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Nordrhein-WestfalenTod eines Flüchtlings: Angeklagte Polizisten schweigen

24.06.2026, 12:12 Uhr
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Nach einem Polizeieinsatz in Mülheim/Ruhr stirbt ein Flüchtling aus Guinea. Jetzt stehen neun Polizisten vor Gericht – und schweigen.

Duisburg (dpa/lnw) - Nach einem Polizeieinsatz mit tödlichem Ausgang müssen sich neun Polizisten seit Mittwoch in Duisburg vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung im Amt. Die Beamten sollen einen Flüchtling aus Guinea am 6. Januar 2024 in Mülheim/Ruhr an Händen und Füßen gefesselt und beide Fesselungen anschließend mit Kabelbindern auf dem Rücken verbunden haben. "Diese zusätzliche Verbindung war weder nach dem Polizeigesetz noch nach dem Strafgesetzbuch gerechtfertigt", heißt es in der Anklage. Zum Prozessauftakt am Duisburger Landgericht haben sich die 27 bis 54 Jahre alten Angeklagten nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Laut Anklage keine Schuld am Tod des Flüchtlings

Nach der Fesselung war der Flüchtling, dessen genaues Alter nicht bekannt ist, in einen Rettungswagen gebracht worden. Kurz darauf setzte sein Puls aus, die Reanimationsmaßnahmen blieben ohne Erfolg. Todesursache war laut Anklage eine Kombination aus einem "lagebedingten Erstickungstod", einem Herzinfarkt, Kokaineinfluss, Erregung und einer Lungenkrankheit. Eine Schuld am Tod des Mannes tragen die fünf Polizisten und vier Polizistinnen laut Staatsanwaltschaft nicht. "Der Tod wäre auch eingetreten, wenn die Angeklagten die Verbindung der beiden Fesselungen nicht vorgenommen hätten", heißt es in der Anklage.

Todesdrohungen und blutende Bisswunden

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann aus Guinea zuvor in einer Flüchtlingsunterkunft randaliert und Mobiliar zerstört hat. Nach dem Eintreffen der ersten Beamten soll er sich gegen die geplante Festnahme gewehrt, geflüchtet und Morddrohungen ausgestoßen haben. Dabei soll er auf einen der Beamten zugelaufen und diese Worte gerufen haben: "Ich bring dich um." Außerdem soll er zwei Polizisten blutende Bisswunden zugefügt haben.

Familie aus Guinea reist zum Prozess an

Die Eltern und die Schwester des Verstorbenen waren zum Prozessauftakt extra aus Guinea eingereist. „Die Familie ist sehr belastet und eingeschüchtert“, sagte Anwältin Lisa Grüter, die die Schwester vertritt. Sie habe ein großes Interesse daran, dass der Fall aufgeklärt und jemand zur Verantwortung gezogen werde.

Die 6. Strafkammer des Duisburger Landgerichts hat für den Prozess noch elf Verhandlungstage bis zum 9. September vorgesehen.

Quelle: dpa

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