Rheinland-Pfalz & SaarlandUngeklärt seit Jahrzehnten

Tatort ohne Täter: Rund 250 sogenannte Cold Cases zählt das LKA Rheinland-Pfalz. Hinter jeder Akte steckt ein ungelöster Kriminalfall.
Mainz/Koblenz/Trier (dpa/lrs) - Sie wurden misshandelt, erschlagen, ermordet – doch die Täter sind zum Teil auch nach Jahrzehnten noch nicht gefasst. Rund 250 sogenannte Cold Cases, also Tötungs- oder Vermisstenfälle, zählt das Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz aktuell. Die Zahl ist nicht in Stein gemeißelt, sondern steht laut LKA unter dem Vorbehalt laufender fachlicher Aufbereitungen und kann sich durch neue Erkenntnisse ändern. Dennoch macht die Zahl deutlich, wie lang der Schatten ist, den ungeklärte Verbrechen werfen.
Was genau als Cold Case gilt, ist nicht eindeutig geregelt. Eine bundeseinheitliche Definition existiert nicht. In Rheinland-Pfalz versteht das LKA darunter Ermittlungsverfahren, denen ein vollendetes oder versuchtes Tötungsdelikt zugrunde liegt oder ein Vermisstenfall, bei dem aus kriminalistischer Erfahrung die Möglichkeit eines Kapitaldelikts besteht. Gemeinsam ist diesen Fällen, dass sie bislang nicht voll aufgeklärt werden konnten, obwohl teils umfangreich ermittelt wurde.
Was geschah 1994 in Trier?
Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Hintergründe und gleichzeitig, wie ähnlich die offenen Fragen sein können. Eine 23 Jahre alte Frau aus Portugal kam 1992 nach Trier. Mit einer Freundin wollte sie der Kriminalpolizei Trier zufolge als Prostituierte arbeiten und fand eine Anstellung im Eros-Center. Zwei Jahre später, in der Nacht zum 2. Oktober 1994, wurde sie getötet.
Gegen 5.30 Uhr wurde sie zuletzt lebend von einer anderen Prostituierten gesehen. Gegen 7.00 Uhr fand eine Freundin die junge Frau tot in ihrem Zimmer. Die Obduktion ergab laut Kriminalpolizei massive Gewalt gegen Kopf und Hals als Todesursache. Der Täter konnte bis heute nicht ermittelt werden. Im Zuge weiterer Ermittlungen erhärtete sich der Tatverdacht gegen einen bislang nicht identifizierten Mann.
Brisant ist den Behörden zufolge ein Vorfall in derselben Nacht: Eine andere Prostituierte berichtete, ein Kunde sei gewalttätig geworden und habe sie geschlagen. Ermittler schließen nicht aus, dass es sich bei diesem Mann um den Mörder gehandelt haben könnte.
Die ZDF-Sondersendung "Aktenzeichen XY … Cold Case" berichtete am 1. März 2023 über den Mord. Die Hoffnung der Ermittler auf entscheidende neue Hinweise erfüllte sich bisher aber nicht. Die Staatsanwaltschaft Trier hat eine Belohnung von 2.500 Euro ausgelobt.
Wer tötete vor 30 Jahren in Koblenz?
Nur wenige Tage vor der Tat in Trier ereignete sich am 26. September 1994 ein weiterer Mord, der bis heute ungeklärt ist. Eine Studentin aus den USA wollte nach Angaben der Kripo Koblenz am Morgen die Festung Ehrenbreitstein über den Felsenweg besteigen. Um 8.50 Uhr wurde sie dort zuletzt gesehen.
Keine anderthalb Stunden später, um 10.15 Uhr, fand man ihre Leiche in einem abgelegenen Raum der Festung, dem sogenannten General-Aster-Zimmer. Die 24-Jährige war den Ermittlern zufolge sexuell misshandelt und brutal getötet worden. Der Täter nahm mehrere Gegenstände mit, etwa Brille und Schuhe. Diese Dinge könnten sich noch heute in seinem Besitz befinden.
Mehr als 30 Jahre ist die Tat nun her. Die Kripo schließt nicht aus, dass der Täter längst woanders leben könnte. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt.
Ermittler betonen stets, das perfekte Verbrechen gebe es nicht. Auch das LKA erinnert: "Im Zuge polizeilicher Ermittlungen kommt es immer wieder zur Aufklärung von Cold Cases, unter anderem durch neue kriminaltechnische Möglichkeiten." Den Angehörigen macht das Hoffnung auf späte Gerechtigkeit.