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Sachsen-AnhaltWandergesellen für ein altes Krankenhaus in Harzgerode

08.10.2026, 04:04 Uhr
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Normalerweise sind Wandergesellen unterwegs. Für eine Sommerbaustelle in Harzgerode haben sich hunderte Freireisende Gesellen für vier Wochen zusammengetan.

Harzgerode (dpa/sa) - Ein Bündel auf dem Rücken, den Wanderstock in der Hand und das nächste Ziel irgendwo am Horizont - so stellt man sich traditionell einen Handwerker auf der Walz vor. In der ehemaligen Kinder-Lungenheilstätte in Harzgerode haben Hunderte Handwerksgesellen auf ihrer Wanderschaft allerdings einen ungewöhnlichen Zwischenstopp eingelegt.

Sommerbaustelle für den guten Zweck

Die jungen Leute halfen dort auf der Sommerbaustelle für vier Wochen der Wohngemeinschaft "Freie Feldlage". Das ist eine Gruppe von Menschen, die gemeinschaftliches Wohnen mit ökologischen und selbstverwalteten Strukturen verbinden will. Sie hatten das Gelände vor etwa acht Jahren als Genossenschaft gekauft.

Die Handwerker sind Freireisende und Gesellinnen und Gesellen verschiedener Schächte. Sie ziehen von Ort zu Ort und arbeiten bei verschiedenen Handwerksbetrieben oder Projekten. Zeitweise arbeiteten 120 Wandergesellinnen und Wandergesellen auf dem Gelände. "Insgesamt waren es 360 Handwerker", so die Freireisende Zimmerin Jasmin. In Harzgerode teilten sie sich nicht nur die Arbeit, sondern auch Unterkunft, Essen und das Leben auf dem Gelände.

Freireisende und Wandergesellen

Wer auf der klassischen Walz unterwegs ist, kann sich einem sogenannten Schacht anschließen. Schächte sind traditionelle Zusammenschlüsse von Wandergesellen. Sie haben eigene Regeln, Rituale, Erkennungszeichen und Netzwerke. Über sie können Gesellen etwa Kontakte zu anderen Handwerkern, Arbeitsmöglichkeiten und Unterkünfte finden. Daneben gibt es die Freireisenden. Sie sind ebenfalls auf Wanderschaft, gehören aber keinem festen Schacht an. Sie organisieren ihre Reise, ihre Arbeit und ihre Kontakte eigenständig. An der Sommerbaustelle beteiligten sich Freireisende ebenso wie Gesellen aus unterschiedlichen Schächten. Organisiert wird das Projekt von den Wandergesellen selbst.

Ein Theatersaal und mehrere kleine Baustellen

Im Mittelpunkt der diesjährigen Aktion stand der historische Theatersaal in der ehemaligen Heilstätte. "Der alte Putz wurde entfernt und eine mineralische Innendämmung angebracht", sagte Jasmin. "Ebenso wurden auf den Wandflächen Wandheizungsrohre verlegt und mit Lehm verputzt." Bei den historischen Fenstern konnten die Handwerker traditionelle Techniken anwenden, die sie im normalen Arbeitsalltag nur selten benötigen. Neben dieser Hauptbaustelle wurden auch Garagendächer erneuert, ein Spielplatz und ein Gemüsegarten angelegt und ein Pizzaofen gemauert.

Wohngemeinschaft will Menschen zusammenbringen

Die Wohngemeinschaft "Freie Feldlage" umfasst derzeit 30 Personen, davon sieben Kinder. "Mit der Sanierung des Theatersaals wollen wir für die Region eine Begegnungs- und Versammlungsstätte zur Verfügung stellen", sagte der Sprecher und Mitorganisator der Sommerbaustelle, Stefan Blasek. Die Gemeinschaft hält das besonders im ländlichen Raum für wichtig, weil es immer weniger Räume gebe, in denen Menschen noch zusammenkommen könnten. "Wir sind sehr dankbar für die Hilfe der Wandergesellen", sagte Blasek. "Außerdem ist diese Art der Zusammenarbeit für uns eine neue Erfahrung."

Geld kommt von Stiftung und Spenden

Die Arbeitsleistung müsste auf dem normalen Bau- und Handwerkermarkt bezahlt werden. Für die vierwöchige Aktion werden bis zu 170.000 Euro veranschlagt. Das Geld wird unter anderem für Material, Verpflegung, Unterkunft, Baustelleninfrastruktur und Brandschutzmaßnahmen benötigt. Nach Angaben der Organisatoren läuft die Finanzierung unter anderem über eine Stiftung und über Crowdfunding. Und die Gemeinschaft soll noch wachsen. Später sollen hier bis zu 100 Menschen leben. "Ein Zimmer kostet zwischen 200 und 400 Euro und der Genossenschaftsanteil beträgt 5.000 Euro", sagte Blaschek.

Die Kinder-Lungenheilstätte Harzgerode entstand zwischen 1929 und 1931 und gilt als bedeutendes Beispiel des modernen Krankenhausbaus. Große Fenster und breite Terrassen sollten den Kindern möglichst viel Licht und frische Luft bieten. 1998 wurde die Klinik geschlossen. Danach stand der rund 21 Hektar große Komplex mit seinen Gebäuden rund 20 Jahre weitgehend leer.

Quelle: dpa

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