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Sachsen-AnhaltHalle erinnert an rechtsextremen Anschlag mit zwei Toten

09.10.2026, 15:02 Uhr
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Kranzniederlegungen, Glockenläuten und eine Schweigeminute erinnern an das Attentat eines Rechtsextremisten auf die Synagoge. Eine Menschenkette hindert AfD-Politiker Tillschneider an der Teilnahme.

Halle (dpa/sa) - Mit Kranzniederlegungen, Glockenläuten und einer Gedenkveranstaltung ist in Halle an den antisemitisch motivierten Anschlag auf die Synagoge vor sieben Jahren erinnert worden. Zahlreiche Menschen nahmen am Gedenken in dem jüdischen Gotteshaus in der Saalestadt teil, das Ziel des versuchten Attentats war.

Unter ihnen waren Vertreter von Kirche, Stadt, Bürgerschaft, Zivilgesellschaft und Politik - darunter auch Sachsen-Anhalts geschäftsführender Ministerpräsident Sven Schulze und sein Amtsvorgänger Reiner Haseloff (beide CDU). Auch Angehörige der beiden Todesopfer waren anwesend.

Am Rande versuchte der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider ebenfalls, an dem Gedenken teilzunehmen. Er wurde jedoch von Vertretern der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) daran gehindert. "Wir haben erfahren, dass Rechtsextreme hier dieses Gedenken kapern wollen und haben uns dann sehr spontan hier aufgestellt, um eben genau das zu verhindern", sagte Ron Dekel, Präsident der JSUD, der Deutschen Presse-Agentur.

AfD-Rechtsaußen Tillschneider an Teilnahme gehindert

Die AfD wird in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuft. Sie gewann die Landtagswahl im September, Tillschneider wurde am Dienstag zum Vizepräsidenten des neuen Landtags in Magdeburg gewählt.

Es habe sich um eine spontane Versammlung gehandelt, so die Polizei. Mitglieder der Versammlungsbehörde hätten zwischen Tillschneider und den Demonstrierenden vermittelt, die Situation sei ruhig geblieben. Nach längerer Diskussion habe der AfD-Politiker den Ort schließlich verlassen.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im Thüringer Landtag, Katja Mitteldorf, warnte anlässlich des Gedenkens in Halle vor den Gefahren von Rechtsextremismus - beispielsweise im digitalen Raum. "Rechter Terror beginnt nicht mit dem ersten Schuss, sondern dort, wo Menschen zu Feindbildern erklärt, Gewaltfantasien normalisiert und menschenfeindliche Ideologien unwidersprochen verbreitet werden", so Mitteldorf. Jüdisches Leben und die freie Ausübung der Religion zu schützen bleibe eine dauerhafte gesellschaftliche und staatliche Aufgabe.

Rechtsextremist erschoss vor sieben Jahren zwei Menschen

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, in die Synagoge einzudringen. Als ihm das nicht gelang, erschoss er davor eine 40 Jahre alte Passantin und in einem nahen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Attentäter zahlreiche weitere Menschen, ehe er von der Polizei gefasst wurde. Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte ihn 2020 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Den Abschluss des Erinnerns am heutigen Tag bildet am Abend eine öffentliche Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz der Stadt Halle.

Quelle: dpa

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