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Rheinland-Pfalz & SaarlandWo CDU und AfD besonders triumphierten – SPD-Debakel

23.03.2026, 11:51 Uhr
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Die Sozialdemokraten mussten in allen Wahlkreisen Verluste hinnehmen, die AfD legte in allen zu. Statistische Daten zeigen auch deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land und bei der Beteiligung.

Mainz/Bad Ems (dpa/lrs) - Die AfD punktet in strukturschwachen Regionen besonders, die CDU ist in ländlichen Gegenden stärker als in Städten, die SPD verliert auf breiter Front: Das sind zentrale Ergebnisse der Analyse des Statistischen Landesamts zu den vorläufigen Ergebnissen der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Ein Überblick:

Je höher der Anteil arbeitsloser Menschen in einer Gegend ist und je mehr Menschen Sozialleistungen bekommen, desto höher sind demnach tendenziell die Ergebnisse der AfD, teilweise auch der Linken, die aber den erstmaligen Einzug in den Landtag in Mainz verpasst haben. Das geht einher mit empfindlichen Einbußen der SPD in ehemaligen Hochburgen.

AfD-Triumphe in der Pfalz

So ist etwa zu erklären, dass die AfD im Wahlkreis Kaiserslautern I mit 26,1 Prozent bei den Zweistimmen siegte. Auch die Linke fuhr hier mit 7,0 Prozent ein vergleichsweise starkes Ergebnis ein. Das Direktmandat holte dort dennoch SPD-Kandidat Andreas Rahm knapp mit 27,7 Prozent der Erststimmen.

Ein anderes Beispiel in Sachen AfD ist der Wahlkreis Pirmasens: Sie holte hier 26,3 Prozent der Zweistimmen. In der kreisfreien Stadt Pirmasens kam die AfD sogar auf 32,1 Prozent – das bedeutete Platz eins.

Deutliche Unterschiede zeigten sich zwischen Stadt und Land: Betrachtet man nur die Landkreise lag die CDU mit 35,1 Prozent deutlich vor der SPD mit 26,8 Prozent. Selbst prominente sozialdemokratische Kandidaten verloren in eher ländlichen Regionen bei den Erststimmen, etwa Landtagspräsident Hendrik Hering im Wahlkreis Bad Marienberg/Westerburg oder Gesundheitsminister Clemens Hoch im Wahlkreis Andernach.

SPD in kreisfreien Städten noch knapp vor der CDU

Bei den kreisfreien Städten dagegen lag die SPD mit 28,2 Prozent zumindest noch knapp vor der CDU mit 27,5 Prozent. Der größte Gewinner ist bei den Zweitstimmen sowohl in den kreisfreien Städten (plus 9,2 Prozent), als auch in den Landkreisen (plus 11,8 Prozent) die AfD.

Wie stark sich die politische Landschaft in Rheinland-Pfalz farblich verschoben hat, zeigt auch die Tatsache, dass die seit 35 Jahren im Land regierende SPD diesmal in allen 52 Wahlkreisen Einbußen bei den Zweitstimmen erlitten hat. Die Grünen mussten in 51 der 52 Wahlkreise Verluste hinnehmen.

Ganz anders das Bild bei CDU und AfD: Die Union legte bei den Zweitstimmen in 48 der 52 Wahlkreise zu, die AfD in allen. Das größte Plus gelang der AfD mit einem Zuwachs von 16,3 Prozentpunkten im Wahlkreis Birkenfeld, hier lag sie bei 26,3 Prozent.

Die aus dem Landtag geflogene FDP konnte in keiner kreisfreien Stadt und in keinem Landkreis die Fünf-Prozent-Hürde überschreiten.

CDU in 37 Wahlkreisen vorn

Am Ende lag die CDU in 37 Wahlkreisen bei den Zweitstimmen, also den Landesstimmen, vorn. Das beste Zweitstimmenergebnis für sie fuhr Spitzenkandidat Gordon Schnieder im Wahlkreis Vulkaneifel mit 46,5 Prozent ein, das schlechteste gab es im Wahlkreis Mainz I mit 17,7 Prozent.

Bei der SPD holte Ministerpräsident Alexander Schweitzer mit 41,1 Prozent im Wahlkreis Südliche Weinstraße das beste Erststimmenergebnis. Das schlechteste setzte es im Wahlkreis Vulkaneifel mit 19,1 Prozent.

Einen Mehrheitswechsel zugunsten der SPD gab es nur im Wahlkreis Mainz I, den Innenminister Michael Ebling mit 28,2 Prozent der Erststimmen vor seiner Kabinettskollegin Katharina Binz von den Grünen (27,2 Prozent) holte. Ebling, früher langjähriger Mainzer Oberbürgermeister, sicherte sich damit zum ersten Mal ein Landtagsmandat.

Deutliche Unterschiede bei Wahlbeteiligung

Interessant sind auch recht große Unterschiede bei den Wahlbeteiligungen. Grundsätzlich gilt den Statistikern zufolge, dass die AfD und die Linke dort geringere Stimmenanteile holen, wo die Wahlbeteiligung höher ist. Den Daten zufolge haben die Landkreise mit 69,9 Prozent eine um 5,8 Prozentpunkte höhere Beteiligung als die kreisfreien Städte.

Auf die höchste Wahlbeteiligung kommt der Wahlkreis Bad Dürkheim, wo 74,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. Die geringste Beteiligung wies dagegen der Wahlkreis Ludwigshafen I mit nur 48,1 Prozent auf.

Den deutlichsten Zuwachs bei der Beteiligung verbuchte im Vergleich zur letzten Landtagswahl der Wahlkreis Vulkaneifel mit plus 8,2 Prozentpunkten, also der Wahlkreis des vermutlich künftigen CDU-Ministerpräsidenten Schnieder.

Sozioökonomische Faktoren beeinflussen Beteiligung

Laut der Analyse steht die Höhe der Wahlbeteiligung in einem statistischen Zusammenhang mit ausgewählten sozialen und ökonomischen Strukturmerkmalen. In Gebieten mit niedriger Arbeitslosigkeit nehmen demnach prozentual mehr Bürgerinnen und Bürger an der Wahl teil als in Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit. Gleiches gelte für die soziale Mindestsicherungsquote.

In Gebieten mit niedrigem Ausländeranteil würden tendenziell mehr Bürgerinnen und Bürger von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen als in Gebieten mit einem hohen Ausländeranteil. Und in Regionen, in denen der Bevölkerungsanteil mit katholischer oder evangelischer Religionszugehörigkeit gering sei, falle die Wahlbeteiligung tendenziell niedriger aus.

Quelle: dpa

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