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Sachsen-AnhaltMuseum Obscurum in Thale macht Aberglauben begreifbar

26.07.2026, 05:04 Uhr
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Keine Hexenbesen und keine Fantasiewelt: Das Museum Obscurum in Thale blickt auf die historischen Wurzeln von Aberglauben und Mythen.

Thale (dpa/sa) - Folterinstrumente, Hexenwaagen, Vampirgeschichten und geheimnisvolle Schädel: Im Museum Obscurum in Thale können Besucher in die Welt von Aberglauben, Magie und historischen Ängsten eintauchen. Die Einrichtung gibt es seit zehn Jahren. Nach eigenen Angaben ist es Deutschlands größtes "Museum der Hexerei und der dunklen Mächte". Die private Sammlung von Helmut Lautner zeigt kuriose Exponate rund um Aberglauben, Magie und die Ängste vergangener Jahrhunderte. Das Ganze umfasst rund 300 Objekte - darunter Originale, aber auch detailgetreue Nachbauten nach historischen Vorbildern.

Geschichten über das Unerklärliche

Auf etwa 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche erzählt das Museum von einer Zeit, in der Menschen versuchten, Unerklärliches mit Magie, Ritualen und übernatürlichen Vorstellungen zu erklären. "Unser Museum zeigt die Geschichte dahinter und ist nicht Kitsch mit Hexenbesen und Hexenhüten", sagt Besitzer Lautner.

Die Ausstellung verteilt sich auf zwölf Räume, die jeweils unterschiedlichen Themen gewidmet sind. Ein Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der Hexenverfolgung. Besucher sehen unter anderem eine Hexenwaage und verschiedene sogenannte Hexenproben, mit denen früher versucht wurde, vermeintliche Hexen zu überführen. Die Methoden beruhten auf Aberglauben und führten häufig zu schweren Unrechtsurteilen.

Dunkles Kapitel Hexenverfolgung

Ein weiteres Kapitel widmet sich der Folter. Zu sehen sind historische Folterinstrumente und Nachbildungen, die zeigen, mit welchen grausamen Methoden Menschen in Verhören zu Geständnissen gezwungen wurden. "Die Menschen wurden so lange gequält, bis sie sagten, dass sie eine Hexe sind", erzählt Lautner.

Zu den ältesten Originalen der Sammlung gehört eine hölzerne Sitzgruppe aus der Zeit der Hexenverfolgung. Nach Einschätzung Lautners stammt das Möbelstück aus der Zeit um 1750 und wurde vermutlich bei Verhören eingesetzt. Auf der einen Seite saß der Beschuldigte, ihm gegenüber der Verhörer. Die Schnitzereien deuteten darauf hin, dass die Sitzgruppe aus Deutschland stammt.

Die Wahrheit über Vampire

Ein besonderer Blickfang ist ein menschliches Skelett, das als "Vampirskelett" ausgestellt wird und aus Amerika stammen soll. Die Geschichte dahinter zeigt, wie Mythen entstehen können. "Es gab keine echten Vampire", sagt Lautner. Die Vorstellung sei unter anderem durch Krankheiten wie Tuberkulose entstanden.

Wenn damals Verstorbene später erneut ausgegraben wurden, wirkten manche Körper durch natürliche Fäulnisprozesse verändert: Sie konnten aufgebläht sein und Blut aus dem Mundbereich aufweisen. "Die Menschen kannten diese Vorgänge nicht und glaubten, die Toten würden sich von den Lebenden ernähren", erklärt Lautner.

Der Raum zu Mythen und Legenden beschäftigt sich außerdem mit Zombies, Geistern, Vampiren und dem Thema Exorzismus. Gezeigt werden dazu unter anderem Bücher, religiöse Gegenstände und Beschreibungen historischer Vorstellungen von Besessenheit.

Besonderer Touristenmagnet in Thale

"Das Museum ist für uns im Tourismus eine absolute Bereicherung, das gehört mittlerweile komplett dazu", sagt der stellvertretende Bürgermeister von Thale, Frank Hirschelmann. "Es ist ein Teil unserer touristischen Vielfalt."

Zu den außergewöhnlichen Stücken zählt ebenso ein Schädel aus Neuguinea. Laut Lautner handelt es sich um eine historische Schädeltrophäe eines Kopfjägerstammes aus der Zeit um 1800.

Auch historische Berichte über Geistererscheinungen gehören zur Ausstellung. Dazu zählen Briefe des britischen Geisterjägers Harry Price (1881-1948), der im 20. Jahrhundert durch Untersuchungen angeblicher paranormaler Phänomene bekannt wurde.

Das Thema passt in den Harz

Die Idee für das Museum entstand während eines Italienaufenthaltes. Lautner besuchte dort das Foltermuseum Museo della Tortura in Siena. "Da habe ich gesehen, wie viele Menschen sich für solche historische Themen interessieren", sagt er.

Auf der Suche nach einem passenden Standort fiel die Wahl auf den Harz. "Hexen und Harz - das passte einfach zusammen", sagt Lautner. "Das Museum Obscurum versteht sich als historisch orientierte Ausstellung und will erklären, warum Menschen früher an Hexen, Zauber und übernatürliche Kräfte glaubten."

Quelle: dpa

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