Regionalnachrichten

Rheinland-Pfalz & Saarland Schott: Verfügbarkeit von "grünem" Wasserstoff kritisch

Die Steuerung für einen Tank für Wasserstoff, der aber noch nicht angeschlossen ist, steht auf dem Gelände der Schott AG.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Das Ziel des Spezialglasherstellers ist klar: mehr Klimaschutz und Unabhängigkeit von Erdgas. Die Mainzer sind nicht die einzigen, die weniger fossile Energie verbrauchen wollen. Auf dem Weg müssen aber einige Hürden weggeräumt werden.

Mainz/Ludwigshafen (dpa/lrs) - Wie die Chemie- zählt auch die Glasindustrie zu den besonders energieintensiven Bereichen der deutschen Wirtschaft. Ein hoher Energieverbrauch ist zum einen schlecht mit Blick auf die Klimabilanz, zum anderen teuer und riskant angesichts der Energiepreisexplosion und Sorgen um die Versorgung mit Erdgas. Große Konzerne in Rheinland-Pfalz wie Schott und BASF suchen nach Lösungen.

Der Mainzer Spezialglashersteller Schott sieht sich bei seinem Ziel der Klimaneutralität bis 2030 auf einem guten Weg, aber auch mit großen Herausforderungen konfrontiert. Allen voran steht dabei die Verfügbarkeit von "grünem", also mit erneuerbaren Energien produzierten Wasserstoff, wie Finanzvorstand Jens Schulte am Donnerstag mitteilte. In dem Konzern sind gleich mehrere Projekte angelaufen, um vom Erdgas wegzukommen, das derzeit die Brenner in den Schmelzwannen auf die für die Glasherstellung benötigten 1700 Grad anheizt.

Wasserstoff ist dabei nur eine von mehreren möglichen Alternativen. Getüftelt wird auch mit elektrifizierten oder mit Biogas betriebenen Wannen. Mit Blick auf eine drohende Gasmangellage in Deutschland wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verspricht der angepeilte Abschied vom Erdgas laut Schulte aber keinen schnellen Ausweg. Schott müsse erst die verschiedenen Pilotprojekte und Forschungen abschließen, das werde je nach Technik frühestens in drei Jahren möglich sein, sagte der Finanzvorstand, der auch das 2020 begonnene Projekt "Zero Carbon" bei Schott leitet. Klar ist: Schott will so schnell wie möglich auf Strom und Wasserstoff umsteigen

Seit wenigen Tagen steht ein rund 21 Meter hoher Stahltank gefüllt mit Wasserstoff auf dem Gelände am Mainzer Stammwerk. Gefüllt ist er allerdings nicht mit "grünem", sondern mit "grauem" - also nicht klimaneutral produziertem - Wasserstoff, wie Schulte erklärt. Grund hierfür sei die Verfügbarkeit des begehrten "grünen" Wasserstoffs. Den Mainzern geht es derzeit in erster Linie aber vor allem darum, die technische Machbarkeit zu testen, daher nehmen sie auch "grau" in Kauf.

Weiteres Problem: der Transport. Die vergleichsweise kleine Menge Wasserstoff für den Test wird derzeit mit Fahrzeugen angeliefert. Würde einmal in Zukunft richtig viel Wasserstoff benötigt, wären die Mainzer Straßen schnell verstopf. "Wir brauchen eine Wasserstoff-Pipeline", betonte Schulte. Die Politik wisse von der Dringlichkeit eines deutschlandweiten Röhrensystems für die Industrie. Es könne aber noch etliche Jahre dauern, bis das Stammwerk daran angeschlossen werden könne. Bis dahin wird nach dezentralen Lösungen gesucht, etwa in Zusammenarbeit mit den Mainzer Stadtwerken.

Schott konnte nach eigenen Angaben seine klimaschädlichen Emissionen seit 2019 bereits um über 60 Prozent senken. Dies sei trotz des Anstiegs des Energieverbrauchs durch die hohe Auslastung der vorhandenen und Inbetriebnahme neuer Produktionsanlagen erreicht worden. Das Unternehmen führte die CO2-Reduzierung vor allem auf die weltweite Umstellung auf Strom zurück, der zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen worden sei. Seit diesem Jahr werde zudem auf direkte Stromabnahmeverträge mit Betreibern von Erneuerbare-Energien-Anlagen, wie zum Beispiel Windparks, gesetzt. Für das kommende Jahr seien bisher drei solcher langfristigen Verträge mit Anbietern in Deutschland abgeschlossen worden.

Beim Ludwigshafener Chemieriesen BASF hat sich an den globalen Klimazielen nach eigenen Angaben nichts geändert. "Bis 2030 will BASF seine Treibhausgasemissionen um 25 Prozent im Vergleich zu 2018 reduzieren und strebt bis 2050 das Ziel von Netto-Null-Emissionen an", teilte ein Konzernsprecher mit. BASF setze dabei auf den Einsatz neuer Technologien für eine Elektrifizierung bisher fossiler Produktionsprozesse auf Basis erneuerbarer Energien.

Zum einen investiere der Konzern zum Beispiel in Offshore-Windparks, die heute bereits Strom zu international wettbewerbsfähigen Preisen produzieren könnten. Zum anderen habe das Unternehmen in den vergangenen Monaten langjährige Lieferverträge mit verschiedenen Erzeugern erneuerbarer Energie in Europa, Nordamerika und Asien abgeschlossen. "Eine weitere Säule der Transformation ist das Schließen von Stoffkreisläufen durch Recycling", sagte der Sprecher. Angesichts der hohen Strompreise in Deutschland und Europa sei es umso dringlicher, den massiven Ausbau erneuerbarer Energie und der Netze in Europa schnell voranzubringen.

Quelle: dpa

Regionales
ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen