricht sitzen. Das sind rund 2.700 Kinder und Jugendliche weniger als im vergangenen Schuljahr, als es in Thüringen noch 258.575 Schülerinnen und Schüler gab. Nach gut sechs Wochen Sommerferien geht in der kommenden Woche die Schule wieder los.
Rückgang in den Grundschulen
Vor allem im Grundschulbereich geht die Zahl der Kinder zurück: Während zum Start des Schuljahres 2025/2026 noch 67.579 Mädchen und Jungen eine Thüringer Grundschule besuchten, sind es ab Montag nur noch 64.531. Der demografische Wandel, den die Kindergärten in Thüringen schon länger spüren, kommt nun also auch zunehmend in den Schulen an. "Thüringen verändert sich demografisch", sagte Bildungsminister Christian Tischner (CDU).
Ist der Lehrermangel also bald Geschichte, weil immer weniger Kinder zu unterrichten sind? Bisher fehlen Lehrkräfte noch. Nach Angaben des Bildungsministeriums wurden mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt, als im vergangenen Schuljahr den Schuldienst verließen. Vor den Klassen stehen damit zu Schuljahresbeginn 1.356 neue Lehrkräfte. Demgegenüber stehen 934 Abgänge – unter anderem in den Ruhestand. Trotzdem sind derzeit 451 Lehrerstellen noch unbesetzt, wie aus Daten des Lehrer-Stellenportals hervorgeht.
Tischner will Bedarf an Lehrern besser errechnen
Doch eine Vorhersage, wie es weitergeht, ist komplex. "Ich warne aber vor der Annahme, dass wir aufgrund der sinkenden Schülerzahlen deutlich sinkende Klassen haben", sagte Tischner. Denkbar sei aber, dass die Klassen kleiner würden, was sich positiv auf die Unterrichtsqualität auswirken könne. Der Statistik zufolge geht aber bereits die Zahl der Schulen leicht zurück: von 958 im vergangenen Schuljahr auf 947 im nun neu startenden Schuljahr. Darin enthalten sind aber auch Zusammenlegungen und Filialmodelle.
Wegen der demografischen Entwicklung hat Tischner nach eigenen Angaben erstmals eine längerfristige Prognose für den Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern beauftragt. Dies habe es in den vergangenen Jahrzehnten "leider" nicht gegeben.
Tischner erzählt selbst oft von der Zeit, als er als Lehrer ausgebildet wurde, Jobs an den Schulen aber Mangelware waren. "Diesen Fehler möchte ich nicht wiederholen." Es reiche nicht mehr, die Frage zu stellen, wie viele Lehrkräfte benötigt würden. Es gehe vielmehr um die Fragen, in welchen Schulämtern sie gebraucht werden, in welchen Fächern, in welchen Schulformen und zu welchem Zeitpunkt die Lehrer im Schulsystem gebraucht würden. Tischner kündigte an, dass die Prognose in die Vereinbarungen mit den Hochschulen zur Lehrerausbildung einfließen soll.