Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt muss Wind- und Solarleistung stark ausbauen

Ein Papier des Energieministeriums skizziert die künftige Energieversorgung in Sachsen-Anhalt. Die Szenarien zeigen, wie stark erneuerbare Energien dafür wachsen müssten.
Magdeburg (dpa/sa) - Wärmepumpen, Elektroautos und eine stärker elektrifizierte Industrie dürften den Strombedarf in Sachsen-Anhalt deutlich erhöhen. Um diesen Bedarf künftig zu decken, müsste sich die installierte Windleistung bis 2045 etwa verdoppeln, die Photovoltaik-Leistung mindestens verdreifachen. Das geht aus einem Papier des Energieministeriums in Magdeburg hervor. Die Werte unterscheiden sich je nach Szenario. Das Papier "Energiesystem Sachsen-Anhalt - Status quo, Szenarien und Perspektiven" soll als Grundlage für die künftige energiepolitische Debatte dienen.
Zusätzlicher Strom wird der Analyse zufolge auch für Elektrolyseure zur Herstellung von grünem Wasserstoff und für Rechenzentren benötigt. Wind, Photovoltaik und Bioenergie decken demnach derzeit mit rund 30 Terawattstunden mehr als ein Viertel der jährlich verbrauchten Energiemenge. Bei der Bruttostromerzeugung liegt der Anteil der Erneuerbaren laut Ministerium bei etwa 63 Prozent.
Weniger neue Windräder
Die Ausbauannahmen treffen auf einen zuletzt schwachen Zubau bei der Windkraft. Im ersten Halbjahr 2026 gingen nach Angaben der Fachagentur Wind und Solar 13 neue Anlagen mit zusammen 76,8 Megawatt ans Netz - rund 48 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich wurden 84 ältere Anlagen mit 127 Megawatt Leistung stillgelegt. Die installierte Windleistung ging dadurch leicht zurück.
AfD will Genehmigungen aussetzen
Die AfD, die bei der Landtagswahl im September stärkste Kraft wurde, will laut Regierungsprogramm im Fall einer Regierungsübernahme Genehmigungen für neue Windräder vorerst aussetzen. Ob sich ein solches Moratorium rechtlich umsetzen ließe, ist unklar.
Netze und Speicher werden wichtiger
Für eine sichere Versorgung reicht nach Einschätzung des Ministeriums der Ausbau der Stromerzeugung allein nicht aus. Zusätzlich müssten Speicher und Stromnetze ausgebaut werden, vor allem die Verteilnetze. Sie sollen erneuerbaren Strom aufnehmen und von den großen Leitungen zu den Verbrauchern bringen. Notwendig seien zudem genügend Netzanschlüsse für Wärmepumpen, E-Autos, Industrie, Elektrolyseure und Großspeicher. Wind- und Solaranlagen sollten möglichst nah an den Verbrauchern und auf bereits genutzten Flächen entstehen. Digitalisierung und intelligente Messsysteme könnten helfen, den Stromverbrauch flexibler zu steuern.
Zur Absicherung des Stromsystems nennt das Papier neue Gaskraftwerke, die künftig auch mit Wasserstoff betrieben werden können. Auch Fernwärmenetze und Industrie sollen stärker elektrifiziert und klimafreundlicher werden. Abwärme sowie Wärme aus dem Boden und aus Gewässern sollen ebenfalls stärker genutzt werden.