Sachsen-AnhaltAOK: Immer mehr Fehltage im Job wegen psychischer Erkrankung

Psychisch bedingte Fehlzeiten von Beschäftigten nehmen laut einer AOK-Analyse stark zu. Besonders betroffen sind Erzieher, Beschäftigte in Callcentern und in der Pflege. Was Betriebe machen müssen.
Magdeburg (dpa/sa) - Psychische Erkrankungen führen in Sachsen-Anhalt zu immer längeren Fehlzeiten in den Unternehmen. Durchschnittlich entfielen im vergangenen Jahr 470 Fehltage wegen solcher Diagnosen auf 100 AOK-versicherte Beschäftigte. Vor zehn Jahren waren es noch 292 Fehltage, wie die Krankenkasse mitteilte. Das sei ein Anstieg um rund 60 Prozent. Erstellt wurde der "Fehlzeiten-Report" vom Wissenschaftlichen Institut der AOK.
Deutlich längere Ausfallzeiten als bei anderen Diagnosen
Wer psychisch erkranke, falle oft wochenlang aus. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung lag bei psychischen Erkrankungen bei 26 Tagen. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen dauerte ein Krankheitsfall beispielsweise 18 Tage, bei Muskel- und Skeletterkrankungen 16 Tage. Ein deutlicher Anstieg zeigt sich vor allem bei der Burn-out-Diagnose. 2016 wurden noch rund acht Ausfalltage mit dieser Diagnose erfasst, 2025 waren es bereits 16 Tage.
Besonders Beschäftigte in sozialen Berufen und in der Kommunikationsbranche werden demnach häufig wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben. Zu den in Sachsen-Anhalt am stärksten betroffenen Berufsgruppen zählen das Dialogmarketing (unter anderem Callcenter), die Erziehungswissenschaft und die Altenpflege.
In diesen Berufen wirkten mehrere psychosoziale Belastungsfaktoren, betonte Rene Bethke, Leiter des betrieblichen Gesundheitsmanagements bei der AOK Sachsen-Anhalt. "Hohe emotionale Anforderungen, Verantwortung für andere Menschen und ein hohes Arbeitspensum in Kombination mit begrenzter Kontrolle über Arbeitsabläufe und oftmals unzureichende soziale Unterstützung wirken sich in häufigeren und längeren Fehlzeiten aus." Hinzu kämen Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation oder die Angst vor Arbeitslosigkeit. Solche Belastungen könnten Niedergeschlagenheit, Wut oder Erschöpfung auslösen.
AOK: Auch Betriebe gefordert
Betriebe müssten unterstützende Angebote entwickeln, die sowohl Unternehmen und Führungskräfte als auch Beschäftigte entlasten. "Gute Arbeit bietet Sicherheit, Zugehörigkeit, Struktur und Selbstwirksamkeit. Wenn man psychisch bedingte Fehlzeiten reduzieren möchte, ist die Gestaltung der Arbeitsbedingungen entscheidend", erläuterte Bethke. Die Verantwortung dürfe nicht allein beim einzelnen Beschäftigten abgeladen werden.