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Nordrhein-WestfalenTausende Schüler nach Schulabschluss ohne Berufsperspektive

07.05.2026, 12:38 Uhr
NRW-Arbeitsminister-Karl-Josef-Laumann

Fast 35.000 Jugendliche in NRW stehen direkt nach der Schule ohne gesicherte Berufsperspektive da. Wie groß ist das Problem wirklich?

Düsseldorf (dpa/lnw) - Direkt nach dem Schulabschluss fehlt in Nordrhein-Westfalen Tausenden Schülerinnen und Schülern oft noch eine konkrete Berufsperspektive. Zwar seien 2025 rund 34.800 Schulabgänger in NRW zunächst ohne beruflichen Anschluss bei der Agentur für Arbeit gemeldet worden, sagte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in einer Aktuellen Stunde des Landtags.

Durch Unterstützung der Berufsberatung, Jobcenter und Kommunen habe aber bis Ende des Jahres zwei Dritteln dieser jungen Menschen eine Anschlussperspektive vermittelt werden können, sagte der Minister. Um die übrigen rund 11.000 Schüler noch ohne konkretere Aussichten kümmerten sich neben den Jobcentern auch die Jugendämter. Oft brauchten diese Jugendlichen noch weitere Unterstützung und Qualifizierung, um überhaupt eine Ausbildungsfähigkeit zu haben.

Die weiterführenden Schulen müssen in NRW seit 2024 die Daten von Schülern ohne Anschlussperspektive an die Bundesagentur für Arbeit melden, damit den jungen Menschen Berufsberatung angeboten werden kann.

Mehr Praxisbezug in der Schule

Nach Ansicht der Opposition reichen die Maßnahmen der schwarz-grünen Landesregierung für Jugendliche ohne Berufsperspektive nicht aus. Die SPD-Bildungspolitikerin Dilek Engin forderte, dass berufliche Orientierung ein verbindlicher Bestandteil des Unterrichts sein müsse. "Schule muss sich stärker am echten Leben orientieren, an den Anforderungen der Arbeitswelt." Gebraucht würden moderne, lebensnahe Lehrpläne, die berufliche Orientierung zur Aufgabe aller Fächer machten.

Auch die FDP-Abgeordnete Susanne Schneider hält eine Neuausrichtung von Bildung für notwendig: "Wir brauchen mehr Praxisbezug." Zu viele junge Menschen verließen die Schule ohne klare Orientierung, und zu viele landeten danach in einem Übergangssystem, das sie nicht weiterbringe.

"Das ist kein Randproblem – das ist ein bildungspolitischer und arbeitsmarktpolitischer Alarmzustand", sagte die SPD-Arbeitsmarktpolitikerin Lena Teschlade. Wer ohne Ausbildung bleibe, habe ein deutlich höheres Risiko für Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung und soziale Ausgrenzung.

Brücke in ein selbstbestimmtes Leben

Laumann erwiderte, dass Schüler schon frühzeitig strukturiert durch Potenzialanalysen, Berufsfelderkundungen und Praktika begleitet würden und nicht erst am Ende der Schulzeit. "So lernen die jungen Leute ganz praktisch: Was kann ich? Welche Berufe gibt es? Was passt zu mir?" Eine abgeschlossene Berufsausbildung sei die beste Brücke für ein selbstbestimmtes Leben. Der Übergang von Schule in den Beruf sei auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sagte Laumann.

Quelle: dpa

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