Niedersachsen & BremenWie ist es, den Bundespräsidenten zu treffen?

Menschen, die sich besonders für die Gesellschaft engagieren, haben den Tag der Deutschen Einheit als Ehrengäste erlebt. Als Bürgerdelegierte konnten sie mit Deutschlands politischer Spitze sprechen.
Bremen (dpa/lni) - Die 33-jährige Svenja Böning blickt auf bewegende Tage zurück. Als Teil der Bremer Bürgerdelegation war sie als Ehrengast bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit dabei.
Sie habe sich mit dem Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler und Bremens Regierungschef unterhalten, erzählte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Und am beeindruckendsten finde ich tatsächlich Frank-Walter Steinmeier", sagte sie. Der Bundespräsident habe sich enorm viel Zeit für jede Delegation genommen und wahrscheinlich mit fast allen Delegierten gesprochen. "Das war sehr nahbar, ganz sympathisch, wir haben sehr viel gelacht."
Traditionell werden zum Tag der Deutschen Einheit Bürgerdelegationen aus allen Bundesländern zu den Feierlichkeiten eingeladen. Ausgewählt werden jeweils acht Menschen, die sich in besonderer Weise für die Gesellschaft engagieren. Böning war als Teil der Bremer Delegation dabei und erlebte ein mehrtägiges Programm. Sie ist Geschäftsführerin des Vereins Hoppenbank, der straffällig und wohnungslos gewordene Menschen unterstützt.
Sie habe mit dem Bundespräsidenten über Wohnungslosigkeit gesprochen und über das Ziel der Bundesregierung, Obdach- und Wohnungslosigkeit bis zum Jahr 2030 abzuschaffen, berichtete die 33-Jährige. Demnach spürte sie, dass Steinmeier das Thema wichtig findet. "Das war schön", sagte sie über das Gespräch. Auch Steinmeiers Rede im Rahmen des Festaktes habe sie und andere Delegierte beeindruckt. Er habe wichtige Themen angesprochen.
Hat der Bundeskanzler einen Auftrag bekommen?
"Ich hätte es nicht erwartet, fand es aber sehr gut, dass er auch durchaus kritische Punkte auch an die aktuelle Regierung da mit reingelegt hat", so Böning. Der Bundespräsident habe einen Auftrag oder einen Wunsch formuliert. "Und wir haben hinterher am Tisch noch ganz kurz mit Friedrich Merz auch über die Rede gesprochen - ob er das auch so wahrgenommen hat, dass da durchaus ein Appell für ihn drin lag, und das hat er dann bestätigt", sagte Böning.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sei distanzierter gewesen als Steinmeier. Im Gespräch hätten die Bürgerdelegierten angesprochen, wie wichtig es sei, dass die Politik mit den aktuellen Herausforderungen umgehe und handle. "Und da fand ich ihn an manchen Stellen ein bisschen sehr vorsichtig", meinte die 33-Jährige. "Da hätte ich mir ein bisschen mehr Anpackmotivation gewünscht. Aber ich glaube, das ist natürlich auch in so einem Rahmen schwierig zu formulieren. Und da ist er sehr professionell", sagte Böning über den Kanzler.
"Habt Mut zur Erneuerung!", hatte der Bundespräsident in seiner Rede in Richtung Politik gesagt. Wichtig sei der politische Wille, eingefahrene Routinen zu verlassen und entschlossen zu handeln.
Als Bürgerdelegierte habe sie viele besondere Eindrücke und Kontakte bekommen, erzählte Böning. Die Einladung sei eine Riesenehre.